Frostkatastrophe blieb vorerst aus – wenn da nur nicht …

Keine Minus-Grade in der Nacht von Sonntag auf Montag im Rheintal. Vorläufiges Aufatmen im Obstbau.
Höchst, Fraxern Es war kalt in der Nacht von Sonntag auf Montag. Doch nicht so kalt, wie einige Wettermodelle der letzten Tage befürchten ließen. Von bis zu fünf Grad minus war da die Rede – eine Katastrophe mit Ansage für viele Obstbauern wäre das gewesen.

“Nach einer ersten Einschätzung würde ich sagen, dass wir vorerst von dramatischen Schäden verschont blieben”, schildert der erfahrene Kirschen-Bauer Josef Summer (76) die Situation im Kriasi-Dorf Fraxern. Seine Halbstämmer hat Summer eher im unteren Teil der Anbaufläche. Richtige Erleichterung freilich entweicht ihm nicht. “Es bleibt ja kalt. Das Wetter ändert sich nicht. Das macht mir Sorgen.”

Kollege Steve Mayr (41), seines Zeichens auch Bürgermeister von Fraxern, spricht von den großen Belastungen, welchen die Bäume durch die extremen Temperaturgegensätze der letzten Wochen ausgesetzt sind. Doch er sieht auch Positives. “Wir hatten eine super Bestäubungsperiode. Es gibt viele Früchte. Einen begrenzten Ausfall würden wir verkraften.”
Kleinerer Ertrag
30 Kilometer weiter nördlich im Rheindelta-Gebiet. Dort bangt Wolfgang Karg mit seinen Helfern um die Erdbeerernte. Noch ist aber auch er zuversichtlich. “Die Temperaturen sind in der Nacht von Sonntag auf Montag nicht ins Minus abgerutscht. Das ist gut. Gelitten haben die Früchte aber bereits durch den Föhnsturm, die Temperaturgegensätze und die Nässe. All das wird den Ertrag mindern.” Die kleinen grünen Früchte sind auf der Karg-Plantage bereits da. Sie würden bald wärmeres Wetter brauchen. Der Start der Ernte sollte um das erste Mai-Wochenende erfolgen. Karg hofft auf einen Temperaturanstieg, der langsam geht.
Störche noch nicht geschlüpft
Seine Fruchtberegnungsanlage nicht gebraucht hat der Apfelbauer Jens Blum, wenige Kilometer weiter nördlich von den Karg-Feldern. “Doch wir werden wachsam bleiben. Es sind weitere kalte Nächte nach Mitte dieser Woche angesagt”, berichtet Blum. Die Aktivierung der Frostberegnungsanlage bleibt für ihn eine Option, sollte sich die Wettersituation wieder zuspitzen.

Nicht nur die Pflanzen müssen sich derzeit den widrigen klimatischen Verhältnissen stellen. Auch die Vögel im Schweizer Ried kämpfen mit den vorherrschenden Wetterkapriolen. Großes Glück für die Störche. “Die Jungtiere sind noch nicht da. Wären sie das, würde ihnen dieses Wetter stark zusetzen”, berichtet Walter Niederer, der für das Storchenprojekt in Vorarlberg zuständig ist. Derzeit brüten im Land rund 100 Paare.

Geschlüpft sind indes die ersten Kiebitze. “Aber natürlich macht ihnen dieses Wetter zu schaffen. Und so gut ist es um den Bestand ja nicht bestellt”, erzählt Reinhard Hellmair, Aufseher im Schweizer Ried.

Es bleibt kalt
Gebannt ist die Gefahr noch nicht. Manfred Bauer, Chefmeteorologe von der Geosphere Innsbruck, kündigt weitere Nächte mit Gefahrenpotenzial für den Obstbau an. “Es bleibt kalt. Besonders frostanfällig werden diese Woche die Nächte von Mittwoch auf Donnerstag und vor allem von Donnerstag auf Freitag.” Bauer räumt ein, dass eine Kälteperiode von solcher Länge für diese Jahreszeit absolut ungewöhnlich ist.” Mit dem Kältespuk vorbei sein sollte es erst zum Wochenende hin.