Das Klima im Wandel: Ein Superlativ jagt den nächsten

Informativer Vortrag von Mario Winkler zu den Folgen des Klimawandels und des Bodenverbrauchs in Österreich.
SCHLINS „Es ist schade, dass eine so wichtige Veranstaltung leider so wenig Resonanz findet, obwohl es ein Thema ist, das wirklich alle betrifft“, sagte Julian Amann, Obmann des Landwirtschaftsausschusses, bei der Begrüßung des Referenten Mario Winkler zu dem Vortrag „Boden – eine Lebensgrundlage“ im Wiesenbachsaal in Schlins. Die Einladung erfolgte durch den Obst- und Gartenbauverein, den Bienenzuchtverein, dem Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss der Gemeinde Schlins sowie KLAR! Im Walgau. Mario Winkler ist ein Experte, was die Folgen des Klimawandels und des kontinuierlichen Verbrauchs von Wiesen, Äckern und Wäldern anbelangt. Als agrarischer Spezialversicherer der Österreichischen Hagelversicherung weiß er um die drastischen Konsequenzen, wenn kein Umdenken in der Wirtschaft und in der Bevölkerung erfolgt: „Hagelkörner sind wie Botschafter des Klimawandels.“

Zunahme von Wetterextremen
Dürreperioden und Wetterextreme bilden weltweit ein massives Problem. Die enormen Schäden, die dadurch entstehen, können durch die Rückversicherbarkeit kaum noch gedeckt werden. Er differenzierte zwischen den Begriffen Klima und Wetter, welche oftmals verwechselt werden: „Das Wetter ist ein momentaner Zustand, das Klima beschreibt einen Durchschnitt über dreißig Jahre anhand von verschiedenen Parametern.“ Das Jahr 2023 sei global und national das wärmste, seit mit den Temperaturmessungen vor 250 Jahren begonnen wurde. Das Problem dabei: „Die Superlativen gehen weiter. Heuer hatten wir schon den wärmsten Jänner, Februar und März.“ Während der Tourismus über die Zunahme der Hitzetage juble, leide die Landwirtschaft: „Die Landwirtschaft ist das Opfer Nummer Eins des Klimawandels.“

Die sommerlichen Temperaturen in den Winter- und Frühjahrsmonaten zeigen Auswirkungen auf die Vegetation: „Wenn die Blüte bei Obst- und Weinbäumen drei bis vier Wochen früher einsetzt, dann können sie durch Frosteinbrüche noch im Mai geschädigt oder gar vernichtet werden.“ 2016 war das bislang schwerste Frostjahr in Österreich, welches 200 Millionen Euro Schaden verursacht hat. Gerade junge Landwirte, die den Hof gerade übernommen hatten, hatten mit diesen Schäden sehr zu kämpfen. In Österreich sei der Frost und die Trockenheit das Hauptproblem.

Gesellschaftspolitische Komponente
Hitzetage und Starkwetterereignisse gefährden die Ernährungssicherheit, aber auch der außerordentlich hohe Bodenverbrauch: „Äcker und Wiesen sind unsere Versicherung gegen den Klimawandel. Täglich werden in Österreich mehr als elf Hektar Agrarflächen aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen, was einen zunehmenden Verlust der bäuerlichen Lebensgrundlage darstellt.“ Die Fehler in der Raumplanung zeigen sich in jährlichen Überschwemmungen an den gleichen Stellen. „Wenn man etwas erreichen möchte, braucht man ein klares Ziel“, ist Mario Winder überzeugt.

Österreich ist zudem europaweit ein Spitzenreiter im negativen Sinn, da einerseits pro Kopf 15 Meter Straße anfallen, aber auch beim Bau von Supermärkten. Diese befinden sich an den Ortsrändern, riesige Asphaltflächen werden schon allein für die Parkplätze beansprucht: „Die Dorf- und Stadtzentren verlieren durch die Abwanderung zunehmend an Attraktivität. Wenn schon weitere Supermärkte gebaut werden, frage ich mich, wieso die Parkplätze nicht mit Pflastersteinen angelegt werden, damit das Wasser absickern kann, oder warum auch nicht vermehrt in die Höhe und in die Tiefe gebaut wird.“ Wenn ein Land eine niedrige Selbstversorgung aufweist, bedeute dies Abhängigkeiten von anderen Staaten. Es brauche mehr als eine einzelne Maßnahme, um den aufgezeigten Phänomenen begegnen zu können. Dabei sei jede und jeder Einzelne gefordert: „95 Prozent unserer Nahrung kommt vom Boden. Jeder, der isst, ist auch Teil der Landwirtschaft.“ BI