Ihre Autogrammkarte hängt bei Eva Pinkelnig über dem Bett

VN / 06.03.2024 • 10:45 Uhr
Ihre Autogrammkarte hängt bei Eva Pinkelnig über dem Bett
Eva-Maria Dünser sammelt Titel um Titel im alpinen Skisport. Privat

50 Köpfe von morgen 2024: Eva-Maria Dünser, Skifahrerin mit mentaler Behinderung, gehört zur Weltspitze. Das blieb bei Österreichs Winterstars nicht unbeachtet.

Ludesch Eva-Maria Dünser (26) ist eine wahre Erfolgsgarantin, eine Überfliegerin auf Skiern. Bei den Sportlerinnen mit mentaler Behinderung gehört sie im Ski alpin zur Weltspitze. Bei zwei Weltmeisterschaften trat sie bisher an. Und brachte insgesamt schon sieben Medaillen mit nach Hause – davon sechs goldene. Auch national holte sie schon mehrere Titel. Doch die Triumphe kommen nicht von ungefähr.

Es stecken ein großer Aufwand, eine Menge Organisation und viel Disziplin dahinter. Im Gegensatz zu manchen internationalen Konkurrentinnen ist Dünser nämlich kein Vollprofi. Sie ist beim Sutterlüty in Ludesch beschäftigt. Damit sie am Mittwoch- und Freitagnachmittag am Training des WSV Ludesch teilnehmen kann, arbeitet sie an anderen Tagen mehr – vor allem samstags. Für Wettkampfwochen geht der Urlaub drauf.

Auf der Skipiste fühlt sich Eva-Maria Dünser wohl. <span class="copyright">Privat</span>
Auf der Skipiste fühlt sich Eva-Maria Dünser wohl. Privat

Doch Skifahren ist ihre Leidenschaft. “Ich mag es, an der frischen Luft zu sein, bewege mich gern, und mit den anderen Sportlern haben wir auch international eine wirklich tolle Gemeinschaft”, erzählt die Ludescherin. Bereits als Vierjährige stand sie das erste Mal auf Skiern, das liegt in der Familie.

Viel Unterstützung von Familie und Freunden

Erst deutlich später begann sie allerdings mit gezieltem Training unter Coach Martin Nessler. 2018 wurde sie vom Österreichischen Behindertensportverband (ÖBSV) aufgenommen. Zu Beginn lief es noch etwas holprig. Bei ihrem ersten Rennen war sie zwar schneller als alle anderen unterwegs, verpasste dann aber die Tore vor lauter Tempo. Bei der Weltmeisterschaft 2019 in Grenoble (Frankreich) nur etwa ein Jahr später zeigte sie bereits ihr ganzes Können. Mit Goldmedaillen im Riesenslalom, Super-G und Teambewerb sorgte sie für eine große Überraschung.

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Mit dabei: Ihre Familie, die sie unterstützt, wo es geht. Regelmäßig präpariert Papa Dietmar selbst die Skier der Tochter. Immer wieder tauchen auch Überraschungsgäste bei den Rennen auf. So feuerten sie schon viele Verwandte, Freunde und sogar der Bürgermeister von Ludesch am Pistenrand an. Bei der WM in Seefeld 2023 reiste ein ganzer Fanclub aus unterschiedlichen Ecken an. Über 30 Menschen jubelten Eva-Maria Dünser zu. Das lohnte sich. Mit drei goldenen und einer Silber-Medaille kehrte sie von den Titelkämpfen zurück.

Bei der Virtus Ski-WM war Dünser die erfolgreichste rot-weiß-rote Starterin. <span class="copyright">Sebastian Marko</span>
Bei der Virtus Ski-WM war Dünser die erfolgreichste rot-weiß-rote Starterin. Sebastian Marko

Aufregend war für die 26-Jährige zudem, dass ein Fernsehteam des ORF sie einen Tag lang begleitete. Bis ihr Trainer sagte: “Jetzt ist fertig.” Nach dem letzten Rennen musste Dünser zur Dopingkontrolle. Gefahren wird nämlich nach den offiziellen FIS-Regeln. Da gehört auch das dazu. Zurück in der Heimat gab es einen großen Empfang für die sechsfache Weltmeisterin.

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Im Oktober durfte sie zur Sportgala nach Wien und ihre Idole treffen. Marlies und Benni Raich zum Beispiel agierten bereits als Paten bei der Heim-WM 2023. Sie nehmen sich viel Zeit für die Sportler mit mentaler Behinderung und trainieren auch regelmäßig mit ihnen. Außerdem begegnete Dünser den Skispringern Stefan Kraft, Thomas Morgenstern und vielen vielen mehr. Besonders war das Aufeinandertreffen mit dem Vorarlberger Skisprung-Star Eva Pinkelnig.

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Denn es war nicht die erste Begegnung der Vorarlbergerinnen. Beim Tag des Sports Wochen zuvor hatte sich Dünser eine Autogrammkarte von Pinkelnig gesichert – und im Tausch gleich eine von sich selbst überreicht. Als die Skispringerin Dünser bei der Gala entdeckte, rief sie ihr zu: “Hey Eva-Maria, deine Autogrammkarte hängt in meinem Zimmer über meinem Bett.” Ein besonderer Moment für die 26-Jährige.

Voller Terminkalender im März

Denn die mental beeinträchtigten Athleten fristen oft ein Dasein im Hintergrund. Die größere Rolle nehmen nicht selten die Athleten mit geistiger Behinderung ein, die ja auch durch die Special Olympics in den Fokus rücken. “Ich weiß nicht warum, aber zwischen Para, Mental und Specials ist einfach ein Bruch. Das klappt überhaupt nicht”, schildert Mama Ilse Dünser. Und auch in Sachen Inklusion ist ihrer Meinung nach noch viel Luft nach oben.

Dünser ist auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. <span class="copyright">Privat</span>
Dünser ist auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Privat

Durch die Heim-WM sind die Vorarlberger zumindest mit neuem Trainingsmaterial ausgestattet worden. Und es wird sich um Nachwuchs bemüht. Aktuell ist Eva-Maria Dünser nämlich die einzige Vorarlberger Starterin. Der Weg ist also noch ein weiter. Durch Sponsoren kriegt sie immerhin ein wenig finanzielle Unterstützung. Die ist auch nötig, denn für die Rennen braucht die Sportlerin unterschiedliche Skier und Helme.

Aktuell ist sie die einzige Teilnehmerin aus Vorarlberg. <span class="copyright">Privat</span>
Aktuell ist sie die einzige Teilnehmerin aus Vorarlberg. Privat

Die werden dieses Frühjahr wieder viel im Einsatz sein. Dünser startet stets für den Sportverein Caps um Obmann Robert Allgäuer. Im Februar steht noch ein Rennen in Brand an. Der März ist dann mit Terminen vollgepackt. Es geht nach Polen, an den Kronplatz und nach Frankreich. Dort wird die Ludescherin wieder um Siege mitfahren – wie sie es seit Jahren macht.

Mit vier Jahren stand die heute 26-Jährige das erste Mal auf Skiern. <span class="copyright">Privat</span>
Mit vier Jahren stand die heute 26-Jährige das erste Mal auf Skiern. Privat

Die 50 Köpfe 2024

Eine Juristin mit Leidenschaft für Diamanten – Katharina Kopf

Der Lenz ist da und will noch viel mehr – Lenz Moosbrugger

“Ich möchte Pianist werden” – Aljosa Marinkovic

Das berufliche Glück in der Pflege gefunden – Merle Koch

Er macht mit seinem Bilderbuch Religion kinderleicht – David Dünser

Eine zielsichere Kandidatin für die Heim-EURO – Viktoria Marksteiner

Ein Geschäftsführer, der auf Mitarbeiterbeteiligung setzt – Alexander Einetter

Auf dem Weg zur europäischen Spitze im Radsport – Johanna Piringer

Er rüstet Vorarlberg für die digitale Transformation – Florian Buehler

Sie setzt sich für Frauen und Gleichstellung ein – Carina Ebenhoch

Musikalisches Talent und ehrenamtliches Engagement – Johannes Hinteregger

Jüngster Abteilungsmeister mit großer Verantwortung – Lukas Schupp

Ausnahmetalent aus Syrien gewinnt Physikolympiade – Abdul Rahman Najeeb

Vom Verletzungsrückschlag zum Kampf um die Top 30 – Noel Zwischenbrugger

Von der Turnmatte in die Molekularbiologie – Johannes Schwab

Ein Geiger zwischen Virtuosität und Sensibilität – David Kessler

Schillernde Auftritte mit wichtiger Botschaft – Verena Giesinger
Tore sind sein Markenzeichen – Fabio Ebner

Gott als Freund und die Kunst des Predigtschreibens – Jakob Geier
Bei ihr dreht es sich um die europäische Idee – Marijana Milosevic

“Wir wollen ein offener Hof sein” – Josef Rosenzopf

Ein Bregenzerwälder genießt die Schokoladenseite des Lebens – Viktor Vogel

Er erobert die Bühne als Zauberkünstler – Timur Karaaslan

Vom Kinderzimmer in Feldkirch zum internationalen Erfolg – Tobias Gaggl

ÖSV-Athlet startet seine Karriere in der Nordischen Kombination – Kilian Gütl

Moore sind für sie eine Herzensangelegenheit – Bettina Hefel

Erfolgreiche Köchin und Unternehmerin mit kulinarischer Leidenschaft – Livia Begle

Meisterin auf dem Cello – Hannah Amann

Restaurant in eigenen vier Wänden – Daniel Kohler

Olympia als Traum und Triebfeder – Anna Mager

Die selbstständige Soldatin – Angelica Moser

Mit Talent fürs Krisenmanagement – Bianka Havasi
Im unermüdlichen Einsatz für Frauenrechte – Verena Hofer
Sie sorgt auch abseits des OPs für Gesundheit – Sarah Bertsch

Begeisterte Changemaker in der Hotellerie – Magdalena und David Kessler