Verena Giesinger dirigiert erstes Wiener Neujahrskonzert: Schillernde Auftritte mit wichtiger Botschaft

50 Köpfe von morgen 2024: Verena Giesinger (Jhg. 1987) aus Altach ist Dirigentin, künstlerische Leiterin, Sängerin, Perfomerin, Pianistin und einiges mehr.
Wien, Altach Anfang Jänner schrieb eine Vorarlbergerin in Wien Musikgeschichte: Verena Giesinger, Dirigentin und Leiterin des Schmusechors. Die 36-jährige Altacherin hat im WUK als erste Frau ein Wiener Neujahrskonzert dirigiert.
Dazu inspiriert bzw. provoziert wurde sie durch die Aussage des Dirigenten Franz Welser-Möst, der auf die Frage, warum bislang noch nie eine Frau das Neujahrskonzert dirigieren durfte, meinte: „Es kommt hierbei nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Erfahrung an, die man in Orchestern gesammelt hat. Das ist eine künstlerische Frage, keine politische, denn fürs Neujahrskonzert gilt schlicht: Das ist das Komplexeste, was man dirigieren kann.“ Der Schmusechor trat an zwei Abenden im WUK auf. Der erste Termin war bereits nach 40 Sekunden ausverkauft.


Den Schmusechor steht für Mehrstimmigkeit und positioniert sich bewusst gegen stereotype Genderrollen. Wenn die mittlerweile knapp 50 Mitglieder ein Konzert geben, dann treten sie nicht einfach nur auf. Nein. Sie singen, tanzen, performen, tragen spektakuläre Kostüme und glitzerndes Make-up. Ihr Repertoire umfasst Lieder von David Bowie bis Billie Eilish. Verena Giesinger hat den queer-feministischen Popchor 2014 gegründet, dirigiert und leitet ihn seither.
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Daneben ist die studierte Musiktherapeutin und Kultur- und Medienmanagerin seit 2019 künstlerische Leiterin und Dirigentin des Wiener femchors, ein Chor, der gegen Sexismus und Diskriminierung jeglicher Art eintritt, singt selbst in verschiedenen Ensembles und Formationen, performt und spielt Piano. Am 20. Februar hat die Theaterproduktion „Das Festbankett“, die Verena Giesinger, gemeinsam mit dem queer-immersiven Theaterensemble Nesterval umsetzt, im Wien Museum Premiere gefeiert. Die nächsten Auftritte des Schmusechors stehen am 3. Mai (Performance im Belvedere Museum) und am 4. Juni (Konzert in der Sargfabrik Wien) am Programm.

Die Debatte um nicht männliche Dirigenten beim Neujahrskonzert steht für die 36-Jährige stellvertretend für die vielen Missstände in Österreichs Musikbranche. „Ich erlebe in meinem beruflichen Alltag ständig strukturelle Diskriminierung, die bei fehlender Augenhöhe mit Veranstalterinnen und Veranstaltern anfängt und sich nicht zuletzt in der Zusammenarbeit mit Tontechnikern äußert, bei denen ich mich die ersten Minuten von unseren Soundchecks immer wieder aufs Neue profilieren muss. Es ist ein durchaus mühevoller Kraftakt, sich als Frau in der Musikbranche durchzusetzen, der jeden Tag aufs Neue eine bewusste Entscheidung und viel Energie benötigt“, erzählt sie.
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Die 50 Köpfe 2024
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Der Lenz ist da und will noch viel mehr – Lenz Moosbrugger
“Ich möchte Pianist werden” – Aljosa Marinkovic
Das berufliche Glück in der Pflege gefunden – Merle Koch
Er macht mit seinem Bilderbuch Religion kinderleicht – David Dünser
Eine zielsichere Kandidatin für die Heim-EURO – Viktoria Marksteiner
Ein Geschäftsführer, der auf Mitarbeiterbeteiligung setzt – Alexander Einetter
Auf dem Weg zur europäischen Spitze im Radsport – Johanna Piringer
Er rüstet Vorarlberg für die digitale Transformation – Florian Buehler
Sie setzt sich für Frauen und Gleichstellung ein – Carina Ebenhoch
Musikalisches Talent und ehrenamtliches Engagement – Johannes Hinteregger
Jüngster Abteilungsmeister mit großer Verantwortung – Lukas Schupp
Ausnahmetalent aus Syrien gewinnt Physikolympiade – Abdul Rahman Najeeb
Vom Verletzungsrückschlag zum Kampf um die Top 30 – Noel Zwischenbrugger
Von der Turnmatte in die Molekularbiologie – Johannes Schwab
Ein Geiger zwischen Virtuosität und Sensibilität – David Kessler