So geht Mount Everest auch: Stefan Hämmerle (37) bestieg den Karren 17 Mal

VN / 14.02.2024 • 14:50 Uhr
Gut gemacht: Stefan Hämmerle darf auf seinen Everesting-Erfolg stolz sein.
Gut gemacht: Stefan Hämmerle darf auf seinen Everesting-Erfolg stolz sein.

Bergauf zu Fuß, bergab mit der Gondel: Stefan Hämmerle hat den höchsten Berg der Welt bezwungen – in Österreich. Wie das funktioniert.

Übersaxen Das Konzept klingt denkbar einfach: Sportlich ambitionierte Radfahrer oder Läufer suchen sich einen beliebigen Anstieg und bewältigen diesen ohne Unterbrechung so oft, bis die damit gesammelten Höhenmeter der Höhe des Mount Everest entsprechen, also schlappen 8848 Metern. Soweit die Theorie. In der Praxis verlangt das Everesting, wie dieser Trend genannt wird, hingegen eine ordentliche Portion Schmalz. Stefan Hämmerle (37) hat sich unlängst am Karren der Herausforderung gestellt.

Insgesamt 17 Aufstiege benötigte er, um sich nach 13 Stunden und 24 Minuten reiner Gehzeit wie ein Everest-Bezwinger fühlen zu können. „Auf den letzten drei Runden wurde es zäh“, bekennt Hämmerle. Doch nicht der Körper machte ihm zu schaffen, sondern der Kopf. Aufgeben kam für ihn aber nie in Frage. „Für heuer“, gibt er jedoch gerne zu, „reicht es.“ Jetzt stehen für den in Übersaxen beheimateten gebürtigen Schweizer wieder gemütliche Wanderungen mit der Familie und Trailrunning auf dem Freizeitprogramm.

Und wieder hinauf: Stefan Hämmerle (r.) praktizierte das nicht weniger als 17 Mal.
Und wieder hinauf: Stefan Hämmerle (r.) praktizierte das nicht weniger als 17 Mal.

Kein spezielles Training

Stefan Hämmerle entdeckte erst vor drei Jahren seine Liebe zu den Bergen. Seitdem hält sie ihn gefangen. Beinahe jede freie Minute ist er irgendwo draußen zu finden. „Es macht Spaß“, lautet die simple Begründung. Auf das Everesting hat sich der Logistiker nicht speziell vorbereitet. Er zog einfach sein obligates Training durch: vier bis fünf lange Läufe im Gelände und ausdauernde Bergtouren.  Die Entscheidung zur Challenge fiel deshalb auch relativ kurzfristig. Hämmerle wollte niemandem, außer sich selbst, etwas beweisen: „Ich habe es für mich getan. Ich wollte ausprobieren, was mir mein Training körperlich bringt und wie weit ich mental komme.“ Es hätte, wie sich schlussendlich zeigte, für den Mount Everest gereicht.

Stefan Hämmerle und Joschi Buchner (l.), der ihn auf einigen Aufstiegen begleitete.
Stefan Hämmerle und Joschi Buchner (l.), der ihn auf einigen Aufstiegen begleitete.

Um sechs Uhr früh machte sich Stefan Hämmerle auf den Weg. Unterstützt wurde er von seinen Bergfreunden Joschi Buchner und Jürgen Schnetzer. Sie sind teilweise mitgelaufen, haben jedoch vor allem dafür gesorgt, dass es dem wackeren Läufer an nichts fehlte, weder an Zuspruch, noch an Motivation und schon gar nicht an der Verpflegung. Zwei Bananen, ein Nussstollen, vier Wurstbrote und drei kleine Linzertörtchen machten Stefan Hämmerle schnelle Beine, ohne zu belasten. Dazu kamen noch 7,5 Liter an Flüssigkeiten. In Summe verlangte das Everesting ihm über 7000 Kalorien ab. Ebenfalls zur Seite stand Hämmerle die Belegschaft der Karrenseilbahn, die ihn bis zum Abschluss immer wieder ins Tal beförderte, von wo aus der Übersaxner den nächsten Anstieg in Angriff nahm. Nach gesamt 16 Stunden und acht Minuten, 17 Besteigungen, 76.663 Schritten und 51,66 zurückgelegten Kilometern war das Unterfangen „Everesting“ erfolgreich abgeschlossen.

Laufen im Gelände gehört für den Logistiker zum normalen Bewegungsprogramm.
Laufen im Gelände gehört für den Logistiker zum normalen Bewegungsprogramm.

Everesting im Brandnertal

Nicht gerechnet hat Stefan Hämmerle mit dem großen öffentlichen Interesse, das sein Vorhaben auslöste. Er freut sich trotzdem darüber. Wälzt er nach diesem Erfolg noch weitere ähnlich gelagerte Pläne? Mehr als der Mount Everest geht nicht, oder? Stefan lacht: „Höhenmeter kann man immer toppen.“ Doch wie schon gesagt, zumindest für heuer reicht es ihm. Das erste, als Everesting bezeichnete Ereignis stammt übrigens von George Mallory, dem Enkel des Erstbesteigers des Mount Everest, George Mallory, der 1924 an eben diesem Berg verschwand. Aktuell gibt es im Juni im Brandnertal ein Everesting für Läuferinnen und Läufer. Auch dort heißt es: bergauf zu Fuß, bergab mit der Gondel.

Stefan Hämmerle verbringt viel Zeit mit Wanderungen, an denen oft auch die Familie teilnimmt.
Stefan Hämmerle verbringt viel Zeit mit Wanderungen, an denen oft auch die Familie teilnimmt.

Zur Person

Stefan Hämmerle

Alter: 37

Beruf: Logistiker

Wohnort: Übersaxen

Familienstand: verheiratet

Stefan Hämmerle und Joschi Buchner genießen nach getaner Anstrengung den Blick ins Tal.
Stefan Hämmerle und Joschi Buchner genießen nach getaner Anstrengung den Blick ins Tal.
Auch einem Klettersteig kann Stefan Hämmerle viel Schönes abgewinnen.
Auch einem Klettersteig kann Stefan Hämmerle viel Schönes abgewinnen.
Stefan Hämmerle fühlt sich in den Bergen zu Hause.
Stefan Hämmerle fühlt sich in den Bergen zu Hause.