Nüziders soll für Autofahrer unattraktiver werden

Nüziger Bürger konnten beim Bevölkerungsworkshop über das Straßen- und Wegekonzept diskutieren. Zwiegespalten war die Bevölkerung über die geplante Begegnungszone mit 20 km/h im Nüziger Ortszentrum.
Nüziders Fast ein Jahr nach dem ersten Bevölkerungsworkshop in Nüziders, fand jetzt im November der zweite statt. Dieses Mal ging es aber nur um das Straßen- und Wegekonzept (SWK) und nicht auch noch um den Räumlichen Entwicklungsplan (REP). Der Andrang war groß, rund 80 Personen fanden sich im Sonnenbergsaal ein.

Bürgermeister Florian Themeßl-Huber klärte die Bürger über das SWK auf: In den Gremien wurden die Maßnahmen bereits diskutiert. Jetzt können die Bürger ihren Input dazu geben. Das SWK soll dabei helfen, die Mobilität im Dorf zu lenken. Es ist dazu da, den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu stärken.

Die Gemeinde hat schon einige Themenschwerpunkte ausgearbeitet: So soll es ein Geschwindigkeitsregime im Ort geben, Fuß- und Radverbindungen aufgewertet und verkehrsberuhigte Zonen geschaffen werden. „Manche Projekte sind schon sehr weit gediehen, andere wiederum befinden sich im Ideenstadium. Bei manchen Projekten braucht es auch Dritte dazu. Diese Projekte können wir gar nicht alleine umsetzen“, fasste Florian Themeßl-Huber zusammen.

Alexander Kuhn vom Verkehrsingenieurbüro Besch und Partner präsentierte den Entwurf des SWK. „Die Lösung sollte von möglichst vielen mitgetragen werden.“ Mehr Sicherheit soll zum Beispiel der neue Kreisverkehr bringen, der bei der Kreuzung L193 und L190 (Landesstraße Richtung Liebherr, Abzweigung zum Industriegebiet von Ludesch und Nüziders) entstehen soll.

Größere Sorgen bereitet Alexander Kuhn die L91 (Waldburgstraße), die keine Hauptsammelstraße, aber eine Landesstraße ist, weshalb die Gemeinde da auch keine Handhabe hat. „Es ist keine Verbindungsstraße zwischen Bludenz und Feldkirch“, betonte Alexander Kuhn. Man habe sich auch über ein Einbahnstraßensystem auf der L91 Gedanken gemacht, aber das würde keinen Sinn machen. „Die Sammelstraßen würden dadurch noch mehr mit Verkehr belastet“, so Kuhn. Auch der Landbus fährt über die L91. Würde man auf der L91 durch den Ortskern eine Einbahnregelung machen, würde man den öffentlichen Nahverkehr schwächen, da die Busse so nicht mehr durch das Ortszentrum fahren können.

Als weitere Maßnahme soll die Geschwindigkeit auf den Sammel- und Erschließungsstraßen auf 30 km/h reduziert werden. „Die Nüziger Straßen haben nicht die Infrastruktur, dass Fußgänger und Radfahrer bei Tempo 40 und mehr noch geschützt werden können.“ Alexander Kuhn ist der Meinung, dass man die Geschwindigkeitsreduktion auf jeden Fall kontrollieren müsse. „Wir haben hier ein sehr kompaktes Siedlungsgebiet. Da ist es durchaus zumutbar, dass man auf den Gemeindestraßen langsamer fährt.“

Tempo 30 bringe viele Vorteile, wie Alexander Kuhn erläuterte: Zum einen steigt die Aufenthaltsqualität für die Anrainer. Es wird leiser und die Emissionen gehen zurück. Außerdem wird es sicherer, vor allem für Fußgänger, weil auch nicht jede Gemeindestraße einen Gehsteig hat.

Da die Radroute auf der L91 führt, wäre es auch für Radfahrer sicherer, wenn man die Geschwindigkeit von derzeit 50 auf 40 km/h herabsetzt. „Für Radfahrer gibt es kaum Qualität auf der L91“, weiß Alexander Kuhn. Richtung Hängender Stein führt die Landesradroute entlang, aber eine Radinfrastruktur gibt es dort nicht, weshalb auch hier eine Geschwindigkeitsreduktion angedacht ist.

Ebenfalls im Gespräch ist eine Begegnungszone im Ortszentrum. Hier ist die Straße so schmal, dass es keine wirklichen Gehsteige gibt. In dieser Mischverkehrsfläche könne man sich gut eine Begegnungszone mit Tempo 20 vorstellen. „Eine Begegnungszone entwickelt ein Ortszentrum mit“, erklärte Alexander Kuhn. „Sie kann Straßen umgestalten und Wege attraktiver machen.“ So könne zum Beispiel auch die Gastronomie wiederbelebt werden. Die Garten- und Schulstraße könnten mit in die Begegnungszone aufgenommen werden, in denen dann ebenfalls nur noch 20 km/h erlaubt wären.


Fahrradstraßen könnten sich die Verantwortlichen in den Straßen „Im Hag“ und „Quadraweg“ vorstellen. Diese wären für die Landesradroute eine gute Alternative zur viel befahrenen L91. In der Sägebachstraße und Walgaustraße soll man in Zukunft nur noch 30 km/h fahren. Dafür müsse man die Sägebachstraße baulich etwas adaptieren, damit sie auch aussieht wie eine Tempo-30-Straße. So könnten auf der Straße Bäume als Hindernisse gepflanzt werden.

Im Illweg soll ein Fahrverbot den Durchgangsverkehr zum Gewerbegebiet reduzieren. „Den Durchgangsverkehr wollen wir aus dem Ortsgebiet kriegen“, sagte Alexander Kuhn. Auch auf dem Tschippweg soll ein Fahrverbot kommen, da dort eine scharfe, uneinsichtige Kurve ist. Die P+R-Parkplätze können dann über die Rhätikonstraße angefahren werden.

Im Hag ist zwar keine Sackgasse mehr – es gibt den Lückenschluss zur Zollgasse –, aber man müsse darauf schauen, dass es keinen Durchgangsverkehr, sondern nur Ziel- und Quellverkehr gibt. Der Lindenweg und Oferstweg sollen nicht durchgängig gemacht werden, sondern nur für Fußgänger und Radfahrer passierbar sein. Generell sollen die Radwege verbessert und zum Teil auch verlegt werden. „Für Radfahrer und Fußgänger wollen wir eine bessere Infrastruktur stellen“, so Kuhn.

An Gruppentischen diskutierten im Anschluss die Bürger über das SWK. Was finden sie gut, was soll verbessert werden? Auch Ideen und Vorschläge konnten sie anbringen. Michael Ehgarter findet, dass der Illweg zu stark frequentiert sei. „Da fahren zehn bis 20 Lkw vorbei.“ Auch die Beleuchtung fehle. Licht sei nur bis zum Tennisplatz vorhanden. Vor allem von den Angestellten bei der Firma Rauch werde der Illweg gerne als Arbeitsweg genutzt. Der Radweg dort sei aber zu wenig von der Fahrbahn abgegrenzt, bemängelt Michael Ehgarter. „Da ist zu wenig Hindernis dazwischen.“

Eine Geschwindigkeitsreduktion findet Birgit Sprenger super, aber sie hat Sorge, dass das Tempolimit von den Autofahrern nicht eingehalten werde. „Man muss das kontrollieren. Ein fixes Gerät muss her“, fordert sie, Radarboxen aufzustellen.

Marianne Dressel findet die Kreuzung bei der Bäckerei Mangold „ganz gefährlich“. Da würden die Buskinder ein- und aussteigen, während Autos den Bus überholen. „Da entstehen gefährliche Situationen“, ist Marianne Dressel der Meinung. Zudem seien die Gehwege bei den Zebrastreifen nicht abgesenkt, heißt, Rollstuhlfahrer, Senioren mit Rollatoren und Mütter mit ihren Kinderwägen hätten da Probleme. „Das ist nicht barrierefrei. Die Gehsteigkante ist zu hoch.“

Eine Begegnungszone im Ortszentrum kommt für Claudia Stemmer überhaupt nicht in Frage. „Das ist nicht fahrbar“, sagte sie. 30 km/h findet sie in Ordnung, aber keine 20 km/h. „Das ist nur Geldmacherei.“ Sie wünscht sich lieber, dass man den 30er-Bereich bis Hinteroferst ausweitet.


Den Radweg der Landesradroute hätte sie lieber in die Feuchte Meile verlegt. Sie fährt oft mit dem Rad. Wenn sie nach Bludenz muss, dann fährt sie lieber entlang der Bahngleise statt über die Waldburgstraße (L91). Das Problem: Der Weg bei den Bahngleisen endet auf Höhe des Markisengeschäfts Irovec auf der Werdenbergerstraße. „Ich komme also immer auf der Hauptstraße aus.“


Wolfgang Burtscher begrüßt stattdessen die Begegnungszonen und die Geschwindigkeitsreduktionen. Auch er ist der Meinung, dass diese Maßnahmen die Gemeinde kontrollieren müsse. So würde die Gemeinde auch zusätzliche Einnahmen lukrieren. „Das käme gut im Sinne der Verkehrssicherheit. Wir wären alle froh, wenn man die Geschwindigkeit einhält. Die Wege sind so kurz, dass es vertretbar ist, langsamer zu fahren. Es spricht nichts dagegen.“ Außerdem kritisiert Wolfgang Burtscher „die schwierigen Übergänge für Radfahrer auf den Landesstraßen“. Man solle dort Zugänge zum Radwegnetz schaffen, wo auch Firmen angesiedelt sind.

Johann Burtscher bemängelte die Definition „Fahrradstraße“, die auf der Straße „Im Hag“ entstehen soll. Denn Fahrradstraßen dürfen keine Durchfahrtsstraßen sein, erläuterte Johann Burtscher. Somit wäre eine Durchfahrt durch Im Hag verboten – für ihn als Anrainer unvorstellbar. Gemeindevertreterin Monika Moll stimmte dem zu: „Rechtlich gesehen ist das schwierig.“ Auch die Parkplätze auf dieser Straße müsse man überdenken, wenn diese zu einer Fahrradstraße werden soll. „Wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, ist es dort durch die parkenden Autos gefährlich“, sagte Monika Moll.
