Diabetes und kein Ende

VN / 14.11.2023 • 07:00 Uhr
Oberarzt Alexander Vonbank kann die SIPCAN-App guten Gewissens als Ratgeber für alle Diabetes-Betroffenen empfehlen. <span class="copyright">VN/MM</span>
Oberarzt Alexander Vonbank kann die SIPCAN-App guten Gewissens als Ratgeber für alle Diabetes-Betroffenen empfehlen. VN/MM

Zahl der Betroffenen steigt weiter. Ambulante Stützpunkte und neue Medikamente.

Feldkirch Diabetes und kein Ende: Nach wie vor steigt die Zahl jener Menschen, die von Typ I oder II betroffen sind. Bei Kindern, die vorwiegend an Diabetes Typ I erkranken, fällt die Zunahme besonders deutlich aus. „Vor der Pandemie hatten wir jährliche Steigerungen von etwa fünf Prozent. Jetzt liegen wir bei fast 10 Prozent“, vermutet Oberarzt Alexander Vonbank, Leiter der Diabetesambulanz am LKH Feldkirch, das Coronavirus als Trigger. Es gibt zum Weltdiabetestag, der heute, Dienstag, im Kalender steht, aber auch gute Nachrichten. Die Therapiemöglichkeiten verbessern sich stetig, und die von Experten geforderte ambulante Betreuung von Diabetespatienten ist ebenfalls auf Schiene. Bis Mitte des Jahres 2024 werden in Dornbirn und Röthis die ersten zwei Stützpunkte mit Fachpersonal entstehen. Im Endausbau sollen alle Bezirke über eine solche externe Anlaufstelle verfügen. Vor allem Typ II-Diabetiker können laut Vonbank sehr gut im niedergelassenen Bereich begleitet werden.

Die App ist übersichtlich aufgebaut und leicht zu handhaben.
Die App ist übersichtlich aufgebaut und leicht zu handhaben.

Helfer im Alltag

In Vorarlberg leben zwischen 30.000 und 40.000 Menschen mit Diabetes. Der Großteil von ihnen hat Typ II-Diabetes, der eng mit dem Lebensstil verknüpft ist. Bewegungsmangel, Übergewicht und ungesunde Ernährung nennt Alexander Vonbank als Hauptrisikofaktoren. „Eine Sensibilisierung schon bei Kindern wäre wichtig“, bemerkt der Mediziner. In diesem Zusammenhang empfiehlt er die SIPCAN-App. Die Initiative fördert einen gesunden Lebensstil in Schulen und Betrieben. Die Gratis-App ordnet Lebensmittel anhand von Ampelfarben zu. „Sie hilft im Alltag sehr“, bestätigt Vonbank. Vor allem süße Getränke seien nach wie vor ein großes Problem.

Ab 35 zum Screening

Der Prophylaxe kommt bei Diabetes Typ II enorme Bedeutung zu, denn eine frühzeitige Diagnose kann helfen, die Auswirkungen zu verringern, zu vermeiden oder zu verzögern. Ab 35 raten die Ärzte zum regelmäßigen Check des Langzeitzuckerwerts (HbA1c). „Das Screening ist die beste Möglichkeit, eine Störung zu erkennen“, erklärt Alexander Vonbank. Die Messung des HbA1c-Werts wird meist im Rahmen einer Gesundenuntersuchung durchgeführt. Gleiches gilt für Begleiterscheinungen wie das Vorhofflimmern. Eine Herzkontrolle sollte bei Diabetikern ab 65 erfolgen. Neue Arzneimittel sind weitere Bausteine zu mehr Lebensqualität für Betroffene. „Zwei Medikamente haben die Therapie revolutioniert“, sagt Vonbank. Sie reduzieren neben dem Gewicht auch die Gefahr von Schlaganfällen sowie klassischer Komplikationen, welche Nerven, Gefäße und Nieren betreffen.

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Um die Erkrankung im Griff zu behalten braucht es ein gutes Selbstmanagement, zu dem der Patient befähigt werden muss. „Das erfordert viele Akteure. Je besser diese vernetzt sind, umso besser für den Patienten“, betont Joe Meusburger, Obmann der Diabetes-Selbsthilfe Vorarlberg.

Weitere Infos: www.shv-diabetesgruppen.at und www.diabetes.or.at