Hier wurde ein neuer Klettersteig gebaut

VN / 09.11.2023 • 13:30 Uhr
Klaus Witwer (l.) und Stefan Fritsche (r.) von den Walser Guides bauten innerhalb einer Woche einen neuen Klettersteig in Sonntag-Stein.<span class="copyright"> VN/JUN</span>
Klaus Witwer (l.) und Stefan Fritsche (r.) von den Walser Guides bauten innerhalb einer Woche einen neuen Klettersteig in Sonntag-Stein. VN/JUN

Im Oktober haben Stefan Fritsche und Klaus Witwer von den Walser Guides einen neuen Klettersteig im Großen Walsertal errichtet, der für die breite Masse geeignet sein soll.

Sonntag 200 Meter lang, 150 Höhenmeter teils senkrecht die Felswand hoch: In Sonntag gibt es seit diesem Herbst einen neuen Klettersteig, der auch für Familien gedacht sein soll.

Claudio Nigsch, stellvertretender Obmann des Fördervereins für die Seilbahn Sonntag-Stein, hat die Errichtung des Klettersteigs an der Wandfluh in die Wege geleitet. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Claudio Nigsch, stellvertretender Obmann des Fördervereins für die Seilbahn Sonntag-Stein, hat die Errichtung des Klettersteigs an der Wandfluh in die Wege geleitet. VN/JUN
Der Klettersteig befindet sich nur 300 Meter vom beliebten Klangweg entfernt.<span class="copyright"> VN/JUN</span>
Der Klettersteig befindet sich nur 300 Meter vom beliebten Klangweg entfernt. VN/JUN

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Schauplatz ist die Wandfluh in Sonntag-Stein: Hier hängen an einem lauen Herbsttag die Bergführer Stefan Fritsche und Klaus Witwer an Seilen in der Wand. Sie bohren Löcher, kleben die Trittbügel an, verlegen das Seil und setzen die Anker. Es ist eine mühevolle, schwere Arbeit, aber am Ende hat sich die Anstrengung ausbezahlt.

Solche Trittbügel wurden an der Wand befestigt, insgesamt 20 Stück. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Solche Trittbügel wurden an der Wand befestigt, insgesamt 20 Stück. VN/JUN
Stefan Fritsche bohrt mit einer Bohrmaschine die Löcher in die Wand. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Stefan Fritsche bohrt mit einer Bohrmaschine die Löcher in die Wand. VN/JUN

Claudio Nigsch, stellvertretender Obmann des Fördervereins für die Seilbahn Sonntag-Stein, hat alles für den neuen Klettersteig an der Wandfluh in die Wege geleitet. Die Idee, dort einen Klettersteig zu errichten, ist nicht neu. Bereits 2018 wollte man an der Nordseite der Wandfluh einen Klettersteig bauen, doch scheiterte am brüchigen Fels.

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An der Nordseite der Wandfluh wollte man schon 2018 einen Klettersteig errichten. Dieser wäre sogar länger gewesen, jedoch war dies aufgrund des dort brüchigen Felsen nicht möglich. <span class="copyright">VN/JUN</span>
An der Nordseite der Wandfluh wollte man schon 2018 einen Klettersteig errichten. Dieser wäre sogar länger gewesen, jedoch war dies aufgrund des dort brüchigen Felsen nicht möglich. VN/JUN
Hier sieht man die Steilheit der Felswand. Die schwierigste Stelle des Klettersteigs ist 30 Meter senkrecht den Felsen hoch. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Hier sieht man die Steilheit der Felswand. Die schwierigste Stelle des Klettersteigs ist 30 Meter senkrecht den Felsen hoch. VN/JUN

Langwieriges Verfahren

Mittlerweile ist die Errichtung eines Klettersteigs etwas komplizierter geworden. „Vor vier Jahren hätte man noch keine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung, Anm. Red.) gebraucht“, sagt Claudio Nigsch. Doch jetzt steht und fällt alles mit der UVP. Wäre bei der Wandfluh nicht schon eine Infrastruktur in Form eines Wanderweges vorhanden – hier befindet sich nämlich auch der Klettergarten und ganz in der Nähe eine Grillstelle –, dann hätte der Verein den Klettersteig von der Behörde auch gar nicht genehmigt bekommen, ist Claudio Nigsch überzeugt. Der Einstieg zur Kletterwand/ zum Klettersteig ist nur 300 Meter vom beliebten Klangweg entfernt. Der Ausstieg ist beim Aussichtspunkt der Wandfluh. Von dort führt wieder ein Wanderpfad auf den Hauptweg.

Die Aussicht vom Aussichtspunkt der Wandfluh. Diesen Blick kann man nach dem Klettersteig in Ruhe genießen.<span class="copyright"> VN/JUN</span>
Die Aussicht vom Aussichtspunkt der Wandfluh. Diesen Blick kann man nach dem Klettersteig in Ruhe genießen. VN/JUN
Stefan Fritsche und Klaus Witwer machen sich bereit für die Arbeit am Fels. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Stefan Fritsche und Klaus Witwer machen sich bereit für die Arbeit am Fels. VN/JUN

Das erste Ansuchen war bereits vor zwei Jahren, im November 2021. Ein Biologe hat das Gebiet untersucht, ob gegebenenfalls Tiere, beispielsweise Falken, durch den Klettersteig beeinträchtigt werden würden. Er konnte jedoch keine Falken in diesem Gebiet feststellen, weshalb Claudio Nigsch im Mai dieses Jahres endlich grünes Licht bekam. Da die Bergführer im Sommer aber Hochsaison haben, mussten sie den Bau des Klettersteigs, der links neben den Kletterrouten beginnt, auf den Herbst verschieben.

Das sind die Anker, die gesetzt wurden. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Das sind die Anker, die gesetzt wurden. VN/JUN
Hier geht es zunächst im Gehgelände und durch Latschen hinunter. Dort wurde auch schon das Stahlseil befestigt. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Hier geht es zunächst im Gehgelände und durch Latschen hinunter. Dort wurde auch schon das Stahlseil befestigt. VN/JUN

Für Familien und Gruppen geeignet

Der Klettersteig soll so leicht wie möglich werden, damit dieser für eine breite Masse, also auch für Familien und größere Gruppen, zur Verfügung steht. Doch vor Ort haben die beiden Bergführer Stefan Fritsche und Klaus Witwer von den Walser Guides schon festgestellt, dass die Felswand aus Kalkgestein steiler ist als gedacht und man deshalb mehr Tritte und Stangen braucht. 17.000 Euro hat die Errichtung gekostet, zusammen mit der Beschilderung kommt der Förderverein auf 20.000 Euro Kosten. Betrieben wird der Klettersteig von der Gemeinde Sonntag.

Immer weiter geht es hinunter, bis sie den Anfang des Klettersteigs erreichen. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Immer weiter geht es hinunter, bis sie den Anfang des Klettersteigs erreichen. VN/JUN
Ganz in der Nähe gibt es auch einen Grillplatz mit einem kleinen Spielplatz. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Ganz in der Nähe gibt es auch einen Grillplatz mit einem kleinen Spielplatz. VN/JUN

Um überhaupt in die Wand zu kommen, müssen sich Stefan Fritsche und Klaus Witwer von oben abseilen. Doch von oben haben sie die Felswand nicht im Blick haben, weshalb sie sich vorher genau überlegen müssen, wo sie runter müssen, um an einer bestimmten Stelle herauszukommen. Die schwierigste Stelle, die zu bauen ist, – ein Quergang im Mittelteil – haben die beiden zuerst gemacht. Dafür war eine Spinnenkonstruktion aus mehreren Seilen nötig. „Der Fels sah von unten dort am brüchigsten aus, doch es ging erstaunlich gut“, berichtet Stefan Fritsche.

Hier sieht man, welche Logistik es braucht, um einen Klettersteig zu errichten. <span style="color: rgba(111, 111, 111, var(--tw-text-opacity)); font-size: 0.75rem; text-transform: uppercase;">Klaus Witwer</span>
Hier sieht man, welche Logistik es braucht, um einen Klettersteig zu errichten. Klaus Witwer
Jeder sichert sich selbst. Um einen besseren Halt zu haben, gibt es Fußschlaufen. <span class="copyright">Klaus Witwer</span>
Jeder sichert sich selbst. Um einen besseren Halt zu haben, gibt es Fußschlaufen. Klaus Witwer

Senkrechter Fels

Das obere Stück nach dem Quergang, welches 100 Meter lang ist, haben die beiden Bergführer danach in Angriff genommen. Dort ist viel Gehgelände und hier wachsen auch einige Latschen. Die schwierigste Stelle (C) ist ein 30 Meter hoher, senkrechter Fels direkt nach dem Quergang, der bezwungen werden muss. Die Klettersteigbauer überlegen sich vor der Errichtung einer neuen Route, wo der Fels eine gute Qualität aufweist, wo man gut stehen kann, und was passiert, wenn man doch stürzt. „Wir müssen erst wissen, wo der Weg verlaufen soll, dann bohren wir“, erklärt Stefan Fritsche.

Mit einer Spinnenkonstruktion aus Seilen haben die beiden Bergführer den Quergang gebaut. Durch die vielen Seile bleibt der Abstand zwischen Fels und einem selbst geringer. <span class="copyright">Klaus Witwer</span>
Mit einer Spinnenkonstruktion aus Seilen haben die beiden Bergführer den Quergang gebaut. Durch die vielen Seile bleibt der Abstand zwischen Fels und einem selbst geringer. Klaus Witwer

Die Schwierigkeit des Steiges würden wir mit C angeben. Der Klettersteig entspricht ziemlich genau der Definition dieser Schwierigkeit. Andere Klettersteige in diesem Grad sind jedoch leichter, wir werden sehen, welche Bewertung sich durchsetzt.

Stefan Fritsche, Bergführer bei den Walser Guides
Hier wurde ein neuer Klettersteig gebaut
An einem Tag halfen auch die anderen Walser Guides mit, um die Wege auszuputzen. Klaus Witwer

Alle zwei bis drei Jahre bohren Klaus Witwer und Stefan Fritsche einen neuen Klettersteig. Klaus Witwer war zum Beispiel bei der Errichtung des Hochjoch-Klettersteigs und des Madrisella-Klettersteigs dabei. „Für die Zwischensaison ist so etwas toll“, sagt Klaus Witwer. „Das ist eine super Aufgabe, aber nicht das ganze Jahr über“, ergänzt Stefan Fritsche. Beim Klettersteigbau ist man immer besser nur zu zweit, denn die Gefahr von Steinschlag steigt, je mehr Personen sich am Fels aufhalten. „Übereinander arbeiten macht keinen Sinn“, spricht Klaus Witwer aus Erfahrung und Stefan Fritsche stimmt mit ein: „Wir sind ein eingespieltes Team.“

Auch einen Helikopterflug für das Material hat es gebraucht.<span class="copyright"> Stefan Fritsche</span>
Auch einen Helikopterflug für das Material hat es gebraucht. Stefan Fritsche
Die ein oder andere Latsche fiel dem Klettersteig zum Opfer. Auch das musste in dem Ansuchen genau definiert werden, wo man welche Latsche wegschneiden muss. <span class="copyright">Stefan Fritsche</span>
Die ein oder andere Latsche fiel dem Klettersteig zum Opfer. Auch das musste in dem Ansuchen genau definiert werden, wo man welche Latsche wegschneiden muss. Stefan Fritsche

Jeder sichert sich selbst. Oben machen die beiden einen Standplatz am Baum, von dem sie sich abseilen. Der eine bohrt, der andere klebt. „Stefan ist unser Bohrist“, sagt Klaus Witwer zu seinem Kollegen. Er selbst klebt lieber und setzt die Anker, wo im Anschluss die Klemmen für das Seil angebracht werden. 15 bis 20 Zentimeter tief werden die Anker eingesetzt, dementsprechend tief muss auch gebohrt werden. Felsräumungen gehören ebenso zu einem Klettersteigbau dazu. „Wir mussten zwei Stunden Felsschuppen, die über dem Klettersteig hingen, raushauen“, erzählt Stefan Fritsche.

Höhenangst darf man definitiv keine haben. Hier sieht man, dass es durchaus auch natürliche Tritte gibt, die hergenommen werden und nicht durch künstliche Tritte ersetzt werden. <span class="copyright">Stefan Fritsche</span>
Höhenangst darf man definitiv keine haben. Hier sieht man, dass es durchaus auch natürliche Tritte gibt, die hergenommen werden und nicht durch künstliche Tritte ersetzt werden. Stefan Fritsche
Klaus Witwer beim Kleben. <span class="copyright">Stefan Fritsche</span>
Klaus Witwer beim Kleben. Stefan Fritsche

Die 200 Meter Stahlseil wurden erst zum Schluss verlegt. 65 Anker haben sie gesetzt, 20 Trittbügel befestigt. Die Tritte wurden nur dort angebracht, wo es auch nötig war. Die beiden haben den Klettersteig, der in seiner Schlüsselstelle die Schwierigkeit C aufweist, natürlich belassen. „Es gibt keinen Trittbügel dort, wo bereits ein schöner Tritt vorhanden ist“, betont Stefan Fritsche.

Hier bringt Klaus Witwer die Trittbügel an. <span class="copyright">Stefan Fritsche</span>
Hier bringt Klaus Witwer die Trittbügel an. Stefan Fritsche

Im Frühsommer 2024 wird der Klettersteig dann auch offiziell in Betrieb genommen.

Bei der Arbeit ist Konzentration gefragt. <span class="copyright">Stefan Fritsche</span>
Bei der Arbeit ist Konzentration gefragt. Stefan Fritsche

Klettersteigverlauf

Der Einstieg im schönen, grasdurchsetzten Fels ist nicht allzu schwierig und man findet nur einen Trittbügel auf den ersten 70 Metern. Aber auch hier gibt es schon den einen oder anderen Steilaufschwung, um auf die oberen Abschnitte vorbereitet zu werden.

Es folgt ein schöner Quergang unter dem großen Überhang. Auch dieser ist nicht allzu schwer, der Fels wird alpiner, an manchen Stellen muss man sich die Tritte suchen und die Arme werden erstmals richtig gefordert. Es wird mit jedem Meter ausgesetzter.

An der Pfeilerkante geht es wieder nach oben. Hier klettert man wieder in solidem Fels, es wird steil und man muss sich die Tritte und teilweise auch die Griffe am Fels suchen. Ein kleiner, natürlicher Quergang führt zum letzten, mit Trittbügeln entschäften Aufschwung im steilen Fels

Nach einigen Metern in einer Rinne folgt das abschließende Drittel der Tour. Hier folgt man dem Stahlseil, teils auf Wegspuren, teils im Fels. Ca. 80 Meter vor dem Ausstieg kommt man an einer großzügigen Nische/Höhle unter einem schönen Überhang vorbei. Dieser bietet mit einem tollen Ausblick die perfekte Gelegenheit für eine Rast. Jedoch nur für geübte und schwindelfreie Alpinisten, denn der Weg dorthin ist nicht versichert.

Der Ausstieg ist knapp unterhalb des Aussichtspunktes Wandfluh. Von dort führt ein Wanderweg wieder zurück zum Einstieg oder weiter hinauf nach Partnum.