Hier wurde ein neuer Klettersteig gebaut

Im Oktober haben Stefan Fritsche und Klaus Witwer von den Walser Guides einen neuen Klettersteig im Großen Walsertal errichtet, der für die breite Masse geeignet sein soll.
Sonntag 200 Meter lang, 150 Höhenmeter teils senkrecht die Felswand hoch: In Sonntag gibt es seit diesem Herbst einen neuen Klettersteig, der auch für Familien gedacht sein soll.


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Schauplatz ist die Wandfluh in Sonntag-Stein: Hier hängen an einem lauen Herbsttag die Bergführer Stefan Fritsche und Klaus Witwer an Seilen in der Wand. Sie bohren Löcher, kleben die Trittbügel an, verlegen das Seil und setzen die Anker. Es ist eine mühevolle, schwere Arbeit, aber am Ende hat sich die Anstrengung ausbezahlt.


Claudio Nigsch, stellvertretender Obmann des Fördervereins für die Seilbahn Sonntag-Stein, hat alles für den neuen Klettersteig an der Wandfluh in die Wege geleitet. Die Idee, dort einen Klettersteig zu errichten, ist nicht neu. Bereits 2018 wollte man an der Nordseite der Wandfluh einen Klettersteig bauen, doch scheiterte am brüchigen Fels.
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Langwieriges Verfahren
Mittlerweile ist die Errichtung eines Klettersteigs etwas komplizierter geworden. „Vor vier Jahren hätte man noch keine UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung, Anm. Red.) gebraucht“, sagt Claudio Nigsch. Doch jetzt steht und fällt alles mit der UVP. Wäre bei der Wandfluh nicht schon eine Infrastruktur in Form eines Wanderweges vorhanden – hier befindet sich nämlich auch der Klettergarten und ganz in der Nähe eine Grillstelle –, dann hätte der Verein den Klettersteig von der Behörde auch gar nicht genehmigt bekommen, ist Claudio Nigsch überzeugt. Der Einstieg zur Kletterwand/ zum Klettersteig ist nur 300 Meter vom beliebten Klangweg entfernt. Der Ausstieg ist beim Aussichtspunkt der Wandfluh. Von dort führt wieder ein Wanderpfad auf den Hauptweg.


Das erste Ansuchen war bereits vor zwei Jahren, im November 2021. Ein Biologe hat das Gebiet untersucht, ob gegebenenfalls Tiere, beispielsweise Falken, durch den Klettersteig beeinträchtigt werden würden. Er konnte jedoch keine Falken in diesem Gebiet feststellen, weshalb Claudio Nigsch im Mai dieses Jahres endlich grünes Licht bekam. Da die Bergführer im Sommer aber Hochsaison haben, mussten sie den Bau des Klettersteigs, der links neben den Kletterrouten beginnt, auf den Herbst verschieben.


Für Familien und Gruppen geeignet
Der Klettersteig soll so leicht wie möglich werden, damit dieser für eine breite Masse, also auch für Familien und größere Gruppen, zur Verfügung steht. Doch vor Ort haben die beiden Bergführer Stefan Fritsche und Klaus Witwer von den Walser Guides schon festgestellt, dass die Felswand aus Kalkgestein steiler ist als gedacht und man deshalb mehr Tritte und Stangen braucht. 17.000 Euro hat die Errichtung gekostet, zusammen mit der Beschilderung kommt der Förderverein auf 20.000 Euro Kosten. Betrieben wird der Klettersteig von der Gemeinde Sonntag.


Um überhaupt in die Wand zu kommen, müssen sich Stefan Fritsche und Klaus Witwer von oben abseilen. Doch von oben haben sie die Felswand nicht im Blick haben, weshalb sie sich vorher genau überlegen müssen, wo sie runter müssen, um an einer bestimmten Stelle herauszukommen. Die schwierigste Stelle, die zu bauen ist, – ein Quergang im Mittelteil – haben die beiden zuerst gemacht. Dafür war eine Spinnenkonstruktion aus mehreren Seilen nötig. „Der Fels sah von unten dort am brüchigsten aus, doch es ging erstaunlich gut“, berichtet Stefan Fritsche.


Senkrechter Fels
Das obere Stück nach dem Quergang, welches 100 Meter lang ist, haben die beiden Bergführer danach in Angriff genommen. Dort ist viel Gehgelände und hier wachsen auch einige Latschen. Die schwierigste Stelle (C) ist ein 30 Meter hoher, senkrechter Fels direkt nach dem Quergang, der bezwungen werden muss. Die Klettersteigbauer überlegen sich vor der Errichtung einer neuen Route, wo der Fels eine gute Qualität aufweist, wo man gut stehen kann, und was passiert, wenn man doch stürzt. „Wir müssen erst wissen, wo der Weg verlaufen soll, dann bohren wir“, erklärt Stefan Fritsche.

Die Schwierigkeit des Steiges würden wir mit C angeben. Der Klettersteig entspricht ziemlich genau der Definition dieser Schwierigkeit. Andere Klettersteige in diesem Grad sind jedoch leichter, wir werden sehen, welche Bewertung sich durchsetzt.
Stefan Fritsche, Bergführer bei den Walser Guides

Alle zwei bis drei Jahre bohren Klaus Witwer und Stefan Fritsche einen neuen Klettersteig. Klaus Witwer war zum Beispiel bei der Errichtung des Hochjoch-Klettersteigs und des Madrisella-Klettersteigs dabei. „Für die Zwischensaison ist so etwas toll“, sagt Klaus Witwer. „Das ist eine super Aufgabe, aber nicht das ganze Jahr über“, ergänzt Stefan Fritsche. Beim Klettersteigbau ist man immer besser nur zu zweit, denn die Gefahr von Steinschlag steigt, je mehr Personen sich am Fels aufhalten. „Übereinander arbeiten macht keinen Sinn“, spricht Klaus Witwer aus Erfahrung und Stefan Fritsche stimmt mit ein: „Wir sind ein eingespieltes Team.“


Jeder sichert sich selbst. Oben machen die beiden einen Standplatz am Baum, von dem sie sich abseilen. Der eine bohrt, der andere klebt. „Stefan ist unser Bohrist“, sagt Klaus Witwer zu seinem Kollegen. Er selbst klebt lieber und setzt die Anker, wo im Anschluss die Klemmen für das Seil angebracht werden. 15 bis 20 Zentimeter tief werden die Anker eingesetzt, dementsprechend tief muss auch gebohrt werden. Felsräumungen gehören ebenso zu einem Klettersteigbau dazu. „Wir mussten zwei Stunden Felsschuppen, die über dem Klettersteig hingen, raushauen“, erzählt Stefan Fritsche.


Die 200 Meter Stahlseil wurden erst zum Schluss verlegt. 65 Anker haben sie gesetzt, 20 Trittbügel befestigt. Die Tritte wurden nur dort angebracht, wo es auch nötig war. Die beiden haben den Klettersteig, der in seiner Schlüsselstelle die Schwierigkeit C aufweist, natürlich belassen. „Es gibt keinen Trittbügel dort, wo bereits ein schöner Tritt vorhanden ist“, betont Stefan Fritsche.

Im Frühsommer 2024 wird der Klettersteig dann auch offiziell in Betrieb genommen.

Klettersteigverlauf
Der Einstieg im schönen, grasdurchsetzten Fels ist nicht allzu schwierig und man findet nur einen Trittbügel auf den ersten 70 Metern. Aber auch hier gibt es schon den einen oder anderen Steilaufschwung, um auf die oberen Abschnitte vorbereitet zu werden.
Es folgt ein schöner Quergang unter dem großen Überhang. Auch dieser ist nicht allzu schwer, der Fels wird alpiner, an manchen Stellen muss man sich die Tritte suchen und die Arme werden erstmals richtig gefordert. Es wird mit jedem Meter ausgesetzter.
An der Pfeilerkante geht es wieder nach oben. Hier klettert man wieder in solidem Fels, es wird steil und man muss sich die Tritte und teilweise auch die Griffe am Fels suchen. Ein kleiner, natürlicher Quergang führt zum letzten, mit Trittbügeln entschäften Aufschwung im steilen Fels
Nach einigen Metern in einer Rinne folgt das abschließende Drittel der Tour. Hier folgt man dem Stahlseil, teils auf Wegspuren, teils im Fels. Ca. 80 Meter vor dem Ausstieg kommt man an einer großzügigen Nische/Höhle unter einem schönen Überhang vorbei. Dieser bietet mit einem tollen Ausblick die perfekte Gelegenheit für eine Rast. Jedoch nur für geübte und schwindelfreie Alpinisten, denn der Weg dorthin ist nicht versichert.
Der Ausstieg ist knapp unterhalb des Aussichtspunktes Wandfluh. Von dort führt ein Wanderweg wieder zurück zum Einstieg oder weiter hinauf nach Partnum.