Letzte Ausfahrt Shkodra

VN / 06.11.2023 • 16:00 Uhr
Die Funktion als Schulleiter bringt für Karl Mohr auch viele administrative Aufgaben.
Die Funktion als Schulleiter bringt für Karl Mohr auch viele administrative Aufgaben.

Karl Mohr aus Wolfurt ist neuer Direktor der österreichischen Auslandsschule in Albanien.

Wolfurt Shkodra „Ein bisschen Vorarlberger bin ich immer noch“, sagt Karl Mohr (63) und lacht. Vor mehr als 40 Jahren verschlug es den Wolfurter allerdings nach Graz, wo er Elektrotechnik studierte und in der Branche und der steirischen Landeshauptstadt hängenblieb.

Im Alter von 44 wechselte Mohr von der Industrie an eine HTL, um dort als Lehrer zu arbeiten. Mit dem neuen Schuljahr hieß es für ihn dann: letzte Ausfahrt Shkodra. Karl Mohr leitet die österreichische Auslandsschule in der nordalbanischen Stadt. Als er das Angebot bekam, nahm er an und die Direktorenstelle, die ebenfalls ausgeschrieben war, gleich dazu. Es soll die letzte Veränderung in seiner beruflichen Laufbahn sein. Der begeisterte Klarinettist hat sich für zwei Jahre verpflichtet. Eine Verlängerung, für die er bereits angefragt wurde, will Mohr nicht kategorisch ausschließen, aber: „Das klären wir dann in einem Jahr.“ Bereut hat er die Zusage für die erste Runde jedenfalls nicht. „Das Leben hier gefällt mir ausgesprochen gut. Die Leute sind sehr gastfreundlich. Es gibt ein ausgezeichnetes Essen, gutes Bier und an wirklich köriga Wi“, zählt Karl Mohr die Vorzüge seiner neuen Heimat auf.

Der Wolfurter fühlt sich in Albanien gut aufgehoben.
Der Wolfurter fühlt sich in Albanien gut aufgehoben.

Bodenständiges Studium

Ursprünglich liebäugelte der Wolfurter mit einem Musikstudium, nachdem er im Gymnasium in Musik maturiert hatte. „Da lag die Überlegung nahe“, flicht Karl Mohr ein. Im Nachhinein sei er jedoch froh gewesen, sich für die Elektrotechnik entschieden zu haben. „Kunst“, erklärt er seine Sicht, „ist etwas sehr Schönes, aber nur wenige von denen, die sich dort betätigen, können es so gut, dass sie wirklich erfolgreich damit sind.“ Elektrotechnik hingegen erwies sich als bodenständiger. Ein Kollege brachte den Vorarlberger schließlich auf die Idee, sich als HTL-Lehrer zu bewerben. Vor acht Jahren bekam er dann die Gelegenheit, die österreichische Auslandsschule in Albanien zu besuchen. Österreich betreibt insgesamt sieben Auslandsschulen, eine davon steht in Shkodra. Schon an der HTL in Graz, wo Karl Mohr für die Erwachsenenbildung zuständig war, unterrichtete er Leute aus Albanien und anderen Balkanstaaten, die im zweiten Bildungsweg eine technische Schule absolvieren wollten. „Da erwachte in mir der Wunsch, einmal in eines dieser Länder zu fahren“, erzählt Mohr.

Karl Mohr (2.v.r.) stattete dem Kollegen in Bushat einen Antrittsbesuch ab.
Karl Mohr (2.v.r.) stattete dem Kollegen in Bushat einen Antrittsbesuch ab.

Einkauf mit Wörterbuch

Er war von Anfang an begeistert, vor allem von den jungen Menschen in Albanien. „Ich habe das Gefühl, sie sind ziemlich weltoffen“, beschreibt er seine Einschätzung und ergänzt: „Ich bin sehr angetan.“ Die österreichische Auslandsschule braucht inzwischen keine Werbung mehr. Die Nachfrage übersteigt längst das Angebot. Aktuell werden 487 Schüler, davon 185 Mädchen, unterrichtet. Die Unterrichtssprache in der Oberstufe ist Deutsch. „Deshalb müssen die Schüler in der Unterstufe, wo hauptsächlich albanisch gesprochen wird, zusätzlich Deutsch lernen, wenn sie in die Oberstufe wollen“, erklärt der Schulleiter den Lauf der Dinge. Der Lehrplan entspricht jenem in Österreich, die Matura wird innerhalb der EU anerkannt. Selbst hat sich Karl Mohr noch nicht so recht mit der albanischen Sprache angefreundet. Ein paar Brocken könne er, zum Beispiel danke, guten Morgen, pfüate. Braucht er etwas Spezielles, schaut er vor dem Einkauf ins Wörterbuch. „Mit dieser Technik habe ich bisher noch alles bekommen“, merkt er schmunzelnd an. Nach der etwas stressigen Eingewöhnungsphase möchte er sich aber schon Zeit nehmen, um die Sprache zumindest ein bisschen zu lernen.

An der Schule in Shkodra hat Karl Mohr (r.) musikbegeisterte Schüler und Kollegen gefunden.
An der Schule in Shkodra hat Karl Mohr (r.) musikbegeisterte Schüler und Kollegen gefunden.

Dafür hat er seinem Lieblingsinstrument, der Klarinette, neues Leben eingehaucht. 35 Jahre ließ er sie links liegen. In der HTL in Graz traf Karl Mohr dann auf Lehrer und Schüler, die zusammen musizierten. Da habe er sich gedacht, wieder anzufangen könnte ihm gefallen. Gesagt. Getan. Inzwischen möchte er die Musik nicht mehr missen. Am 24. November wird der Direktor mit ein paar Schülern zum albanischen Nationalfeiertag aufspielen.

Auch als Moderator und Interviewer macht der HTL-Lehrer (l.) eine gute Figur.
Auch als Moderator und Interviewer macht der HTL-Lehrer (l.) eine gute Figur.

Zur Person

Karl Mohr

Alter: 63

Werdegang: Studium der Elektrotechnik, HTL-Lehrer in Graz, seit September 2023 Direktor der österreichischen Auslandsschule in Albanien

Familie: Lebensgefährtin, Sohn Florian, der einige Jahre bei Handball Bregenz spielte, „da bin ich wieder etwas mehr Vorarlberger geworden“.

Hobbys: Musizieren mit der Klarinette

Bei der letztjährigen Weihnachtsfeier an der HTL Graz spielte Karl Mohr (r.) noch einmal auf.
Bei der letztjährigen Weihnachtsfeier an der HTL Graz spielte Karl Mohr (r.) noch einmal auf.