Naturkinderbetreuung „Getzners Buntspechtle“ eröffnet

In Kooperation mit der Stadt Bludenz eröffnete Getzner Textil am 20. Oktober die erste betriebliche Naturkinderbetreuung „Getzners Buntspechtle“. Zu den Feierlichkeiten mit anschließender Segnung und Besichtigung waren alle Mitwirkenden eingeladen. Grußworte überbrachte Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink.
Bludenz Betriebliche Kinderbetreuungsangebote seien ein wichtiger Baustein für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, beglückwünschte Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink das Familienunternehmen zum Vorzeigeprojekt.

„In die neue Naturgruppe investieren wir rund 200.000 Euro an Baukosten und mehr als 40.000 Euro in Form von intern aufgewendeten Arbeitsstunden“, informierte CEO Roland Comploj. Er richtete seinen Dank an das Land Vorarlberg, das die Umsetzung mit einer Förderung in Höhe von 30 Prozent unterstützte, sowie die Stadt Bludenz als Kooperationspartner. „Wir sind stolz, dass wir diese Idee durch das außerordentliche Engagement und den Zusammenhalt innerhalb des Unternehmens in so kurzer Zeit verwirklichen konnten.“ Ein besonderer Dank erging dabei auch an die Pädagoginnen und an Perrine Getzner, die das Projekt von Beginn an getragen und vorangetrieben hat, sowie die gesamten technischen Gewerke innerhalb des Unternehmens, die diesen Ort in nur acht Monaten umgesetzt haben. Mehr als 600 Stunden flossen von Seiten der Lehrlinge, Schlosser, Elektriker und Tischler in die Instandsetzung der Räumlichkeiten sowie der Außenanlage.

Mit der neuen Naturkinderbetreuung wolle Getzner Textil den Müttern die Möglichkeit bieten, eher wieder ihre berufliche Tätigkeit aufzunehmen. Zudem hat das Familienunternehmen ein Karenzmanagement eingeführt, um die Mütter mit Gesprächen und Elterncafés noch besser in ihren Bedürfnissen unterstützen zu können.

Erfolgreiche Kooperation
„Getzners Buntspechtle“ ist bereits die zweite betriebliche Kinderbetreuung, die in Kooperation mit der Stadt Bludenz umgesetzt werden konnte. Insgesamt bieten die beiden Einrichtungen – zusammen mit “Getzners Buntstiflte” – aktuell Platz für 35 Kinder. „Getzners Buntstiftle“ ging bereits 2016 an den Start.

Bürgermeister Simon Tschann ist froh, dass es solche Unternehmen wie Getzner Textil gibt, die im Kinderbetreuungsbereich selbst etwas tun. „Jede Erweiterung des Kinderbetreuungsangebots ist ein weiterer Schritt in Richtung Familienfreundlichkeit und Lebensqualität unserer Stadt. Die Kooperation mit Getzner Textil zeigt, dass es möglich ist, die Bedürfnisse von Familien und Arbeitgebern erfolgreich miteinander zu verbinden“, so Tschann. „Ich bin froh, dass ihr Eigeninitiative gezeigt habt.“ Die Stadt übernimmt als Kooperationspartner den Betrieb der Betreuungseinrichtung.

Herzensprojekt Kinderbetreuung
Von der ersten Idee bis zur Eröffnung war „Getzners Buntspechtle“ ein besonderes Anliegen von Perrine Getzner. Als Koordinatorin des Projekts betont sie die Wichtigkeit einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung als Erleichterung für den beruflichen Wiedereinstieg. „Auch meine beiden Kinder durften und dürfen die betriebseigene Kinderbetreuung besuchen – das ist ein unheimlicher Gewinn und eine Erleichterung für mich und meinen Mann als Berufstätige. Dieses gute Gefühl möchten wir an die Mitarbeitenden weitergeben“, so Perrine Getzner, die weiß, dass es viel zu wenige Betreuungsplätze gibt. Im März kam sie mit ihrem Konzept einer zweiten Kinderbetreuungseinrichtung auf Roland Comploj zu, denn der Bedarf ist hoch. Doch es fehlte zunächst an geeigneten Räumlichkeiten. Dann kam Silke Wachter, pädagogische Leiterin, auf die Idee, die Wiese auf dem Getzner-Areal als Naturkindergarten zu nutzen. Ein Naturkindergarten habe darüber hinaus, so Perrine Getzner, weniger gesetzliche Auflagen als ein normaler Kindergarten.

Die Einrichtung erfüllt durch ausgedehnte Öffnungszeiten die Kriterien des „Vereinbarkeitsindikators Familien und Beruf“ (VIF). Die Öffnungszeiten umfassen 45 Wochenstunden, wobei von Montag bis Freitag, 6.45 bis 17.30 Uhr, geöffnet ist. Geschlossen ist die Kinderbetreuung während des jährlichen Betriebsurlaubes von Getzner Textil.

Pädagogischer Schwerpunkt „MINT“
In der Naturkinderbetreuung „Getzners Buntspechtle“ verbringen die 16 Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren den Großteil der Zeit im Freien – Rituale wie der tägliche Morgenkreis oder die gemeinsame Jause finden in der Natur statt. Das Leben mit den Jahreszeiten und den unterschiedlichen Witterungsbedingungen werden spielerisch in den Alltag eingebunden. „Wir sind bei jedem Wetter draußen“, erklärte Silke Wachter. „Es sei denn, es ist stürmisch.“ Das Haus diene nur als Unterschlupf.


Schöbi-Fink hob das „sehr interessante, pädagogische Konzept“ hervor, bei dem die Natur und Bewegung mit MINT verknüpft werden. Der Schwerpunkt der pädagogischen Konzeption liegt nämlich auf „MINT“ – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, wie die pädagogische Leiterin Silke Wachter erklärte: „Wir möchten den Kindern einen spielerischen Zugang zur Bildung ermöglichen, denn Spielen ist Lernen und die höchste Form des Forschens, wie schon Einstein wusste. Dafür braucht das Kind eine Umgebung, in der es sich wohlfühlt und Material, das zum Erkunden anregt. Wir sind zudem stolz, dass unsere Pädagoginnen eine Weiterbildung zur Naturpädagogin absolviert haben oder noch absolvieren werden.“


Auch die Hauswirtschaft kommt nicht zu kurz, denn es wird gemeinsam saisonal gekocht. Passend zur Kürbiszeit gab es zum Beispiel Kürbissuppe. „Kinder sollen Freude haben am Lernen“, so Wachter. „Die Kinder sollen sich wieder zutrauen, Sachen auszuprobieren.“ Neben der Natur- und Erlebnispädagogik sind auch Emmi Pikler, Klax sowie Montessori Teil des Konzepts. Im großzügigen Garten gibt es unter anderem Hochbeete, wo die Kinder selbst Erdbeeren und Blumenzwiebel anpflanzen dürfen. Je nach Jahreszeit gibt es Schwerpunktthemen. So lernen die Kinder im Herbst durch Experimente Eigenschaften des Apfels, dass dieser zum Beispiel schwimmen kann, eine Birne aber aufgrund ihres Kerngehäuses nicht. Auch der Mais wurde zum Thema. So machten die Kinder gemeinsam Popcorn und Riebel.

„Wir schaffen mit Naturmaterialien“, erklärt Pädagogin Viktoria Mitterhofer. Mathematik erlernen die Kinder beispielsweise durch Kastanien zählen. Zu MINT zählt auch die Informatik: So sind die Pädagoginnen mit Tablets, Mikrofone, Kameras und einer Musikbox ausgestattet. Viktoria will in Zukunft auch einmal die Woche Podcastfolgen mit den Kindern aufnehmen, damit die Eltern über die Aktivitäten in der Kinderbetreuung informiert werden.

Naturkinderbetreuung
Investitionskosten: 200.000 Euro (davon 30 Prozent Landesförderung)
Zusätzliche Betreuungsplätze: 16 (in beiden Einrichtungen 35 Kinder betreut)
Betreuungsschlüssel: 1:3
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 6.45 bis 17.30 Uhr
Nationen: 5