Zahlungsmoral stimmt: Trotzdem sieht Prognose für die Zukunft düster aus

Vorarlberger Unternehmen bestätigen einen aktuellen Bericht des Kreditschutzverbandes.
Darum geht’s:
- Zahlungsmoral hat sich trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht verschlechtert
- Auftragssituation in einigen Bereichen rückläufig, aber Zahlungen werden noch geleistet
- Österreich weist gutes Zahlungsverhalten auf, jedoch zunehmende Verschlechterung erkennbar
Schwarzach Corona-Pandemie, Energiekrise, Teuerung: Die vergangenen Jahre waren nicht leicht und haben sowohl Unternehmen als auch Privathaushalte wirtschaftlich ganz schön unter Druck gesetzt. Die Zahlungsmoral hat sich dadurch aber nicht verschlechtert, zeigt ein Bericht des Kreditschutzverbandes 1870 (KSV). Doch ein Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes. Das merken auch die Vorarlberger.
„Die Auftragssituation ist natürlich rückläufig“, sagt Samuel Feuerstein, Geschäftsführer von Dorfinstallateur. Speziell im Wohnbau sei die Lage sehr angespannt. „Generell würde ich aber nicht sagen, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtert hat“, ordnet Feuerstein ein. Es gebe Bereiche, die konstant laufen. So würden beispielsweise wirtschaftlich historisch gut aufgestellte Unternehmen die Verfügbarkeit der Handwerker für eigene Projekte nutzen. Eine Verzögerung oder gar Ausfälle von Zahlungen stellt Feuerstein bisher nicht fest.

Kunden kaufen überlegter
Vergleichbar geht es Christoph Gerster, Geschäftsführer von Auto Gerster. „Wir können nicht klagen, unsere Kunden zahlen“, sagt er. Grundsätzlich ist bei seinem Geschäft im Autohandel und in der Werkstatt Barzahlung üblich. Dafür bietet das Autohaus diverse Finanzierungen an. Da gebe es auch mal ganz unbürokratisch einen Reparaturkredit, wenn doch mehr anfällt als gedacht. Doch: „Beim Fahrzeug haben mehrere Faktoren wie Steuern und Zulassungsrichtlinien dafür gesorgt, dass einige Preise erhöht wurden“, erklärt er. „Nun merken wir bei den Leuten schon, dass sehr gut ausgewählt und überlegt eingekauft wird.“ Die Qualität der Produkte sei ohnehin so, dass man bedenkenlos ein Jahr länger fahren könne. „Gewerbetreibende kaufen bei Bedarf, da spielt es keine große Rolle.“

Wie der Austrian Business Check – die aktuelle Umfrage des KSV vom August unter rund 1400 Unternehmen – belegt, attestieren nach wie vor zwei Drittel der Betriebe (2022: 70 Prozent) Österreich ein gutes Zahlungsverhalten. Das sind allerdings um zehn Prozentpunkte weniger als noch vor zwei Jahren. Parallel dazu ist in den vergangenen beiden Jahren der Anteil derer angewachsen, die eine Verschlechterung erkennen – und zwar von sieben auf 18 Prozent.
„Quer über alle Branchen hinweg wird in Österreich aktuell jede sechste Rechnung zu spät bezahlt“, berichtet Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH. Trotz anhaltender wirtschaftlicher Turbulenzen bleibt die Zahlungsmoral damit im Vergleich zum Vorjahr stabil. Positiv hervorzuheben: Die Vorarlberger Firmen bezahlen mit durchschnittlich 24 Tagen Wartezeit ihre Rechnungen am schnellsten. Die Tiroler haben sowohl bei Firmen (31 Tage) als auch bei Privatkunden (16 Tage) die längste Zahlungsdauer.

Wieder mehr Firmeninsolvenzen
Der Trend vieler Unternehmen zeigt jedoch nach unten. „Im internationalen Vergleich war Österreich generell lange Zeit ein Musterschüler hinsichtlich der Zahlungsverlässlichkeit und -geschwindigkeit“, sagt Hans Musser, geschäftsführender Direktor des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV Europa). Aber: Im ersten Quartal 2023 wurden erstmals wieder mehr Firmeninsolvenzen im Vergleich zur Vorkrisenzeit verzeichnet. Besonders betroffen waren die Bauwirtschaft, der Handel, die Gastronomie und der Tourismus. „Wir können noch nicht von einer Pleitenwelle sprechen, aber es ist anzunehmen, dass sich die steigende Tendenz noch massiv fortsetzen wird“, vermutet Musser.

In eine wenig rosige Zukunft blickt auch Samuel Feuerstein: „Für das kommende Jahr erwarten wir Herausforderungen wie zuletzt vor etwa zehn Jahren.“ Jetzt heißt es: Die Zeit nutzen, um Hausaufgaben zu machen und die Situation als Chance zu sehen. „Wir werden unsere Reserven brauchen und gehen davon aus, dass wir eher Verfügbarkeit anbieten können.“
Christoph Gerster hat für seine Branche eine andere Vorschau: „Nachdem die Inflation langsam in den Griff zu kommen scheint, nehme ich an, dass die Zinsen nicht mehr steigen. Deshalb gehe ich davon aus, dass das kommende Jahr wieder besser wird.“