Sternchen einen Platz im Leben lassen

Am Sonntag ist Weltsternenkinder-Gedenktag, am Dienstag eine Dialogveranstaltung.
Rankweil Drei Frauen, die ein Schicksal eint: Sie sind Sternenmamis. Die Kinder von Yvonne Engstler (35), Sophia Rüscher-Fussenegger (34) und Andrea Frede (47) starben nur wenige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin im Mutterleib. Da gab es keine kräftigen Schreie im Kreißsaal. Die Babys kamen still zur Welt. Die Trauer über den Verlust ist mittlerweile leiser geworden. Vergessen sind die Sternenkinder nicht. Morgen, Sonntag, wird ihrer weltweit gedacht. Dazu gehört auch, über sie zu sprechen. „Unsere Tochter Maura ist für mich sehr präsent, und ich freue mich, wenn ich die Möglichkeit habe, von ihr zu erzählen, denn sie hat mit ihrem kurzen Sein ganz besondere Spuren hinterlassen“, sagt Yvonne Engstler.

Thema aus dem Tabu holen
Die junge Frau aus Klaus wird von ihren Erfahrungen bei einer Veranstaltung des Vereins für Sternenkind-Fotografie „VergißMichNicht“ am kommenden Dienstag im Mesnerstüble in Rankweil berichten. Ihr Anliegen ist es, das schwierige Thema aus dem Tabu zu holen. Das möchten auch Sophia Rüscher-Fussenegger und Andrea Frede aus Bregenz. Sie haben im Sommer die Selbsthilfegruppe „Sternen-klar“ gegründet. „Wir möchten mit unserer Initiative Betroffenen die Möglichkeit bieten, in vertraulichem und geschütztem Rahmen ihren Sternenkindern, der eigenen Trauer und den persönlichen Gedanken Raum zu geben“, erklärt Rüscher-Fussenegger.

Das Elternpaket enthält unter anderem solche hübschen Karten.
Kostbare Fotos
Maura war ein Wunschkind. Die Schwangerschaft verlief problemlos. Dann, in der 34. Woche geschah das Unfassbare. „Ich bekam plötzlich Wehen“, erzählt Yvonne Engstler. Ihr Partner brachte sie ins Krankenhaus, wo ein Ultraschall traurige Gewissheit brachte. Das kleine Herz schlug nicht mehr. Eine Hebamme begleitete Yvonne durch die stille Geburt. Dafür ist sie dankbar: „Obwohl mein Kind tot zur Welt kam, habe ich die Geburt als etwas Kraftvolles erlebt, das mir bei der Verarbeitung der Trauer sehr geholfen hat.“ Das Krankenhauspersonal machte die Mutter auch auf den Verein „VergißMichNicht“ aufmerksam. „Die Fotos sind etwas Kostbares für mich“, sagt Yvonne Engstler. Sie hält sie beinahe täglich in den Händen. Das alles liegt jetzt gut eineinhalb Jahre zurück. Yvonne suchte psychologische Betreuung, steht nun wieder voll im Arbeitsleben. Die Trauer kommt immer noch in Wellen, doch langsam ebbt sie ab. Von ihrem Umfeld wünscht sie sich vor allem Ehrlichkeit. Sie versteht, dass es fast unmöglich ist, Worte für ein solches Ereignis zu finden, aber Sätze wie „es wird wieder ein Kind geben, du bist ja noch jung“ haben sie mehr verletzt als getröstet.

Babyfüßchen, die nie einen Schritt in diese Welt setzen durften.
Schmerzliche Erfahrungen
Wie sehr der Verlust eines Kindes schmerzt, wissen auch Sophia Rüscher-Fussenegger und Andrea Frede. Sophia musste diese schlimme Erfahrung 2020 machen, als sie ihren Sohn Theo in der 26. Schwangerschaftswoche still zur Welt brachte. Inzwischen schenkte sie zwei weiteren Söhnen das Leben und hat den Verlust dank ihres Umfelds, Gesprächsgruppen und Begleitung gut auf- und verarbeitet. Andrea Frede verlor ihren Sohn Jakob in der 29. Schwangerschaftswoche. „Ich wurde psychologisch begleitet, das war wichtig für mich“, bestätigt die zweifache Mutter. Beide Frauen absolvieren gerade eine Ausbildung zu psychosozialen Beraterinnen. In dieser Funktion bieten sie ebenfalls Unterstützung für Angehörige von Sternenkindern an. „Alles darf in der Trauerbewältigung Platz haben: Zorn, Angst, Hilfslosigkeit, aber auch das Gefühl, es kann wieder gut werden“, erklärt Rüscher-Fussenegger, und sie betont: „Man muss Sternenkinder loslassen, aber sie dürfen einen Platz im Leben haben.“ Welche Unterstützung die richtige ist, ob individuell oder in einer Selbsthilfegruppe, bleibe die Entscheidung der Eltern.

Weitere Infos: www.sternen-klar.at, Treffen jeden ersten Dienstag im Monat von 19.30 bis 21.30 Uhr im Lebensraum Bregenz; www.sophia-ruescher.at und www.andreafrede.at
Dialogveranstaltung: Dienstag, 17. Oktober 2023, ab 19 Uhr, Mesnerstüble Rankweil
Teilnehmer: Yvonne Engstler, Sternenmami; Bernadette Brieskorn, Hebammengremium Vorarlberg; Bianca Luger, Selbsthilfegruppe „Sternenmamis“; Daniel Dalmonek, Bestattung Reumiller; Maria Kühne-Lerch, Seelsorge LKH Feldkirch; Sophia Rüscher-Fussenegger, Psychosoziale Beratung und Selbsthilfegruppe „Sternen-klar“.

