Franz Berger (83) hat schon 1500 Gipfel bestiegen – und wird nicht müde

„Ich bin ein Bergmensch mit Leib und Seele“, sagt der Brandner Franz Berger über sich selbst. Mit 83 Jahren steigt er immer noch gerne auf seinen Hausberg, den Mottakopf – und das, obwohl er diesem Gipfel schon 450 Mal einen Besuch abgestattet hat. Die Faszination für die Berge ist bei ihm seit über 40 Jahren ungebrochen.
Brand Franz Berger liebt die Berge. Nicht nur sein Kennzeichen mit „Berg 4“ zeugt davon, sondern auch seine akribisch geführten Fotoalben. Und auch sein 50 Jahre alter Lederrucksack, der schon unzählige Male geflickt worden ist, hat schon einige Gipfel gesehen. Selbst auf seinem Balkon in Brand hat er immer seinen Hausberg, den Mottakopf, im Blick. Auf dessen Gipfel stand er bereits 450 Mal. Und auch heute noch – wohlgemerkt, wir reden von einem 83-jährigen Mann – lässt er es sich nicht nehmen, auf seinen Hausberg zu steigen. Nur mit seinen 83 Jahren braucht er mittlerweile vier statt zwei Stunden, aber das ist ihm in dem Alter auch egal. 1500 Gipfel hat er in den letzten 40 Jahren bestiegen. Da kann er es guten Gewissens jetzt auch etwas ruhiger angehen lassen.



Alles akribisch protokollieren
Langsam neigt sich seine Bergsteiger-Karriere dem Tal entgegen. Zeit also, einmal auf seine Bergjahre zurückzublicken. Franz Berger führt über alles – selbst über das Putzen – akribisch Protokoll. In seinem Kalender trägt er nicht nur seine Bergtouren ein, sondern auch wann er einkaufen oder spazieren geht. Zudem hat er jede Bergtour mit seiner Analogkamera fotografisch festgehalten und mit Datum versehen in seinem Fotoalbum dokumentiert. Bei dem ein oder anderen Bild stehen Anmerkungen dabei, wie das Wetter und die Verhältnisse waren, wie lange er gebraucht hat. Deshalb kann er auch genau sagen, wie viele Male er auf einem Gipfel oben stand. Der Mottakopf steht mit 450 Mal ganz klar auf Platz eins, gefolgt vom Fundlkopf mit 350 Mal. Auf dem Saulakopf stand er 175 Mal oben, auf dem Schafgafall 150 Mal. Dem Panüler und Wildberg hat er 80 Mal einen Besuch abgestattet. Auf der Schesaplana stand er „nur“ 30 Mal. „Da gehe ich nicht mehr hoch. Da ist es mir immer zu voll“, sagt er dazu.



Doch nicht nur die Brandnertaler Berge haben es dem gebürtigen Kemater angetan. Auch die Gipfel der Silvretta wie der Piz Buin und Großlitzner sowie die Gipfel des Arlbergs wie die Valluga und die Roggspitze konnte er schon für sich verbuchen. „Ich habe das ganze Arlberggebiet abgegrast“, sagt Franz Berger. „Doch auch die Silvretta hat tolle Berge, wie die Fluchthörner.“ Seine Lieblingstouren sind ganz klar die Rote Wand und die Drei Türme, die er jeweils 25 Mal bezwungen hat. Bei allen 3000er-Touren hat er sich einen Bergführer dazu geholt. Auch seinen Sohn Christian hat er mitgenommen. Zum 60. Geburtstag schenkte ihm seine Frau Marliese die Besteigung der Zimba, ebenfalls mit Bergführer, denn diese blieb dem Brandner bis dato verwehrt.



1978 hat er in Brand seine zweite Heimat gefunden, nachdem er beruflich hierhergekommen ist. Er war jahrelang in der Textilbranche tätig. Damals wohnte er noch gemeinsam mit seiner Frau Marliese und seinen zwei Söhnen in Brand, doch aus gesundheitlichen Gründen zog seine Frau nach Lochau. Franz Berger blieb. „Ich habe alle Gipfel in der Brandner Umgebung bestiegen“, sagt der Pensionist stolz. „Ich bin ein Bergmensch mit Leib und Seele. Und für den Körper ist das Wandern sowieso das Beste.“



In all den Jahren war er als anonymer Wegewart tätig. Er beseitigte nach dem Winter die Wege von Steinen, Geröll und Vermurungen und schnitt die Latschen zurück. „Ich schaue, dass die Wege in Ordnung sind nach dem Winter.“ Das alles machte er unaufgefordert, uneigennützig und ehrenamtlich. Auch für die Gipfelbücher des Saulakopfs, Mottakopfs und Fundlkopfs – alle drei sind seine Lieblingsberge im Brandnertal – fühlt er sich verantwortlich und tauscht sie aus, wenn sie voll sind. Auf dem Nördlichen Schafgafall hat er ein eigenes Gipfelkreuz aus Ästen aufgestellt. Die Berge sind wie seine Kinder. Sie brauchen Pflege und Fürsorge.

Herz schlägt fürs “Figelen”
Doch nicht nur das Wandern bereitet ihm Freude, sondern auch das Skifahren. Jeden Winter macht Franz Berger im Brandnertaler Skigebiet seine Schwünge auf den Skiern. Doch was ihm am meisten Spaß und Freude bereitet, ist das „Figelen“ im Frühjahr, bei dem man mit verkürzten Skiern auf dem Firn vom Berg ins Tal fährt. „Zuerst stapft man zu Fuß hinauf im Schnee und hinunter macht man dann kurze Schwünge. Das ist eine wahre Gaudi.“ Und solange es seine Gesundheit noch zulässt, werden die Berge seine Spielwiese bleiben.


