Rodundwerk 1: Drei Geschenke zum Jubiläum

VN / 10.10.2023 • 15:05 Uhr
Projektleiter „Generalüberholung Kraftwerk“ Stephan Kasper, Kraftwerksleiter Arno Schacht, Vorstandsmitglied Gerd Wegeler und Projektleiter „Kraftabstieg“ Guntram Innerhofer. <span class="copyright">VN/JUN</span>
Projektleiter „Generalüberholung Kraftwerk“ Stephan Kasper, Kraftwerksleiter Arno Schacht, Vorstandsmitglied Gerd Wegeler und Projektleiter „Kraftabstieg“ Guntram Innerhofer. VN/JUN

80 Jahre feiert das Rodundwerk 1 in Vandans. Am Freitag gab es gleich drei Gründe zu feiern, denn nicht nur der neue Kraftabstieg ist nach dreieinhalb Jahren Bauzeit fertig, sondern auch das Kraftwerk wird generalüberholt und die Unterwasserbecken wurden ebenfalls ertüchtigt.

Vandans Letzte Woche Freitag wurde das 80-jährige Jubiläum des Rodundwerks 1 in Vandans gleich mit drei Geschenken gefeiert. Zum einen wurde nach dreieinhalb Jahren Bauzeit der neue Kraftabstieg gefeiert, zum anderen das generalüberholte Kraftwerk. Und zu guter Letzt wurde auch das Unterwasserbecken ertüchtigt.

Diese zwei Turbinen stellen sicher, dass das Kraftwerk auch im Falle eines Blackouts läuft.
Diese zwei Turbinen stellen sicher, dass das Kraftwerk auch im Falle eines Blackouts läuft.
Die heilige Barbara wurde von Pfarrer Hans Tinkhauser gesegnet.
Die heilige Barbara wurde von Pfarrer Hans Tinkhauser gesegnet.

70 Millionen Euro hat der neue Druckschacht den illwerken vkw gekostet. Weitere 40 Millionen Euro wurden in die Erneuerung des Kraftwerks investiert. Mit den kleineren Arbeiten kommen die illwerke vkw auf eine Gesamtsumme von 120 Millionen Euro. Zehn Jahre dauerte die Projektlaufzeit, im Mai 2020 wurde mit den Ausbrucharbeiten für den neuen Kraftabstieg vom Staubecken Latschau bis Vandans begonnen. Man hat sich für einen Neubau des Druckschachts entschieden, um so während der Arbeiten den alten Druckschacht weiter nutzen zu können. Nur in den letzten acht Monaten musste das Kraftwerk außer Betrieb gesetzt werden.

Auch das Kraftwerk wurde generalüberholt.
Auch das Kraftwerk wurde generalüberholt.
Die 38 Stahlrohre, die allein in diesem Druckschacht verbaut wurden, sind jeweils zwölf Meter lang und rund 20 Tonnen schwer.
Die 38 Stahlrohre, die allein in diesem Druckschacht verbaut wurden, sind jeweils zwölf Meter lang und rund 20 Tonnen schwer.

68.000 PS stark

Kraftwerksleiter Arno Schacht und Stephan Kasper, Projektleiter „Generalüberholung Kraftwerk“, zeigten den Stollen zum Druckschacht mit der heiligen Barbara am Eingang und das Kraftwerk, dessen Modernisierung erst 2026 komplett abgeschlossen sein wird. Die vier Turbinen werden in den nächsten Jahren sukzessive generalüberholt. Dafür werden sie komplett auseinandergebaut. Die erste der vier Turbinen lief am Freitag an. 68.000 PS stark ist eine Maschine. Bei voller Leistung würden die vier Turbinen 200 Megawatt Strom produzieren. Damit könnten sie – rein theoretisch – ein Drittel von Vorarlberg mit Strom versorgen. Doch der Strom, der hier erzeugt wird, ist gar nicht für Vorarlberger gedacht, sondern fließt nach Deutschland. Das Rodundwerk 1 ist dafür gedacht, Spitzenzeiten des Energieverbrauchs abzufangen und hat damit dieselbe Aufgabe wie das künftige Lünerseekraftwerk 2.

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Hier geht es in den Stollen, in dem der Druckschacht liegt.
Hier geht es in den Stollen, in dem der Druckschacht liegt.

Neben den Turbinen wurde auch die Schaltanlage auf dem Dach erneuert. Zudem sorgen zwei kleinere Turbinen für die Sicherstellung des Anlagenbetriebs, falls es zu einem Blackout kommen sollte. Sie liefern dann den benötigten Strom, um das Kraftwerk wieder zum Laufen zu bringen. Die Anlage ist somit komplett autark.

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Hier wird der neue Kraftabstieg erläutert.
Hier wird der neue Kraftabstieg erläutert.
Wenn man die Maschine startet, wird es sehr laut.
Wenn man die Maschine startet, wird es sehr laut.

Der Druckschacht ist nicht weniger beeindruckend: So haben die Stahlrohre einen Durchmesser von 3,6 Meter und sind auf der Steilstrecke mit 36 Grad Gefälle 470 Meter lang. Zusammen mit dem Flachstück und dem Druckstollen kommt man auf eine Gesamtlänge von 900 Meter, die durch den Berg führen. Im Zugangsstollen ist das Rohr freigelegt und nicht wie sonst üblich zubetoniert. Das hat den Grund, dass man das Rohr für eine Revision so leichter ausbauen kann. Mit einem Kran wird das Rohr angehoben und zur Seite geschoben, um mit den Geräten in den Druckschacht zu gelangen.

V. l.: Stephan Kasper, Gerd Wegeler, Arno Schacht und Anlagenmeister Philipp Schneider.
V. l.: Stephan Kasper, Gerd Wegeler, Arno Schacht und Anlagenmeister Philipp Schneider.
Die Turbine erzeugt nur so viel Strom, wie benötigt wird. 50 Hertz müssen gehalten werden. Bei über 50 Hertz erzeugt die Turbine zu viel Energie, bei unter 50 Hertz zu wenig.
Die Turbine erzeugt nur so viel Strom, wie benötigt wird. 50 Hertz müssen gehalten werden. Bei über 50 Hertz erzeugt die Turbine zu viel Energie, bei unter 50 Hertz zu wenig.

Zahlen zum Rodundwerk I:

Inbetriebnahme: 1943

Maschinengruppen: vier horizontalachsige Maschinengruppen mit je einer Francis-Turbine und einem Generator

Fallhöhe: 354 m

Engpassleistung im Turbinenbetrieb: 198 MW

max. Leistungsaufnahme im Pumpbetrieb: 41 MW

Regelarbeitsvermögen: 297 GWh

Drehzahl: 500 U/min

Arno Schacht erklärt, wie die Turbine funktioniert.
Arno Schacht erklärt, wie die Turbine funktioniert.
Der blaue Teil ist für das Wasser zuständig, der rote Teil für den Strom.
Der blaue Teil ist für das Wasser zuständig, der rote Teil für den Strom.

Neuster Stand der Technik

Die 60 Kubikmeter Durchflussmenge bleibt unverändert. Lediglich die Rohre aus Stahl und Beton wurden auf den neusten Stand der Technik gebracht, erklärte Projektleiter des Kraftabstiegs, Guntram Innerhofer. Nach 80 Jahren wurde es einfach Zeit für ein neues Material, denn auch der Stahl hat sich in den letzten Jahrzehnten verbessert. Im Zuge der Arbeiten wurde auch das Unterwasserbecken in Vandans ertüchtigt. So wurde die Böschung neu gestaltet und Sedimente aus dem See entnommen.

Die neue Schaltanlage auf dem Dach des Kraftwerks.
Die neue Schaltanlage auf dem Dach des Kraftwerks.
Den alles entscheidenden Knopf zum Start der Maschine 1 konnte ich selbst drücken.
Den alles entscheidenden Knopf zum Start der Maschine 1 konnte ich selbst drücken.

Zahlen zum neuen Kraftabstieg:

10 Jahre Projektdauer

920 Meter Länge

17.000 Kubikmeter Beton wurden verbaut

36 Grad Neigung im Druckschacht

470 Meter Länge des Druckschachts

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Wallner beim Festakt: „Dafür würde ich mich sogar ankleben.“

Drei Geschenke gab es zum 80-jährigen Jubiläum des Rodundwerks 1. Moderator Christoph Burtscher nannte sie beim Festakt: Generalüberholung des Kraftwerks, rundumerneuertes Staubecken und ein neuer Kraftabstieg. „Es ist ein kompetentes Projekt, das zehn Jahre in Anspruch genommen hat. Der Kraftabstieg ist eine herausragende Leistung auf verschiedenen Ebenen“, so Vorstandsvorsitzender der illwerke vkw, Christof Germann. Das Budget von 70 Millionen Euro wurde eingehalten.

Das Staubecken wurde ebenfalls ausgebessert und von Sedimenten befreit.
Das Staubecken wurde ebenfalls ausgebessert und von Sedimenten befreit.

Standesrepräsentant Jürgen Kuster gratulierte im Namen aller Montafoner Gemeinden zum Projekt: „Danke für die gute und wertvolle Partnerschaft. Uns ist gar nicht bewusst, welche Spitzentechnologie hinter den schönsten Plätzen im Montafon steckt.“

V. l.: Vorstandsmitglied Gerd Wegeler, AR-Vorsitzender Ludwig Summer, Vorstandsvorsitzender Christof Germann, LH Markus Wallner, Projektleiter Guntram Innerhofer, Landesrat Christian Gantner, Landtagsvizepräsidentin Monika Vonier und Pfarrer Hans Tinkhauser. <span class="copyright">Patrick Säly</span>
V. l.: Vorstandsmitglied Gerd Wegeler, AR-Vorsitzender Ludwig Summer, Vorstandsvorsitzender Christof Germann, LH Markus Wallner, Projektleiter Guntram Innerhofer, Landesrat Christian Gantner, Landtagsvizepräsidentin Monika Vonier und Pfarrer Hans Tinkhauser. Patrick Säly

Was Projektleiter Guntram Innerhofer besonders freut, ist der Moment, wenn „alle Zahnrädchen bei Inbetriebnahme ineinandergreifen“. Das größte Risiko waren die Stollenvortriebe, die man während des Betriebs der bestehenden Anlage gemacht hat. Die Tunnelbohrmaschine namens Serafina habe in der Bauzeit insgesamt 30.000 Kubikmeter Gestein zutage gebracht. Aufgrund eines nahen Deponieortes konnten etliche Lkw-Fahrten eingespart werden.
Landeshauptmann Markus Wallner sprach ein großes Kompliment an Guntram Innerhofer und sein Team aus. „Es ist beeindruckend, wie viel Know-how dahintersteckt.“ Das Kraftwerk dient der Versorgungssicherheit im Falle eines Blackouts, doch den Strom liefert es vor allem nach Deutschland. „Deutschland hat wirklich Sorge, dass denen der Strom ausgeht“, weil die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. „Wir liefern die Energie und die zahlen uns das“, sagte Wallner. Das Geld werde dann in die Vorarlberger Bevölkerung investiert.

So sah es während der Bauarbeiten aus.
So sah es während der Bauarbeiten aus.

Und dann ließ es sich Markus Wallner nicht nehmen, einen Seitenhieb gegen die Klimakleber anzubringen: „Es ist einfacher, in Klimafragen gegen etwas zu sein, aber schwieriger, für etwas zu sein.“ Statt gegen die Tunnelspinne in Feldkirch zu demonstrieren, könne man lieber für das Lünerseekraftwerk 2 demonstrieren. Denn fünf Jahre dauert das UVP-Verfahren. „Das sieht niemand ein“, so Wallner. „Ein Jahr ist schon zu viel. Fünf Jahre sind viel zu lang für die Genehmigung.“ Für die Forderung mit den Schlagworten „Kraftwerk jetzt! Kürzere Genehmigung!“ würde selbst Wallner demonstrieren gehen. „Dafür würde ich mich sogar ankleben.“

Die Rohre sind teils aus Stahl und teils aus Beton.
Die Rohre sind teils aus Stahl und teils aus Beton.

Serafinas Arbeit

Das komplexe Vorhaben erforderte das Zusammenspiel von zahlreichen Gewerken. Die Herausforderungen, die es dabei zu bewältigen gibt, lassen sich schon anhand der Dimensionen erahnen, in denen hier gedacht wird. Die Tunnel wurden einerseits im sogenannten zyklischen Vortrieb – das heißt, mittels Sprengungen –, andererseits mit einer Tunnelbohrmaschine gegraben. Das riesige Gerät hat einen Bohrdurchmesser von 4,5 Metern und ist in Summe 85 Meter lang und 430 Tonnen schwer. Unter anderem fräste die Tunnelbohrmaschine den 470 Meter langen Druckschacht, der zwischen dem Kraftwerksstandort in Rodund und dem Staubecken Latschau mit 36 Grad Neigung verläuft. Die 38 Stahlrohre, die allein in diesem Druckschacht verbaut wurden, sind jeweils zwölf Meter lang und rund 20 Tonnen schwer. Nachdem sie an Ort und Stelle gebracht und verschweißt waren, wurden sie an der Innenseite zum Schutz gegen Korrosion sandgestrahlt und dann mehrfach beschichtet.