Neuer Bürgermeister im Interview: „Nüziders braucht eine Gastronomie“

Florian Themeßl-Huber hat vor kurzem das Amt des Bürgermeisters in Nüziders übernommen. Was er sich für seine „liebenswerte Gemeinde“ wünscht, welche Schwachstellen die Gemeinde in Zukunft angehen wird und warum sein alter Job Vorteile für sein neues Amt mit sich bringt, verrät er im VN-Interview.
Nüziders Seit dem vergangenen Wochenende hat Nüziders einen neuen Bürgermeister. Florian Themeßl-Huber wurde in der Gemeindevertretungssitzung, die am 29. September im gut gefüllten Sonnenbergsaal stattfand, mit 23 von 24 Stimmen der Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter zum Bürgermeister der Sonnenberggemeinde gewählt. Der gebürtige Nüziger folgt auf Peter Neier, der dieses Amt 17 Jahre lang innehatte. Die VN traf sich zu einem Gespräch mit dem Kommunikationsfachmann über aktuelle Zielsetzungen und Vorhaben in Nüziders.
Aus welchem Grund haben Sie sich entschieden, für das Bürgermeisteramt in Nüziders zu kandidieren?
THEMESSL-HUBER Dafür gibt es vielfältige und gute Gründe. Nüziders ist eine liebenswerte Gemeinde, die sich sehr dynamisch entwickelt. Wir haben eine funktionierende Dorfgemeinschaft, eine gute Infrastruktur, moderne Bildungseinrichtungen sowie eine gesunde Wirtschaftsstruktur – und ganz wichtig – ein wertschätzendes politisches Klima.
Sie waren zuvor viele Jahre lang Leiter der Presseabteilung der Vorarlberger Landesregierung. Worin sehen Sie den Vorteil Ihres Erfahrungshorizonts aus eben jener beruflichen Funktion für Ihr neues Berufsfeld?
THEMESSL-HUBER Ich habe in den vergangenen Jahren unzählige politische Prozesse aus nächster Nähe beobachten dürfen und für mich einige Lehren – positiv und negativ – daraus ziehen können. Auch habe ich mir ein gutes Netzwerk erarbeitet. Das bringt sicher eine gute Ausgangsposition mit sich. Daher weiß ich, dass man dieser Aufgabe mit einer gehörigen Portion Respekt begegnen muss.
Ihr Vorgänger, Peter Neier, hat 17 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde Nüziders geleitet. Es gab in all den Jahren keine Skandale. Peter Neier hat stets mit Ruhe und Besonnenheit agiert. Ist er für Sie ein Vorbild?
THEMESSL-HUBER Ganz klar. Wenn jemand mehr als 17 Jahre Bürgermeister ist, hat man vieles richtig gemacht. Mich hat beeindruckt, wie sachlich und mit welcher fachlichen Tiefe er die politische Zusammenarbeit gestaltet hat.
Welche Neuerungen im Führungsstil streben Sie dennoch an?
THEMESSL-HUBER Jeder hat seinen eigenen Führungsstil, seine eigene Persönlichkeit. Ich werde meinen Vorgänger weder nachahmen noch alles über Bord werfen. Kommunizieren und einbinden – das wird meine Devise sein.
Der Kindercampus in Nüziders wurde erfolgreich umgesetzt. Welche weiteren Projekte stehen derzeit an?
THEMESSL-HUBER Der Bildungscampus war die größte Investition, die die Gemeinde je getätigt hat. Sie war notwendig und richtig, aber wir werden sie finanziell noch eine Zeit lang spüren. Wir werden auch weiterhin in die Kinder- und Schülerbetreuung investieren müssen. Die Umsetzung unseres Klima- und Energieleitbildes wird schrittweise erfolgen – wir überarbeiten etwa gerade die Förderungen in diesem Bereich. Volle Kraft müssen wir auch in die Nahversorgung stecken. Nüziders braucht eine Gastronomie im Ortszentrum. Und mittelfristig auch ein neues Feuerwehrgerätehaus.
Welche weiteren Projekte sollen in näherer Zukunft realisiert werden?
THEMEßL-HUBER Wir haben zwei größere Infrastrukturprojekte, die Anfang kommenden Jahres in die Umsetzung gehen. Außerdem sind wir gerade intensiv mit der Überarbeitung unseres Straßen- und Wegekonzepts, des räumlichen Entwicklungsplans und des Bebauungsplans beschäftigt.
Eine Frage zur Verkehrsführung in Nüziders: Das verkehrstechnische Nadelöhr beim Postamt Nüziders wurde schon des Öfteren bemängelt. In welcher Form könnte dieses Problem gelöst werden?
THEMESSL-HUBER Das diskutieren wir gerade intensiv in den Gremien der Gemeinde unter Einbindung von Expertinnen und Experten. Am 15. November werden wir dies in einem Bevölkerungsworkshop mit den Nüzigerinnen und Nüziger diskutieren, dem möchte ich noch nicht vorgreifen. Im Wesentlichen läuft es unter anderem auf eine Geschwindigkeitsreduktion im gesamten Ortsgebiet hinaus.
Es wurde auch schon mehrfach der Wunsch nach einer Begegnungszone von Seiten der Bevölkerung geäußert. Wie stehen Sie als Bürgermeister diesem Wunsch gegenüber?
THEMESSL-HUBER Die Begegnungszone ist sicherlich eine für die spezifische Situation von Nüziders sehr ernstzunehmende Möglichkeit.
Der frühere Gasthof Krone bildet einen zentralen Leerstand in der Dorfmitte. Gibt es inzwischen konkrete Pläne, was damit geschieht?
THEMESSL-HUBER Die Gemeinde ist in intensivem Kontakt mit den Investoren. Ich bin angesichts der handelnden Personen sehr optimistisch, dass wir in naher Zukunft einen wesentlichen Schritt weiterkommen.
Und zuletzt noch eine Zukunftsfrage: Wie sollte Nüziders in zehn Jahren aussehen? Was ist Ihr größter Wunsch, wenn es um die Entwicklung der Gemeinde geht?
THEMESSL-HUBER Nüziders soll weiterhin eine liebenswerte und moderne Gemeinde mit hoher Lebensqualität sein, in der man gerne wohnt und arbeitet. Wir werden auch in Hinblick auf künftige Generationen eine nachhaltige Entwicklung vorantreiben. BI
zur prson
FLORIAN THEMESSL-HUBER
GEBOREN 7. Oktober 1980
FAMILIE in Partnerschaft, zwei Töchter im Alter von drei und fünf Jahren
WOHNORT Nüziders
BERUFLICHER WERDEGANG Mitarbeiter von NR Karlheinz Kopf, persönlicher Pressereferent von LH Wallner, Leiter der Pressestelle im Amt der Landesregierung
HOBBYS kommen im Moment zu kurz
LEBENSMOTTO „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ (Antoine de Saint-Exupery)