“Ganz unterschiedliche Auswirkungen”

Thomas Oberholzner, Leiter der KMU-Forschung Austria, fordert Verwaltungsvereinfachung für Betriebe.
Dornbirn Unzweifelhaft sind kleine und mittlere Unternehmen nach wie vor die zentrale Säule der österreichischen Wirtschaft: Im Jahr 2021 gab es rund 358.000 kleine und mittlere Betriebe, die über 2 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigten und rund 53.000 Lehrlinge ausbildeten. Sie erwirtschafteten rund 64 Prozent der Umsätze und rund 63 Prozent der Bruttowertschöpfung der Wirtschaft in Österreich. Die Dominanz der KMU ist wie in Österreich auch in Vorarlberg bei nahezu 100 Prozent der Unternehmen. Ein guter Grund also, dass auch die Tätigkeit der kleinen und mittleren Betriebe wissenschaftlich begleitet wird.
Daten und Analysen
Die KMU-Forschung Austria wurde im Jahr 1954 gegründet und ist ein privater, gemeinnütziger Verein, der wissenschaftlich fundierte Analysen und Daten zu aktuell und zukünftig relevanten Themenstellungen als Grundlage für wirtschaftspolitische und unternehmerische Entscheidungen zur Verfügung stellt. Der Leiter des Instituts, Thomas Oberholzner, berichtete in seiner Ansprache beim KMU-Preis über die aktuelle Situation der kleinen und mittleren Firmen in einer Wirtschaft, die derzeit an mehreren Fronten zu kämpfen hat und sich in vielen Bereichen neu aufstellen muss. Die momentane Konjukturschwäche, so Oberholzner im Gespräch mit den VN, habe auf die verschiedenen Branchen auch „ganz unterschiedlich starke Auswirkungen“.

Bau, Baunebengewerbe und Anlagenbau spüren das Minus im Wohnbau stark, der Handel schwächle schon länger, der Tourismus habe heuer allerdings ganz gut reüssieren können. „Natürlich kämpfen alle Betriebe mit der Stagflation, also dem Stillstand des Wachstums bei gleichzeitiger Geldentwertung. Auch die gerade angelaufenen KV-Verhandlungen seien herausfordernd, so der Wirtschaftsforscher, der deshalb eine Investitionszurückhaltung feststellt, die sich in den Auftragsbüchern vieler kleiner Unternehmen abbilde. „Von einer Insolvenzwelle sind wir allerdings noch weg“, so Oberholzner, in den vergangenen Jahren sei es vielen Betrieben gelungen, Rücklagen zu bilden, die jetzt notwendig sind.
Herausfordend sei auch die Energiesituation und der Umstieg auf neue Energiequellen, so Oberholzner. Politik und Bundesregierung attestiert er, dass man gute Einzelmaßnahmen gesetzt habe, doch eine Strategie wäre auch für die Unternehmen wichtig.
„Primär muss die Regierung schauen, dass man aus der Inflation wieder rauskommt.“
Zur Person
Thomas Oberholzner
Institutsleiter der KMU-Forschung Austria
Ausbildung Studium Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien (Schwerpunkt u. a. Regionalökonomie/Wirtschaftsgeografie)
Laufbahn seit 1994 bei der KMU-Forschung Austria im wissenschaftlichen Bereich tätig, seit 1998 Mitglied der Geschäftsführung des Instituts; Mitglied des Executive Committee des European Network for Social and Economic Research (ENSR)