Gesundheitswesen in Gefahr: Forderung nach mehr Geld und Reformen

VN / 28.09.2023 • 16:00 Uhr
<p class="caption">Der Hausarzt wird zur Mangelware. Das sorgt für Unruhe.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"><span class="copyright">apa</span></span></p>

Der Hausarzt wird zur Mangelware. Das sorgt für Unruhe. apa

ÖGK- und Gewerkschaftsvertreter untermauern Forderung nach mehr Geld.

Dornbirn Das Gesundheitswesen braucht dringend mehr Geld. Darüber sind sich ÖGK und Gewerkschaft einig und nützen die laufenden Finanzausgleichsverhandlungen, ihrer Forderung entsprechend Nachdruck zu verleihen. ÖGK-Arbeitnehmervertreter Andreas Huss attestiert dem System zwar insgesamt ein gutes Fundament, aber nun sieht er das schützende Dach immer löcheriger werden.

„Um das zu erhalten, was wir haben, braucht es rasch Reparaturarbeiten“, sagte er am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Dornbirn. Das gelte für die Spitäler, noch mehr aber für den niedergelassenen Bereich. Wie Huss will auch AK-Vizepräsidentin Manuela Auer (FSG), dass die im Vorfeld der Kassenfusionierung versprochene Patientenmilliarde im Finanzausgleich aufscheint. Aus ihrer Sicht ist „der Zerfall des Gesundheitssystems“ nämlich schon real. „Die Entwicklung zur Zwei-Klassen-Medizin muss gestoppt werden und ein kostenfreier Zugang zu Gesundheitsleistungen gegeben sein“, lautete ihr Appell.

<p class="caption">Manuela Auer hielt sich mit kritischen Worten nicht zurück.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker">Hartinger</span></p>

Manuela Auer hielt sich mit kritischen Worten nicht zurück. Hartinger

Wahlärzte ins Kassensystem

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Personalmangel in den Krankenhäusern, der einhergeht mit vollen Ambulanzen, sorgt auch für Druck auf die niedergelassenen Ärzte. Laut Andreas Huss suchten im ersten Quartal 2023 um 18 Prozent mehr Patienten niedergelassene Praxen auf. Das betrifft besonders die Allgemeinmediziner. Einmal mehr kam daher die Forderung nach Einbeziehung von Wahlärzten in das Kassensystem auf den Tisch. Huss sieht diesbezüglich Potenzial und berief sich auf eine Studie, die, wie berichtet, die Ärztekammer unlängst zu diesem Thema durchführen ließ. Huss zufolge könnten dann mehr Leistungen aus den Spitälern in die Niederlassung geholt werden. Überhaupt sei die Medizin größer zu denken, verwies der ÖGK-Vertreter auf Ärztezentren und Primärversorgungseinrichtungen als Mittel der ärztlichen Zukunft.

ÖGK-Arbeitnehmervertreter Andreas Huss kommt regelmäßig nach Vorarlberg. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
ÖGK-Arbeitnehmervertreter Andreas Huss kommt regelmäßig nach Vorarlberg. VN/Paulitsch

Mehr Geld aus dem Steuertopf

Für eine solide Basis des als unterfinanziert bezeichneten Gesundheitssystems müsste der Versicherungsbeitrag mindestens 10 Prozent betragen. Aktuell liegt er bei sieben Prozent. „Doch niemand will eine Beitragserhöhung“, betonte Andreas Huss. Dies auch deshalb, weil die Patienten in Österreich jetzt schon 23 Prozent der Arztleistungen aus eigener Tasche bezahlen würden. Das sei inakzeptabel. „Deshalb braucht es eine massive zusätzliche Ausstattung aus dem Steuertopf“, so die einhellige Forderung. Huss tat die oft gehörte Feststellung, wonach Österreich im Spitzenfeld der Gesundheitsausgaben liege, als Mär ab: „Nimmt man die Privatzahlungen heraus, liegen wir sogar unter dem Europaschnitt“, zitierte er aus einer OECD-Statistik. Auer wiederum forderte Bundes- und Landesregierung sowie ÖGK und Ärztekammer zum Handeln auf.

Auszug aus dem 10-Punkte-Forderungsprogramm

O bundesweit zusätzlich 500 Kassenstellen, 100 seien zu wenig

O Wahlärzte stärker ins Kassensystem einbinden

O Honorarsystem für Kassenmediziner attraktivieren

O Leistungskatalog für ganz Österreich vereinheitlichen, aber unter Einbeziehung der jeweiligen Kostenstruktur in den Bundesländern

O Ausbau der Studienplätze mit Ausbau des Stipendienmodells

O mehr Primärversorgungszentren

O bessere Adaptierung der Stellenpläne auf regionale Gegebenheiten