Horrornacht für Landwirte: Feuerwerk versetzte Rinderherden in Panik

VN / 27.09.2023 • 14:52 Uhr
Harald Spiegel spricht mit den Vorarlberger Nachrichten über die Horrornacht. <span class="copyright">Sohm</span>
Harald Spiegel spricht mit den Vorarlberger Nachrichten über die Horrornacht. Sohm

Zäune niedergetrampelt, Kälber auf Straßen und Geleisen, Polizei im Großeinsatz. Letztes Rind erst nach drei Tagen eingefangen.

Rankweil Harald Spiegel, Landwirt des Spiegelhofes in Rankweil-Brederis, und seine Familie haben ein aufregendes Wochenende hinter sich. „Es war Freitagnacht um 22 Uhr, als das Telefon klingelte. Am Apparat war die Leitstelle der Polizei Feldkirch. Der Beamte sagte, dass ausgebüxte Rinder auf den Straßen seien – meine Rinder“, schildert Spiegel den VN.

Von diesem Augenblick an hatten der Hofbesitzer und seine Angehörigen keine ruhige Minute mehr. Eine chaotische Nacht folgte. Bis zum Morgengrauen.

Doch was war geschehen? Im nahegelegenen Industriegebiet war am Freitagabend anlässlich einer Hochzeit ein Feuerwerk gezündet worden. „Der Krach dauerte mindestens eine Viertelstunde, im ganzen sonst so ruhigen Gebiet hallte der Lärm wider“, erinnert sich Spiegel. „Ein Nachbar sagte mir, bei ihm hätten gar die Fensterscheiben gezittert.”

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Bahnverkehr gestoppt

In der Nähe der Ölz Mühle in Rankweil/Rüggelen weideten 24 Rinder des Landwirtes in einer eingezäunten Wiese. Durch das Feuerwerk gerieten die Kälber in Panik und buchstäblich außer Rand und Band. Spiegel: „Diese Tiere haben besonders empfindliche Ohren, die sie schließlich nicht zuhalten können. In ihrem Schrecken trampelten sie den Zaun nieder und büxten aus. Bis auf die Geleise. Der Bahnverkehr musste deshalb sogar gestoppt werden.“

Während der Landwirt und rund ein Dutzend von ihm verständigte Helfer damit beschäftigt waren, die Rinder einzufangen, hätte die Polizei elf Mal angerufen. „Sie berichtete von Kälbern auf der Reichsstraße, im Runa-Gebiet, auf dem Tennisplatz, beim OBI, beim Amberg oder bei der Sparkasse Altenstadt. Mehrere Polizeistreifen haben uns begleitet, als wir uns auf die Suche nach den Rindern machten“, so der Landwirt.

Eines der entlaufenen Rinder bei Regen in stockdunkler Nacht. <span class="copyright">Spiegel</span>
Eines der entlaufenen Rinder bei Regen in stockdunkler Nacht. Spiegel

Flucht in alle Richtungen

Das Vieh blieb nicht gemeinsam in der Herde, sondern flüchtete in alle Richtungen. Zudem goss es die ganze Nacht in Strömen. „Es war stockdunkel, wir mussten Taschenlampen verwenden. Was ein zusätzliches Risiko bedeutete, da die aufgebrachten Rinder dadurch noch nervöser wurden.“ Die Kälber auf Transporter aufzuladen, erwies sich deshalb als unmöglich. „Wir mussten sie mit mitgebrachten Weidepanelen einzäunen“ erinnert sich Spiegel.

Weitere Herde ausgebüxt

So ging es drei Tage lang. Erst am Montagvormittag konnte das letzte Rind auf einem Acker aufgespürt und eingefangen werden. Dabei war Spiegel nicht der einzige Landwirt, den das Desaster traf.  „Auch beim Rankler Landwirt Stefan Maissen büxte eine Herde von 20 Rindern in Richtung Baggerlöcher aus“, sagt Spiegel, den während der mehrtägigen Suchaktion noch eine zusätzliche Problematik belastete: „Wenn das Vieh auskommt und etwas passiert, haftet der Landwirt. Deswegen hatten wir die ganze Zeit Angst. Glücklicherweise kam es zu keinen Unfällen und niemand wurde verletzt.“

Die Kälber sind wieder wohlbehütet im Stall des Spiegelhofes.  <span class="copyright">vn/gs</span>
Die Kälber sind wieder wohlbehütet im Stall des Spiegelhofes. vn/gs

Genehmigtes Feuerwerk

Das Hotel, das um das folgenschwere Feuerwerk bei der Bezirkshauptmannschaft angesucht hatte, hatte dafür eine Genehmigung erhalten. Das stößt nicht nur bei den betroffenen Hofbesitzern, sondern auch bei Gebhard Flatz, seines Zeichens Regionalitätskoordinator der Vorarlberger Landwirtschaftskammer, doch etwas auf. „Auch wenn das Hotel selbst in dieser Angelegenheit außen draus ist, sollten sich die Bezirkshauptmannschaften doch überlegen, wann und wo sie solche privaten Feuerwerke genehmigen. Schließlich geht es hier auch um das Tierwohl.“

Gebhard Flatz, Regionalitätskoordinator der Landwirtschaftskammer: "Bezirkshauptmannschaften sollten sich solche Genehmigungen überlegen." <span class="copyright">Ländle Produkte</span>
Gebhard Flatz, Regionalitätskoordinator der Landwirtschaftskammer: "Bezirkshauptmannschaften sollten sich solche Genehmigungen überlegen." Ländle Produkte