Geballte Hilfe unter einem Dach

Vertrag für Betrieb der ersten Primärversorgungseinrichtung ist rechtskräftig.
Bregenz Die Tinte auf dem Vertrag ist trocken und selbiger nun rechtskräftig. Damit kann die erste Primärversorgungseinrichtung (PVE) in Vorarlberg am 2. Oktober 2023 eröffnen. Betrieben wird sie von einem Team von fünf Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern in der Heldendankstraße in Bregenz-Vorkloster. „Es kann losgehen, alle notwendigen formalen Vorarbeiten sind erledigt“, bestätigte ÖGK-Landesstellenvorsitzender Manfred Brunner auf VN-Nachfrage. Mit im Boot sind außerdem fünf nichtärztliche Berufsgruppen. Neben der mit der Ärztekammer fixierten neuen Honorarordnung für solche Gesundheitseinrichtungen gibt es auch eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Land, das unter anderem die Kosten für die nichtärztlichen Angebote trägt. Für die ärztlichen Leistungen greift die ÖGK in die Tasche. Brunner hofft, dass die Ordination in Bregenz so etwas wie Signalwirkung habe. In Hohenems dürfte die nicht mehr nötig sein. Dort ist eine derartige medizinische Anlaufstelle bereits bis zum Versorgungskonzept gediehen. Manfred Brunner berichtet von guten Gesprächen und einer vielversprechenden Entwicklung.

Entlastung erhofft
Jahrelang ließ die Einrichtung solcher umfassend ausgerüsteten Praxen in Vorarlberg auf sich warten. Interessenten gab es zwar immer wieder einmal, doch letztlich waren ihnen die gesetzlichen Hürden zu hoch bzw. die Zwänge zu groß. Inzwischen wurden die Rechtsgrundlagen bundesweit etwas einfacher gestaltet. „Darauf haben wir noch gewartet“, erklärt der ÖGK-Landesstellenvorsitzende. Jetzt jedoch ist zumindest in Bregenz alles auf Schiene. Erweiterte Öffnungszeiten sollen die Spitalsambulanzen entlasten, und mit fünf Ärztinnen bzw. Ärzten ist zudem eine verlässliche Vertretung gewährleistet. Tobias Grabher, Matthias König, Isabel Fischer, Hannes Künz und Ines Tonko sind außer mittwochs jeweils von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr für die Patienten da, am Mittwoch von 8 bis 12 und von 16 bis 20 Uhr. Dazu kommen noch die nichtärztlichen Berufsgruppen, von denen das Versorgungskonzept mindestens drei verlangt. In Bregenz sind es sogar mehr.

Ganzheitliche Patientenbetreuung
Es gibt ein physiotherapeutisches Angebot im Haus ebenso wie eine diätologische Beratung und Betreuung von Patienten mit Gewichtsproblemen und Diabetes. Sozialarbeiter unterstützen im Bedarfsfall bei der Orientierung im Sozial- und Gesundheitssystem. Psychotherapeuten vermitteln einen Zugang zu Psychotherapie über die ifs-Clearingstelle. Die Krankenpflege bringt sich unter anderem im Wundmanagement sowie in der Diabetesberatung ein. Ordinationsassistentinnen und eine Mitarbeiterin im Praxismanagement vervollständigen das geballte Gesundheitswissen unter einem Dach. „PVE stellen eine neue zusätzliche Variante dar, in der engagierte Mediziner in einem Team zusammenarbeiten können. Das entspricht dem Wunsch vieler Ärztinnen und Ärzte“, sagt Manfred Brunner. Überdies erleichtere die enge Zusammenarbeit mit nichtärztlichen Angeboten eine ganzheitliche Patientenbetreuung. Er betont explizit auch die gute Kooperation zwischen Land, Ärztekammer und ÖGK, die derartige innovative Modelle ermögliche.
