Versuchte Vergewaltigung am Sportplatz Bürs? So lief der Gerichtsprozess

VN / 22.09.2023 • 10:28 Uhr
Um die Anklage einer versuchten Vergewaltigung ging es vor dem Landesgericht Feldkirch. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Um die Anklage einer versuchten Vergewaltigung ging es vor dem Landesgericht Feldkirch. VN/Plesch

Ein Mann saß auf der Anklagebank. Er soll sich an eine Jugendliche gemacht haben.

Darum geht’s:

  • 32-Jähriger wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt.
  • Der Vorfall ereignete sich während einer Autofahrt mit dem mutmaßlichen Opfer.
  • Im Prozess ergaben sich Ungereimtheiten in den Aussagen.

Feldkirch Versuchte Vergewaltigung, Missverständnis oder falsches Spiel? Dieser Frage sahen sich die Schöffen am Landesgericht Feldkirch gegenüber.

Auf der Anklagebank saß am Donnerstag ein im Oberland wohnhafter Syrer. Die Staatsanwaltschaft warf ihm versuchte Vergewaltigung und versuchte Nötigung vor. Der Beschuldigte wies alle Anklagepunkte von sich. Die vorsitzende Richterin Silke Sandholzer verkündete letztlich, dass der 32-Jährige in allen Anklagepunkten freigesprochen wird.

Konkret ging es um den Abend des 19. August 2022. Der Angeklagte soll eine Minderjährige in seinem Auto eingesperrt, unsittlich berührt und schließlich versucht haben, sie zu vergewaltigen. Anschließend soll er gesagt haben, sie dürfe mit niemandem darüber sprechen. Zudem hätte er versucht, die Eltern der Jugendlichen dazu zu bewegen, die Anzeige zurückzunehmen.

Vor Jahren kennengelernt

Und so kam es dazu: Die Frau des Angeklagten und der Vater des mutmaßlichen Opfers hatten vor rund drei Jahren zusammen einen Deutschkurs besucht. Dadurch kam der Kontakt zustande. In der Folge traf der Angeklagte auch öfter die Mutter der Jugendlichen. Und zwar durch seinen Job bei einem Dönerladen. Sie arbeitete nämlich in dem Markt, in dem er regelmäßig Brot kaufte.

Das Landesgericht in Feldkirch. <span class="copyright">VN/Fetz</span>
Das Landesgericht in Feldkirch. VN/Fetz

Laut ihm wurde daraus eine gute Freundschaft. Die Mutter sprach vor Gericht lediglich von Bekannten. Es kam aber auch vor, dass er sie nach Hause fuhr. Einmal brachte nach dem Deutschkurs auch den Vater heim. Es regnete.

Am Abend der mutmaßlichen Tat klagte die Mutter jedenfalls über starke Schmerzen im Nierenbereich. Sie musste ins Krankenhaus. Der Angeklagte fuhr sie und ihre Tochter dorthin. Laut Tochter und Beschuldigtem hatte die Mutter ihn angerufen. Sie behauptet aber, sie hätten ihn nur zufällig getroffen.

Unklarheit über Tat

Als sie in Behandlung war, warteten der 32-Jährige und die Jugendliche draußen. Sie entschlossen sich, eine Runde mit dem Auto zu drehen, um die Wartezeit zu verkürzen. Vom Krankenhaus in Bludenz soll der Angeklagte zum Sportplatz Bürs gefahren sein. Da soll es zu dem Übergriff gekommen sein. Demnach habe sich die Jugendliche aber erfolgreich gewährt. Nach etwa 30 Minuten fuhren sie zurück zum Krankenhaus.

Im November bekam der Oberländer die Info über die Anzeige. Er konfrontierte die Eltern damit, die genauso überrascht waren wie er. Geklärt war die Sache damit aber nicht. Die Jugendliche war überzeugt, die Anzeige aufrechtzuerhalten. Ihre Eltern sollten sich nicht einmischen. Was sie dazu bewegte, bleibt unklar.

Bei den verschiedenen Polizeiaussagen und vor Gericht ergaben sich Ungereimtheiten in den Ausführungen der Familie. Manches war widersprüchlich. Dazu kam, dass der Angeklagte durchaus einen glaubwürdigen Eindruck machte. Für einen Schuldspruch war die Beweislage daher letztlich zu wenig.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.