Der Beschützer des Wiegensees

Bergsportranger Emil Fleisch passt in den Sommermonaten im Auftrag von Montafon Tourismus, der Gemeinde Gaschurn und des „Natura 2000-Schutzgebietsmanagements“ auf das Europaschutzgebiet Wiegensee auf. Denn dort gibt es ein paar Verhaltensweisen, die Wanderer beachten müssen.
partenen Der Wiegensee oberhalb von Partenen ist 2021 zum schönsten Platz Österreichs gekürt worden. Besonders jetzt im Herbst ist er schön anzusehen. Kein Wunder, dass der Wiegensee seit der Auszeichnung mehr Besucher empfängt. Der Wiegensee liegt inmitten eines sensiblen Moorgebiets und ist eines der acht Europaschutzgebiete im Montafon. Entsprechend gibt es einige Verhaltensregeln, die man als Wanderer beachten muss. Und Emil Fleisch aus Gaschurn schaut zu, dass diese Regeln von den Wanderern eingehalten werden.



Emil Fleisch hat in der Regel immer seine drei Markenzeichen dabei – Hut, Hirtenstock und Feldstecher –, nur dieses Mal trägt er ein Käppi. Den Hirtenstock hat er in den Bus mitgenommen, der von Partenen zum Zeinisjoch hochfährt. Ein Schwätzchen mit dem Busfahrer darf auf der fast einstündigen Busfahrt nicht fehlen.


Mit den Wanderern im Austausch
Er geht am liebsten vom Zeinisjoch zum Wiegensee. „Da habe ich immer alles im Blick. Die Strecke ist übersichtlicher“, sagt Emil. Denn er ist schließlich nicht nur für den Wiegensee, sondern auch für das Gebiet um den Wiegensee herum zuständig. Vorbei am Zeinissee wandert er gemächlich zur Alpe Verbella. Auf diesem Wegabschnitt hat man nicht nur traumhafte Ausblicke in Richtung Silvretta, sondern sieht auch den weiteren Wegverlauf in Richtung Wiegensee. So sieht Emil Fleisch schon von Weitem, ob dort jemand mit dem Bike hochfährt, was verboten ist. Außerdem sei der Kontakt zu den Wanderern auf dieser Route besser.



Zehn Stunden in der Woche passt der Pensionist in Auftrag von Montafon Tourismus, der Gemeinde Gaschurn und des „Natura 2000-Schutzgebietsmanagements“ auf den Wiegensee auf. Wie sein Kollege Sebastian Wit ist auch Emil Fleisch für die Initiative „Naturverträglicher Bergsport im Montafon“ im Einsatz, nur beschränkt sich sein Gebiet auf den Wiegensee, während Sebastian Wit mit seinem E-Mountainbike im ganzen Montafon unterwegs ist.




Für Emil Fleisch ist vor allem der Austausch mit den Wanderern wichtig. Er wird oft gefragt, wie weit es noch zum Wiegensee, zur Bergstation, zur Verbella Alpe oder zur Heilbronner Hütte ist. Und er gibt gerne Auskunft, immerhin kennt er das Gebiet wie seine Westentasche.

Der 69-Jährige schaut darauf, dass keiner im Naturschutzgebiet mit dem Rad fährt, dass die Hunde angeleint sind und weder Hund noch die Wanderer im Wiegensee baden gehen. Außerdem muss man auf den Wegen bleiben, was nicht schwer ist, denn die schön angelegten Holzstege über das Moor laden nicht gerade dazu ein, diese zu verlassen. Am Wiegensee angekommen, füllt er die Box mit Info-Flyern auf.


Drohnenverbot
Emil Fleisch erzählt, dass er letztens einen Burschen am Wiegensee angetroffen habe, der eine Drohne fliegen ließ. Er hat ihm dann in einem persönlichen Gespräch erklärt, warum hier Flugverbot herrscht, denn Drohnen lösen bei Wildtieren Fluchtreaktionen aus. Der Gaschurner versicherte ihm, dass dieses Verbot noch besser beschildert wird. „Es war ein fruchtbarer Dialog und wir sind im Guten auseinandergegangen.“ Das häufigste Fehlverhalten, das der Ranger beobachtet, sind nicht angeleinte Hunde. Dann spricht er die Hundebesitzer an und weist freundlich darauf hin, dass die Hunde im Europaschutzgebiet Wiegensee anzuleinen sind. „Alle zeigen Verständnis“, sagt Emil Fleisch.


Dabei ist der Wiegensee ein empfindliches, 64 Hektar großes Naturschutzgebiet. Hier befindet sich eines der wenigen Deckenmoore Österreichs. Auch der Schwingrasen und die Latschenmoore machen dieses Gebiet besonders schützenswert und zu einem wertvollen Lebensraum zahlreicher Wildtiere. Wenn der Gaschurner Müll sieht, wie zum Beispiel Eier- oder Bananenschalen, die lange brauchen, bis sie verrotten, sammelt er ihn natürlich auf und nimmt ihn mit. Bis zur Tafamunt Bergstation ist es vom Wiegensee aus nur noch eine Stunde Fußmarsch.


Während Emil Fleisch auf der Bank sitzt, spricht ihn ein Schweizer Ehepaar aus Winterthur an. „Was für eine Idylle hier“, schwärmt Albert, der zusammen mit seiner Frau Monja ebenfalls vom Zeinisjoch aus gestartet ist. „Viel schöner als am Lünersee.“ Auch das gehört dazu: sich mit Leuten zu unterhalten. „Das sind gute Gespräche. Der Ton macht die Musik“, sagt der 69-Jährige, der zuvor in der Forstaufsicht tätig war.



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Er ist an diesem Tag das letzte Mal hier oben, denn dann fährt die Tafamuntbahn nur noch am Wochenende und dann ist die Naturwacht für den Wiegensee zuständig. „Ich bin zufrieden, wie der Sommer gelaufen ist. Die Leute sind sensibler als früher und befassen sich mehr mit dem Naturschutz. Die Gespräche sind das Schönste. Ich wünsche mir, dass wir weiterhin auf unser schönes Gebiet schauen und den Schutzstatus praktisch umsetzen.“ Denn der Wiegensee ist nicht nur für Emil Fleisch ein Ruhepol und der schönste Platz im Montafon, sondern auch für viele Gäste und Einheimische. VN-JUN



Der Wiegensee und seine Besonderheiten
Der Wanderweg zum Wiegensee führt durch einen einzigartigen Moorkomplex, der besonders trittempfindlich ist. Aus diesem Grund wurde vor ein paar Jahren auch der Steg angelegt, weil der Torfkörper sehr stark beschädigt wurde. Zur Schonung des sensiblen Moorkörpers sollten die Wege deshalb nicht verlassen werden. Baden im See ist verboten, da einerseits der Uferbereich leicht beschädigt werden kann (Schwingrasen), andererseits der Stoffhaushalt des kleinen Sees bei vielen Badegästen leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden könnte. Leinengebot und Verbot für Drohnen gelten deshalb, weil der Wiegensee auch Teil des Vogelschutzgebiets Verwall ist und dort lebende Vogelarten wie Schnee- und Birkhuhn und Steinadler durch Hunde und Drohnen gestört werden.
Europaschutzgebiet Wiegensee
Lage Partenen, auf 1.900 m Seehöhe
Größe 64,74 ha
geschützte Lebensräume und Tiere Hoch- und Niedermoore, Latschenmoore sowie Gebirgsvogelarten wie Schneehuhn, Birkhuhn und Steinadler
Infos www.naturvielfalt.at/wiegensee





