Siegerprojekt für Familienhaus in Bürs steht fest

Architekt Roland Stemmer aus Götzis wird das neue Kinder- und Familienhaus in Bürs in Holzbauweise umsetzen. Ausschlaggebend waren unter anderem die logische Raumaufteilung und der Nachhaltigkeitsgedanke, denn die Fassade wird begrünt und es entstehen Naturräume für die Kinder.
Bürs Architekt Roland Stemmer aus Götzis hat den Architektenwettbewerb für das neue Kinder- und Familienhaus in Bürs gewonnen und hat sich damit gegen 31 weitere Teilnehmer aus Deutschland, Schweiz und Österreich durchgesetzt.
Nachdem im Juli die Jury, bestehend aus dem Gemeindevorstand und dem Obmann des Raumplanungsausschusses, den Sieger ausgelobt hatte, musste die Gemeinde bis Ende August die Einspruchsfrist abwarten, ehe sie das Siegerprojekt der Öffentlichkeit präsentieren konnte. „Die Rundumgestaltung fanden wir gut“, lobt Bürgermeister Georg Bucher das Siegerprojekt. Stemmer habe eine „praktische, einfache, nachvollziehbare Lösung mit einer logischen, stimmigen Raumaufteilung“ präsentiert.

Fassade soll leben
Die einfache Struktur war der Hauptgrund für die Zusage. Hinzu kommen ökologische und energetische Aspekte, die Roland Stemmer gut umgesetzt hat. So wird es eine Fassaden- und Dachbegrünung geben – und das trotz Holzbau. „Das wird ein Experiment“, sagt Georg Bucher. Gedacht ist ein Abstand zwischen Fassade und dem Rankgewächs, damit das Holz durch die Wurzeln und das Astwerk nicht direkt Schaden nimmt. „Die Fassade soll leben“, sodass es keine immergrüne Pflanze werden wird, sondern eine, deren Blätter sich verfärben. „Die Jahreszeiten sollen erlebbar gemacht werden“, erläutert der Bürgermeister, der sich zum Beispiel Wilder Wein vorstellen kann. Somit würde sich auch das Erscheinungsbild der Fassade mit den Jahreszeiten verändern.


Zudem wird es um das Kinder- und Familienhaus herum Freiräume mit Naturwiesen und einem Biotop geben, die von einem Landschaftsarchitekten separat gestaltet werden. Ein Tastgarten soll die Kinder an die Natur heranführen, diese erlebbar machen. „Wir wollen vom klassischen Spielplatz abkommen“, erklärt Georg Bucher das Konzept dahinter. Eventuell werden Obstbäume gepflanzt, deren Früchte die Kinder dann ernten können. „Die Kinder sollen sich mehr mit der Natur beschäftigen“, so Bucher. Auch eine Klangstation und ein Barfußpfad könnten den Garten aufwerten.


Fünf Gruppenräume wird es geben, die von der Spielgruppe und der Kleinkinderbetreuung genutzt werden. Mit integriert ist neben einer Zentralgarderobe ein Bewegungsraum, der auch für kleine Veranstaltungen geeignet ist. Geöffnet hat das Familienhaus für Ein- bis Dreijährige von 7 bis 17.30 Uhr. „Wir haben mehr Nachfrage als Angebot“, sagt Georg Bucher. Noch dazu kommt, dass der Platz für einen zusätzlichen Gruppenraum bis jetzt fehle. „Eine vierte Gruppe könnte man jetzt schon problemlos eröffnen“, denn Bürs verzeichne steigende Geburtenzahlen. „Es zeichnet sich ab, dass wir mit fünf Gruppen gut aufgestellt sein werden in den nächsten Jahren.“


Eltern besser vernetzen
Das pädagogische Leitbild ist noch offen und muss noch erstellt werden. Auch ist die Leitung des neuen Kinder- und Familienhauses noch nicht geklärt. Neben der Kleinkinderbetreuung und der Spielgruppe werden auch die Elternberatung connexia und die Hebammenberatung in den neuen Räumlichkeiten zu finden sein. Somit haben die Eltern nur einen Standort in der Gemeinde, „wo alles ist“ und wo sie gebündelt alle Ansprechpartner haben, erklärt der Bürgermeister. Durch diese Bündelung sollen sich die Eltern untereinander mehr austauschen können. Die Familien aus Bürs sollen zusammengeführt werden, damit sie sich gegenseitig unterstützen können und ins Gespräch kommen. Daher wird es auch im neuen Kinder- und Familienhaus ein Elterncafé geben. „Momentan ist das eher ein Kommen und Gehen bei den Eltern“, merkt der Bürgermeister an. „Eine Kommunikation findet momentan fast nicht statt. Unser Ziel ist es, die Eltern besser zu vernetzen.“


Die Gemeindevertretung muss als Nächstes den Auftrag an Roland Stemmer vergeben, sodass die Ausschreibungen noch im Winter erfolgen können. Die Grobkostenschätzung beläuft sich auf 5,1 Millionen Euro netto. Mit involviert ist auch das Büro Lenz-Nachhaltig, denn das Familienhaus soll ökologisch und energetisch nachhaltig gebaut werden. Mit einem Kommunalgebäudeausweis (KGA) kann die Gemeinde auf bis zu 20 Prozent zusätzliche Förderung vom Land hoffen. So werden beim Bau des Familienhauses regionale Materialien wie heimisches Holz verwendet. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ist ebenso obligatorisch wie eine kontrollierte Be- und Entlüftung für ein besseres Raumklima.


Wenn man die Fachplaner bestimmt hat, könne man in die Detailplanung gehen. Im Frühjahr kann man laut Georg Bucher mit einem Baubeschluss rechnen. In weiterer Folge wird die pädagogische Leitung ausgeschrieben. Die bestehenden Einrichtungen werden in den Prozess und die Planung mit einbezogen. Georg Buchers Wunsch wäre, dass im Spätherbst 2024 mit dem Bau begonnen werden könnte. „Aber dafür muss auch wirklich alles passen. Das wird knapp“, sieht er es realistisch. Ansonsten wird der Baustart auf das Frühjahr 2025 verlegt. Durch die Holzmodulbauweise könnten die Kinder und Pädagoginnen ein Jahr später, im Frühjahr 2026, in das neue Kinder- und Familienhaus einziehen. VN-JUN

