Dieser Friedhof wird zeitgemäßer

Bis Allerheiligen soll der Friedhof in St. Gerold erweitert und zum Teil neugestaltet sein.
st. gerold Der Friedhof in St. Gerold ist etwas Besonderes. Hier sind alle Menschen nach ihrem Tod gleich. Es gibt keine Klassengesellschaft, keine sozialen Ungleichheiten. Auf den Tafeln an der Lehmmauer stehen nur Vor- und Zuname sowie Geburts- und Sterbejahr. Die Tafeln sind alle gleich groß, alle mit der gleichen Schrift versehen. Nun stößt der Friedhof bei der Propstei an seine Grenzen und muss erweitert sowie generalsaniert werden. Zurzeit laufen die Bauarbeiten. Zu Allerheiligen soll der Friedhof dann fertig gestaltet sein.

Gebaut werden zwei neue Lehmmauern, angefertigt von Martin Rauch aus Schlins, sodass circa 30 neue Urnengräber entstehen. Martin Rauch hat auch schon die bestehenden Lehmmauern in den 90er-Jahren errichtet und führt nun das Gesamtkonzept des Friedhofs mit dem Gedanken „ein Grabstein für alle“ mit den neuen Mauern aus Stampflehm fort. Auch das Kindergrab wird aufgewertet. Die singenden Engel aus Bronze, die die musizierende Botschaft „Lebe in Frieden“ vermitteln, wachen nach der Sanierung weiter am Kindergrab. „Pater Nathanael hat den strafenden Gott abgelehnt“, erklärt David Ganahl, Bereichsleiter bei der Propstei St. Gerold. David Ganahl erklärt die Philosophie, die hinter dem Friedhof steckt. „Jeder Mensch ist im Tod gleich.“ Das ist die Botschaft, die man mit den Lehmmauern ausdrücken möchte. „Es kann nicht sein, dass soziale Ungerechtigkeit über den Tod hinaus sichtbar bleibt“, ist David Ganahl der Meinung. Diese Einstellung war zur damaligen Zeit „unglaublich radikal“. Doch Pater Nathanael hat seine Ansicht kompromisslos auf dem Friedhof umgesetzt.

Charakter soll erhalten bleiben
Erst 2009 wurde eine Friedhofsordnung aufgestellt. „Der Friedhof hat eine einzigartige Gestaltung“, sagt David Ganahl. „Das Konzept wird nun weiterentwickelt, die Philosophie wird weitergelebt. Es geht darum, dass die Einzigartigkeit, der Charakter des Friedhofs erhalten bleibt.“ Der Friedhof wird nach der Erweiterung und Sanierung wieder einheitlich bepflanzt. „Das Einfache, Schlichte, Reduzierte, Kompromisslose beeindruckt die Leute“, so Ganahl.
Nur an Allerheiligen ist Grabschmuck erlaubt und bei der Beerdigung Kränze. Zwei zentrale Kerzenstellen sind auf dem Friedhof vorgesehen. Die Kerzenstellen sind nicht willkürlich gewählt, sondern so, dass das Licht zu jedem Grab hin leuchten kann und für jeden sichtbar ist. Auch wird sich der Kerzenständer auf Höhe des Herzens befinden, sodass man mit dem Verstorbenen eine engere Verbindung aufbauen kann. Zu guter Letzt bekommt der Friedhof zwei Sitzgelegenheiten zum Innehalten.

Friedens-Mahnmal
Statt des Kriegerdenkmals wird neben den zwei Urnenwänden ein Friedens-Mahnmal errichtet, das alle Opfer von Gewalt anspricht. „Das ist zeitgemäßer“, sagt David Ganahl. Jedoch wird nichts willkürlich umgesetzt. So hat sich David Ganahl zusammen mit Pater Christoph und Pater Martin lange Gedanken darum gemacht, was auf dem Mahnmal, ebenfalls aus Lehm und von Martin Rauch gestaltet, zu lesen sein soll. Schließlich einigten sie sich auf folgenden Spruch: „Jedem Menschen seine Würde – im Gedenken, in Worten, in Werken.“

Aufteilung der Kosten
Die Kosten in Höhe von rund 390.000 Euro trägt die Gemeinde mit Unterstützung des Landes Vorarlberg und der Pfarre. Verantwortlich für die Friedhofssanierung ist Gemeindevertreter Jürgen Katschitsch, der auch bei der Pfarre ist. „Jürgen Katschitsch hat dankenswerterweise das Projekt übernommen. Ich bin froh, dieses Projekt in guten Händen zu wissen“, so Bürgermeister Alwin Müller.
