Klimakleber legen Verkehr lahm: So reagieren Lkw-Fahrer und Landeshauptmann

VN / 06.09.2023 • 15:30 Uhr
Am Mittwoch haben sich Aktivisten auf die Straße geklebt. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Am Mittwoch haben sich Aktivisten auf die Straße geklebt. VN/Plesch

Pünktlich zum Start der Herbstmesse haben Aktivisten für mehr Klimaschutz protestiert.

Dornbirn Plötzlich steht der Verkehr still. Klimaprotest. Acht Aktivisten der „Letzten Generation“ haben sich am Mittwochmorgen – pünktlich zum Start der Herbstmesse – auf die Straße geklebt und damit die Autobahnabfahrt Dornbirn Süd sowie die Schweizer Straße blockiert. Die Polizei war aber schnell zur Stelle und leitete den Verkehr um.

„Ich bin heute hier, weil ich unfassbare Angst davor habe, was uns die Klimakatastrophe antut“, sagte Marina Hagen-Canaval (27), Sprecherin der Letzten Generation. „Wir hatten vor ein paar Tagen ein überflutetes Ried. In Tirol war Hochwasserwarnstufe rot. Ich habe einfach Angst, dass es das Haus meiner Eltern wegschwemmt oder vielleicht ist auch das Haus der Nachbarn das Erste.“ Die Regierung wisse das alles und handle trotzdem nicht. „Deswegen müssen wir protestieren und bewusst Regeln brechen, um auf dieses sehr viel größere Unrecht der Klimakatastrophe aufmerksam zu machen.“

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Forderung nach Tempo 100

Die Messe sei eine Veranstaltung der Verschwendung, erklärte Hagen-Canaval den Zeitpunkt der Aktion. „Es ist völlig absurd, mitten in der Klimakatastrophe ein solches Event zu veranstalten.“ Daran ändere auch die Sonderschau „Der Wald ruft!“ nichts. „Bäume pflanzen ist ein schönes Hobby und das empfehlen wir auch allen, die das Gefühl haben, dass es etwas bringt“, sagte sie. „Allerdings haben wir mit der Tempo-100-Einsparung so viel eingespart, wie 46 Millionen Bäume im Jahr einsparen würden.“ Es sollten also Bäume gepflanzt und die Geschwindigkeitsbegrenzung umgesetzt werden.

Fünf Aktivisten blockierten die Schweizer Straße.<span class="copyright"> VN/Plesch</span>
Fünf Aktivisten blockierten die Schweizer Straße. VN/Plesch
Drei setzten sich an der Autobahnabfahrt auf die Fahrbahn. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Drei setzten sich an der Autobahnabfahrt auf die Fahrbahn. VN/Plesch
Das nächste Krisengespräch soll in Innsbruck stattfinden. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Das nächste Krisengespräch soll in Innsbruck stattfinden. VN/Plesch

Gegen 10 Uhr klebten sechs der acht Aktivisten an der Kreuzung neben der A14 an zwei Stellen eine Hand auf den Asphalt. Einer pro Reihe klebte nicht, um gegebenenfalls eine Rettungsgasse freizumachen. Immerhin stand in dem Stau auch ein Einsatzfahrzeug des Roten Kreuzes. Denn in kurzer Zeit reihten sich die Fahrzeuge aneinander. Der Unmut wuchs vor allem bei den Lkw-Fahrern.

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Die vorderste Position der blockierten Fahrzeuge hatte Andreas Halbeisen (36) inne, Geschäftsführer der gleichnamigen Transportfirma. „Das ist einfach eine Frechheit, das kann nicht sein“, polterte er. Er sei schwer dafür, auf die Umwelt zu schauen. Immerhin werde er auch gezwungen, jährlich neue Lkw zu kaufen, die den Standards entsprechen.

Andreas Halbeisen stand mit seinem Laster in der ersten Staureihe. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Andreas Halbeisen stand mit seinem Laster in der ersten Staureihe. VN/Plesch
Schnell bildete sich ein Stau. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Schnell bildete sich ein Stau. VN/Plesch
Die Brummis mussten an der Engstelle aufwendig umdrehen und einen anderen Weg fahren. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Die Brummis mussten an der Engstelle aufwendig umdrehen und einen anderen Weg fahren. VN/Plesch
Die Klimakleber verhinderten das Weiterfahren der Lkw. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Die Klimakleber verhinderten das Weiterfahren der Lkw. VN/Plesch

Dass er aber in seiner täglichen Arbeit behindert wird, sieht Halbeisen nicht ein. „Ich bin unterwegs, weil wir in Dornbirn einen Kanal instand setzen und eine Straße bauen.“ Eine Arbeit also, die der Allgemeinheit zugutekommt. Wie den anderen Lkw-Fahrern blieb auch Halbeisen schließlich nichts anderes übrig, als seinen Brummi gekonnt, aber aufwendig, auf der engen Straße zu wenden und einen Umweg einzuschlagen.

BH löst Versammlung nicht auf

Nach etwa einer halben Stunde war der Stau aufgelöst. Die Lastwagen auf der Schweizer Straße hatten gedreht, und die Polizei leitete die Neuankömmlinge bereits weiter vorn um. Zudem wurde die Autobahnabfahrt gesperrt. Über den Mittelstreifen hatten die wartenden Fahrzeuge noch einen Ausweg gefunden. Aus Sicht der Polizei war damit alles unter Kontrolle und der Einsatz lief gut ab. „Es war kurzfristig, um kurz nach 10 Uhr, ein ordentliches Verkehrschaos, aber dank zahlreicher Polizeikräfte konnten wir die Situation sehr schnell lösen“, fasste Polizeisprecher Rainer Fitz zusammen.

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Claudia Feurstein von der BH Dornbirn im Gespräch mit den Aktivisten. <span class="copyright">VN/plesch</span>
Claudia Feurstein von der BH Dornbirn im Gespräch mit den Aktivisten. VN/plesch

Anschließend war es, als Versammlungsbehörde, Sache der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn. Polizeireferentin Claudia Feurstein machte sich selbst ein Bild von dem Protest und sprach mit den Aktivisten. Da die Verkehrsumleitungen funktionierten, sah die BH davon ab, diese nicht angemeldete Versammlung aufzulösen. Die Aktivisten wurden im wahrsten Sinne einfach im glühenden Sonnenschein kleben gelassen. Das teilte Feurstein den Klimaklebern um kurz nach 11.30 Uhr mit.

Nach rund zwei Stunden war der Protest beendet. Die Aktivisten lösten sich selbst von der Straße und gingen. „Wir verbuchen das als Erfolg, wir haben ein Zeichen gesetzt“, sagt Hagen-Canaval. Mit Anzeigen müssen die Protestierenden dennoch rechnen.

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) kommentierte die Aktion so: „Ich habe immer ein offenes Ohr für Klimaschutzanliegen, aber ich habe kein Verständnis für die Blockade von Straßen und für das Blockieren der Öffentlichkeit. Schon gar nicht am Tag der Messeeröffnung.“ Man solle den Einzelnen aber auch nicht die überragende Bedeutung zumessen.

Die Polizei nahm die Daten der Protestierenden auf. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Die Polizei nahm die Daten der Protestierenden auf. VN/Plesch
Klimaprotest kann anstrengend sein, eine Aktivistin gönnt sich ein Päuschen. <span class="copyright">VN/Plesch</span>
Klimaprotest kann anstrengend sein, eine Aktivistin gönnt sich ein Päuschen. VN/Plesch