Wenige Tage vor Schulbeginn fehlen immer noch zwölf Lehrkräfte

Bildungsdirektion berichtete im Pressefoyer über die angespannte Personalsituation.
Bregenz Die Lage ist kritisch: Am Montag ist Schulbeginn und immer noch stehen zwei Volksschulklassen ohne Klassenleitung da. Außerdem sind noch zwei Stellen an Mittelschulen sowie acht Stellen an Bundesschulen unbesetzt. Die Personalsituation bleibt die Hauptaufgabe der Verantwortlichen. Die Hoffnung schwindet, aber noch laufen Gespräche, um den Super-GAU zu vermeiden.
„Wir sind mit dieser Mangellage in einer brisanten Situation, aber ich gehe davon aus, dass wir die Talsohle noch nicht erreicht haben”, sagte Bildungsdirektor Heiko Richter am Dienstag im Pressefoyer. Aufgrund der Pensionierungswelle befürchtet er für nächstes oder übernächstes Jahr noch weniger Lehrkräfte.
357 neue Lehrkräfte
Die aktuelle Situation in Zahlen: Insgesamt starten am Montag 6679 Lehrpersonen in das neue Schuljahr. 4833 Lehrkräfte unterrichten an den Pflicht- und Berufsschulen des Landes, 1846 an den Bundesschulen. Davon sind insgesamt 357 neu im Dienst in Vorarlberg. 38 kommen aus anderen Bundesländern und 185 sind Quereinsteiger. Zudem führen 32 Pensionistinnen und Pensionisten ihren Dienst fort. Nicht ohne Nebengeräusche.

Denn die Rückkehrer müssen mit einem neuen Arbeitsvertrag beginnen und werden dementsprechend für das erste Dienstjahr vergütet. Damit sind sie nicht zufrieden. „Das verstehe ich, aber uns sind die Hände gebunden”, sagte Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink. Gespräche mit dem Bund laufen.
Die Stellenbesetzung an den Vorarlberger Pflichtschulen sei schon in den vergangenen Jahren jeweils ein Kraftakt gewesen. „Heuer hat sich diese Situation nochmals verschärft, da sich im Rahmen der neuen Erstausschreibung im Mai zu wenige Lehrpersonen für die offenen Stellen beworben haben”, erklärte Schöbi-Fink.
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Die Gründe für den Lehrkräftemangel seien vielschichtig. Schöbi-Fink und Richter führten beispielhaft den demografischen Wandel und die Pensionierungswelle an. Dazu komme ein hoher Anteil von 45 Prozent an Teilzeitbeschäftigten. Das liege aber auch daran, dass in Vorarlberg bereits viele Lehramtsstudierende und Quereinsteigende im Einsatz sind, die berufsbegleitend noch Kurse absolvieren müssen. Ein weiterer Punkt sei die geografische Lage. Die Schweiz, Liechtenstein und Deutschland hätten mittlerweile selbst einen Lehrermangel und würden Fachkräfte aus Vorarlberg abwerben. Zudem studieren weniger Menschen auf Lehramt, seitdem das Studium verlängert wurde.
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Über den Sommer war die Personalabteilung der Vorarlberger Bildungsdirektion also im Dauereinsatz, um weitere Lehrkräfte zu gewinnen. „Der Fachkräftemangel ist inzwischen überall spürbar. Im Wettbewerb um die besten Köpfe arbeitet das Land Vorarlberg mit aller Kraft daran, den Arbeitsplatz Schule zu stärken und offensiv für den Lehrberuf zu werben”, sagte Schöbi-Fink.
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Einzigartiges Modell
Neben den Gesprächen mit Pensionisten ging es auch darum, die Stundenzahl bestehender Lehrkräfte möglicherweise zu erhöhen. Dazu kommt das Rekrutierungsmodell mit der Projektstelle „Arbeitsplatz Schule”, dem das Bildungsministerium mittlerweile gefolgt ist.

Das beinhaltet zum Beispiel: Schüler der Oberstufe bekommen wieder die Möglichkeit, Unterrichtserfahrungen zu sammeln. Alle Maturaklassen werden besucht, um Werbung zu machen. Dazu kommt die Werbung im Rahmen der Landeskampagne „Bildung bringt’s”. Im Burgenland hatte das allerdings nur bedingt Erfolg.
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Insgesamt hat es eben nicht gereicht, um genug Lehrende zu gewinnen. Nur mit großer Mühe wurden überhaupt so viele Stellen besetzt. „Sonst wären wir ganz woanders”, sagte Schöbi-Fink. Dennoch musste die Bildungsdirektion in Absprache mit den Schulen harte Entscheidungen treffen. Um alle Pflichtfächer anbieten zu können, kommen Wahlfächer nun kürzer. Schulchor oder Theater AG wird es mancherorts nicht geben im neuen Schuljahr.
„Ich bin nie zufrieden, wenn wir nicht genug Lehrkräfte haben und nicht jede Klasse einen klassenführenden Lehrer hat”, stellte die Landesstatthalterin abschließend fest. Daher werde auch das ganze Jahr über weiter an der Rekrutierung gearbeitet.