Das konnte ich wirklich nicht ahnen
Ich weiß gerade nicht, ob ich über meine Tomaten schreiben soll, das Basilikumwunder von 2023 oder die weißen Turnschuhe von meinem Wiener Freund Krüger.
Krüger schaute bei mir am Land vorbei, Stadtmensch Krüger, der die ländliche Provinz, in der mein Hüsle steht, stets betritt wie eine Art Museum. Er findet es schön, wenn es grün ist um ihn herum, er macht viele Fotos mit seinem Handy. Aber es ist ihm lieber, wenn ihm die Natur nicht allzu nahe kommt oder ihn schmutzig macht oder ihn sticht, oder sonst etwas ihm will. Also, bevorzugt sitzt er auf meiner Veranda unterm Sonnenschirm und schaut in die saftige Aussicht, bewundert und verspeist meine heuer herrlichen Paradeiser mit der fantastischen Burrata und dem luxuriösen Olivenöl, das er mitgebracht hat und mit dem tollsten Basilikum, das mir je gelang.
Ich habe dem Krüger gesagt, er soll halt endlich mal gescheite Schuhe anziehen, wenn er aufs Land fährt.
Weil normalerweise ist es so. Ich kauf im Frühling im Supermarkt ein Töpfchen Basilikum, teile es in Viertel und pflanz es um in einen größeren Topf mit guter Kräutererde. Den stell ich raus auf die Veranda und noch in der selben Nacht kommen die Nacktschnecken und fressen alles auf. Aber heuer habe ich mich, bzw. das Basilikum gewappnet. Außen am Tontopf habe ich rundherum ein Schneckenband aus Kupfer geklebt, dann habe ich noch einen Kupferdraht darum gewickelt. Auch innen am Rand kam der Kupferdraht zum Einsatz und dann legte ich noch ein paar kurze Drahtstücke zwischen die Pflänzchen, denn Schnecken mögen bekanntlich kein Kupfer. Trotzdem habe ich zusätzlich noch ein langes Stück grobes Schmirgelpapier zu einem Berg gefaltet, der sich wie ein Burgwall innen im Topf rund um alle Pflänzchen erhebt. Und jetzt kann ich sagen: Schnecken sind glücklicherweise keine MacGyvers (wer sich an den noch erinnern kann), und deshalb ist mein Basilikum heuer ein Busch, der mir jede Woche zwei Gläser Pesto abwirft. Und meine tägliche Caprese veredelt, mein liebstes Sommeressen, das sich heuer morgens, mittags und abends ausgeht. Und dann bleiben immer noch kiloweise Tomaten übrig.
Was ich über die weißen Krüger-Turnschuhe erzählen wollte: sie sind es nicht mehr und werdens nicht wieder, weil der Krüger dann doch einmal mit mir und dem Hund den Morgenspaziergang mitgemacht hat. Was soll ich sagen, man geht da halt nicht immer auf Asphalt. Ein Stück muss man am Feld von meinem Nachbarn entlang gehen, und ich habe wirklich nicht ahnen können, dass der dort grad seinen Mist aufgebracht hat. Ich habe dem Krüger gesagt, er soll halt endlich mal gescheite Schuhe anziehen, wenn er aufs Land fährt, aber ich denke, er bleibt in Zukunft einfach wieder auf der Veranda und spürt die Natur von dort.
Doris Knecht
doris.knecht@vn.at
Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.
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