Vierte Generation übernimmt Gasthof Kreuz

Der Gasthof Kreuz in St. Gerold wird in vierter Generation weitergeführt. Auf Eugen Müller folgt Pierre Müller, der eine etwas andere gastronomische Philosophie verfolgt.
St. Gerold Der Gasthof Kreuz in St. Gerold wird nun in der vierten Generation geführt. Pierre Müller hat die Geschicke von seinem Vater Eugen Müller Anfang April übernommen und hat das Gasthaus seitdem gastronomisch weiterentwickelt.


Pierre Müller ist gelernter Koch und zaubert regionale und saisonale Gerichte auf den Teller. Dabei legt er viel Wert auf Selbstgemachtes. Er macht u. a. Nudeln, Eis und Pommes selbst. „Wir machen wirklich alles selbst“, sagt Pierre Müller. Das ist neu, im Gegensatz zu seinem Vater. „Da habe ich eine andere Vorgehensweise als er.“


Am Wochenende bietet er ein Wochenend-Menü, bestehend aus drei Gängen, an. Da kommt das auf den Teller, was das Große Walsertal hergibt. Zuletzt gab es als Hauptgericht hausgemachte Heidelbeernudeln. Die Heidelbeeren hat Lorena Gassner, Lebensgefährtin von Pierre Müller, auf der Gaßner Alpe, die Eugen Müller bewirtschaftet, gepflückt. Auch die Steinpilze, mit denen Pierre eine Steinpilzsoße kreiert hat, stammen aus dem Wald von St. Gerold. Zu den Heidelbeernudeln gab es ein Schweinefilet im Kräutermantel. Hier arbeitet Pierre u. a. mit der Metzgerei Borg zusammen.


Generell hat er viele regionale Lieferanten, mit denen er zusammenarbeitet. Von der Gärtnerei Metzler bezieht er das Gemüse, das Fleisch kommt von heimischen Metzgern wie vom Schloßhof in Thüringerberg. Den Käse bekommt Pierre von seinem Vater Eugen von der Gaßner Alpe. Damit machte er die Vorspeise – einen gebackenen Käseknödel im Specksud. Auch der Nachtisch war regional: eine Holunderbeeren-Topfencreme mit Riebel und selbstgemachtem Feigeneis. Bekannt ist der Gasthof aber auch für seinen Zwiebelrostbraten und den Kaiserschmarren.


„Am 1. April 1957 hat mein Vater Josef den Gasthof von seinen Brüdern gekauft“, erinnert sich Eugen Müller zurück. Davor (1951) hat das Gasthaus sein Großvater, Rudolf Müller, geführt. Nun ging es dieses Jahr in die vierte Generation der Familie Müller über. Der Gasthof Kreuz besteht schon seit 1871, erbaut von Christian Schäfer, und sah zur damaligen Zeit noch ein bisschen anders aus. Da gab es noch einen angrenzenden Stall, in dem man die Tiere selbst geschlachtet hat. „Ein Stall am Gasthaus war früher üblich“, weiß Eugen Müller. Zur damaligen Zeit konnten die Menschen von der Gastwirtschaft allein nicht leben. Der Tourismus hielt erst 1957 Einzug im Großen Walsertal.


Pierre Müller kann auf viel Erfahrung zurückblicken. Seine Lehre als Koch hat er in der Propstei St. Gerold gemacht. „Es war von Anfang an klar, dass ich das Gasthaus übernehmen werde“, sagt der 29-Jährige. Nach seiner Lehre hat er in anderen Restaurants Erfahrungen gesammelt, unter anderem war er im Restaurant Franzoi in Ludesch tätig.


Unterstützung bekommt Pierre Müller von seiner Mutter Manuela, die ihm in der Küche hilft. Eugen Müller stößt am Abend dazu und Lorena Gassner ist im Service tätig. Zudem hilft momentan noch eine Praktikantin in der Küche aus. „Personell sind wir momentan gut aufgestellt, aber das ist nur meiner Familie zu verdanken. Mama und Papa unterstützen mich, sonst würde es gar nicht gehen. Sie helfen mir jeden Tag in der Küche“, sagt Pierre. Als Kind hat Pierre auch schon ein bisschen in der Gastwirtschaft mitgeholfen, jedoch hatte er es „nie streng gehabt“. Anfang März 2022 ist er dann in den Familienbetrieb komplett eingestiegen.


Bekannt ist der Gasthof Kreuz, der auch eine Pension mit neun Zimmern ist, über die Walsergrenze hinaus. Die Familie Müller hat sogar Stammkunden aus Belgien. „Ich bin schwer erleichtert, dass das Gasthaus Kreuz weitergeführt wird. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich“, freut sich auch Bürgermeister Alwin Müller über den Generationenwechsel. „Das wäre nicht schön gewesen, wenn es im Dorf kein Gasthaus mehr geben würde. Ich bin froh, dass Pierre das Gasthaus in vierter Generation weiterführen wird.“ VN-JUN



