Unterwegs mit Bergsportranger Sebastian Wit

VN / 25.08.2023 • 15:20 Uhr
Bergsportranger Sebastian Wit ist mit seinem E-Bike im Montafon unterwegs. <span class="copyright">Bilder: VN/JUN</span>
Bergsportranger Sebastian Wit ist mit seinem E-Bike im Montafon unterwegs. Bilder: VN/JUN

Sebastian Wit ist Bergsportranger bei Montafon Tourismus. Für die Initiative „Naturverträglicher Bergsport im Montafon“ ist er mit seinem E-Mountainbike in den Bergen unterwegs.

Silbertal Was für viele nach Urlaub klingt, ist für Sebastian Wit Berufsalltag. Der Silbertaler, der ursprünglich aus Sachsen kommt, fährt mit seinem E-Mountainbike seit Ende Juni durch die Berge und achtet darauf, dass sich Bergsportler korrekt in den Bergen verhalten, zum Beispiel keinen Müll achtlos wegwerfen oder auf den Wegen bleiben.

Hier hat der Eigentümer ein Fahrverbotsschild am Baum angebracht, damit die Biker den Wanderweg nicht hinunterfahren.
Hier hat der Eigentümer ein Fahrverbotsschild am Baum angebracht, damit die Biker den Wanderweg nicht hinunterfahren.

Die Initiative „Naturverträglicher Bergsport im Montafon“ stammt ursprünglich aus dem Winter, als man mit Lenkungsmaßnahmen die Tourengeher auf die Wildruhezonen hinweisen und Spannungsfelder zwischen Natur und Bergsport entschärfen wollte. Was im Winter das Tourengehen ist, ist im Sommer unter anderem das E-Mountainbiken in den Bergen. „Hier treffen verschiedene Interessengruppen aufeinander“, weiß Sebastian Wit. Ziel ist es, nicht alles verbieten zu wollen, sondern gemeinsam Lösungen zu finden.

Sebastian Wit fotografiert jeden Wegweiser ab und katalogisiert die Schilder mithilfe einer App.
Sebastian Wit fotografiert jeden Wegweiser ab und katalogisiert die Schilder mithilfe einer App.

Es gibt zwar ausgewiesene Mountainbikerouten wie die rund um den Itonskopf, doch es gibt auch Fahrverbote für Mountainbikes, denn gerade im Herbst müssen Wildruhezonen beachtet werden. Auch wird in der Zeit gejagt, weshalb Biker gerade am Bartholomäberg mit Einschränkungen rechnen müssen. „Im Herbst muss man den Wildwechsel beachten. Dann sind Feierabendrunden problematisch, da man so das Wild aufschrecken kann“, erklärt Sebastian Wit. Gerade in der Dämmerung und nachts wechselt das Wild gerne vom Klostertal ins Silbertal.

Bei solchen Kreuzungen schaut Sebastian Wit darauf, ob sie richtig beschildert sind oder ob fehlende Wegweiser die Biker in die Irre führen könnten. Hier steht zum Beispiel erst hinten rechts ein Verbotsschild, das durch die Bäume verdeckt ist.
Bei solchen Kreuzungen schaut Sebastian Wit darauf, ob sie richtig beschildert sind oder ob fehlende Wegweiser die Biker in die Irre führen könnten. Hier steht zum Beispiel erst hinten rechts ein Verbotsschild, das durch die Bäume verdeckt ist.
Hier ist ein rotes Hinweisschild für Biker angebracht.
Hier ist ein rotes Hinweisschild für Biker angebracht.

Hinweistafeln mit Jagdsperren sollen Biker sensibilisieren, und Bike-and-Hike-Ständer weisen darauf hin, dass man nur bis hierher mit dem Rad fahren darf und den Rest zu Fuß gehen muss, erklärt Sebastian Wit. Er ist keine Alpinpolizei, darf also nicht strafen, sondern nur aufklären. „Ich bin nicht auf Eskalation aus, sondern handle deeskalierend. Ich habe auch noch nie jemanden getroffen, der gesagt hat: ‚Was willst du? Verschwinde!‘“

Auch hier fehlt eine entsprechende Beschilderung.
Auch hier fehlt eine entsprechende Beschilderung.

Der Bergsportbegeisterte hat es sich erst einmal zur Aufgabe gemacht, allen Älplern und Hüttenwirten einen Besuch abzustatten und sich vorzustellen. „Die Älpler und Hüttenwirte möchte ich mehr unterstützen.“ Dabei möchte Sebastian Wit, dass er wirklich in jedem Gebiet unterwegs ist. „Auch mit der Jagd und dem Forst stehe ich im regen Austausch.“

Auch hier wurde ein Verbotsschild angebracht (siehe im Hintergrund). Dabei wäre es Sebastian lieber, wenn mehr Hinweisschilder und weniger Verbotsschilder aufgestellt werden würden.
Auch hier wurde ein Verbotsschild angebracht (siehe im Hintergrund). Dabei wäre es Sebastian lieber, wenn mehr Hinweisschilder und weniger Verbotsschilder aufgestellt werden würden.
Hier fehlt ein roter Pfeil.
Hier fehlt ein roter Pfeil.

Auf seinen Streifzügen durch die Berge bleibt er bei jedem Wegweiser stehen und fotografiert diesen ab. Dann lädt er das Foto in die App Epicollect5 hoch und notiert sich Standort, Makel, Verbesserungsvorschläge. So werden alle Wegweiser im Montafon katalogisiert. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die Bike-Hinweisschilder. Sind sie überall dort angebracht, wo sie wichtig wären, beispielsweise an Kreuzungen? Weisen sie in die richtige Richtung oder in die Irre? „Hier fehlt der rote Pfeil“, bemerkt Sebastian auf dem Weg vom Kristberg zum Sonnenkopf. Den Hinweis auf die fehlende Beschilderung gibt Sebastian dann an die Gemeinde weiter, die wiederum die Schilder beim Land bestellt.

Sebastian notiert sich alles in einer entsprechenden App.
Sebastian notiert sich alles in einer entsprechenden App.
Auch diese Kreuzung wird in der App aufgenommen.
Auch diese Kreuzung wird in der App aufgenommen.

Dann kommt Sebastian zu einer weiteren Abzweigung. Ein Verbotsschild am Baum weist darauf hin, dass hier Radfahrer unerwünscht sind. „Bei diesem Wanderweg wissen wir, dass er ganz gerne von Mountainbikern als Trail genutzt wird, auch wenn es nicht erlaubt ist“, weiß der Silbertaler. „Das Verbotsschild wird von einem der Eigentümer angebracht worden sein.“ Sebastian, der selbst gerne mit dem Enduro-Bike unterwegs ist, fände es gut, wenn aufgrund der Initiative „Naturverträglicher Bergsport“ weitere Strecken geöffnet werden – mit entsprechenden Lenkungsmaßnahmen. „Wenn man unter dem Gesichtspunkt der Naturverträglichkeit Lösungen findet, wäre das optimal und würde eventuell in anderen Gebieten zu weniger Konflikten führen“, meint Sebastian.

Manchmal muss sogar Sebastian Wit auf der Karte schauen, wo die offizielle Route verläuft.
Manchmal muss sogar Sebastian Wit auf der Karte schauen, wo die offizielle Route verläuft.

Ein paar Meter weiter kommt er am Hochmoo Wildried vorbei. Hier achtet er darauf, dass niemand Pflanzen ausreißt oder im hochsensiblen Moor spazieren geht. „Das Moor wächst nur einen Millimeter pro Jahr, da kann man sich vorstellen, wie lange es braucht, bis es sich von von Menschen gemachten Schäden erholt“, informiert Sebastian.

Das Hochmoor Wildried ist sensibel und darf nicht betreten werden.
Das Hochmoor Wildried ist sensibel und darf nicht betreten werden.
Sebastian Wit sucht das Gespräch mit den Älplern.
Sebastian Wit sucht das Gespräch mit den Älplern.

Sebastian fährt mit seinem E-Bike weiter an der Wasserstubenalpe vorbei – natürlich nicht, ohne dort anzuhalten und die Älpler zu fragen, wie es ihnen geht. Bis zum Sonnenkopf strampelt er hoch. Dort stellt er sein Fahrrad ab, denn auf das Muttjöchle geht es zu Fuß weiter. Auch hier kontrolliert er, ob die Schilder die Biker richtig lenken oder ob sie falsch angebracht sind, denn auf das Muttjöchle ist das Radfahren verboten.

Die Berge sind sein Zuhause.
Die Berge sind sein Zuhause.
Auf dem Muttjöchle. 40 Leute hat Sebastian Wit bis hier her gezählt.
Auf dem Muttjöchle. 40 Leute hat Sebastian Wit bis hier her gezählt.

Am Ende einer Tour schreibt Sebastian einen Bericht, was ihm alles aufgefallen ist. Dabei notiert er Zeit, Gebiet, Hütten, angesprochene Personen, To-dos, Vorkommnisse und sonstiges. Gespräche gibt er stichwortartig wieder. Auch schätzt er ab, wie viele Biker und Wanderer er auf den Wegen getroffen hat. „Auf dem Weg zum Gipfel habe ich circa 40 Leute getroffen“, sagt Sebastian auf dem Muttjöchle. Ihm ist auch aufgefallen, dass es auf dem Weg zum Gipfel zu viele Trampelpfade gibt. Man müsse den bestehenden Weg ausbessern, damit Wanderer nicht noch mehr nach links und rechts ausweichen.

Hier ist das Schild falsch angebracht, denn von der Seite, auf der das Schild steht, kann gar kein Radfahrer kommen, da es dort verboten ist, Rad zu fahren. Das Schild müsste in die andere Richtung zeigen.
Hier ist das Schild falsch angebracht, denn von der Seite, auf der das Schild steht, kann gar kein Radfahrer kommen, da es dort verboten ist, Rad zu fahren. Das Schild müsste in die andere Richtung zeigen.

Wenn jemand Hilfe benötigt, ist Sebastian direkt zur Stelle und leistet falls nötig Erste Hilfe. Ein Erste-Hilfe-Set hat er immer im Rucksack, genauso wie ein Reifenflickset, falls jemand einen Platten haben sollte. Sieht er Müll, nimmt er ihn mit.

Hier hinunter geht der offizielle Radweg. Das Schild ist jedoch falsch platziert.
Hier hinunter geht der offizielle Radweg. Das Schild ist jedoch falsch platziert.

Sebastian Wit wird bis Mitte Oktober für Montafon Tourismus bzw. die Initiative „Naturverträglicher Bergsport im Montafon“ mit seinem Bike in den Bergen unterwegs sein. Natürlich fände es Sebastian ideal, wenn sein Job eine Ganzjahresstelle wäre. „Aber da muss man erst mal sehen, was die Zukunft so bringt. Ein erster Schritt in die richtige Richtung wurde auf jeden Fall getan“, so der Sachse. Er fände es toll, wenn das Land selbst die Notwendigkeit von Rangern in ganz Vorarlberg erkennen und solche Projekte unterstützen würde. „Da ist das Montafon mit seinen Bergsportrangern Vorreiter.“

Hier bemerkt Sebastian, dass es zum Muttjöchle hoch zu viele Trampelpfade gibt.
Hier bemerkt Sebastian, dass es zum Muttjöchle hoch zu viele Trampelpfade gibt.

Ähnliche Projekte gibt es im Kleinwalsertal und im Naturpark Nagelfluhkette. Unterstützt wird die Initiative „Naturverträglicher Bergsport im Montafon“ unter anderem durch die Jägerschaft Vorarlbergs, den Stand Montafon und Montafon Tourismus.

Der Bergsportranger wünscht sich nur einen Hauptweg und nicht links und rechts davon etliche Trampelpfade.
Der Bergsportranger wünscht sich nur einen Hauptweg und nicht links und rechts davon etliche Trampelpfade.

Im Winter konzentriert sich Sebastian Wit als Snowboardlehrer auf den Wintersport. Der 34-Jährige lebt für die Berge, weshalb es nicht verwundert, dass er auch ausgebildeter Wanderführer ist.

Am Sonnenkopf.
Am Sonnenkopf.
Die Untere Wasserstubenalpe hat  für Radfahrer extra ein Umleitungsschild aufgestellt, damit sie nicht mit zu hohem Tempo am Haus vorbeifahren, denn bei Bewirtung und spielenden Kindern kann das schnell gefährlich werden.
Die Untere Wasserstubenalpe hat für Radfahrer extra ein Umleitungsschild aufgestellt, damit sie nicht mit zu hohem Tempo am Haus vorbeifahren, denn bei Bewirtung und spielenden Kindern kann das schnell gefährlich werden.