Roboter als Assistent im OP-Saal

Gynäkologie am LKH Feldkirch verfügt seit zwei Jahren über einen solchen Helfer.
Feldkirch Seit rund zwei Jahren verfügt die Gynäkologie am LKH Feldkirch über einen „Senhance“-OP-Roboter. Zwei Mal in der Woche steht das Gerät einen Tag lang im Dienst, dann überwiegend bei Eingriffen an der Gebärmutter und den Eierstöcken. „Bei annähernd 200 gynäkologischen Operationen hat uns der Roboter bislang zuverlässig entlastet. Das hat Vorteile für Personal und Patientinnen gleichermaßen“, bilanziert Abteilungsleiter Primar Burghard Abendstein zufrieden.

„In einer durchschnittlichen Woche führen wir vier roboterunterstützte Eingriffe durch. An diesen OP-Tagen ist speziell geschultes Personal eingeteilt“, erklärt der Primar. „Feldkirch als Endometriose-Zentrum zählt in diesem Bereich entsprechend viele Einsätze, der Roboter unterstützt uns aber auch bei laparoskopischen Eingriffen an den Eierstöcken, bei Blasensenkungen und vielen anderen gynäkologischen Leiden. Wir waren von Beginn an bemüht, unseren Roboterassistenten möglichst breit einzusetzen.“ Ausnahmen bilden Eingriffe bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen sowie medizinischen Gegebenheiten, die von vornherein eine offene Operation verlangen.

Kleine Einschnitte, winzige Kameras
Ursprünglich für das US-amerikanische Militär entwickelt, kommen OP-Robotersysteme seit einigen Jahrzehnten auch in Krankenhäusern zum Einsatz. Medizinroboter unterstützen die Operateure vor allem bei minimalinvasiven und laparoskopischen Eingriffen, bei denen mit möglichst kleinen Einschnitten und winzigen Kameras gearbeitet wird. „Wir Gynäkologen sind traditionell Laparoskopiker“, bekräftigt Primar Burghard Abendstein: „Mittlerweile führen wir 90 Prozent aller Baucheingriffe mit der Operationsmethode Laparoskopie durch.“
Das „Senhance“-Modell verwendet Instrumente, die praktisch gleich aussehen wie jene, die bei der herkömmlichen Laparoskopie zum Einsatz kommen. „Das heißt, der Umstieg auf den roboterassistierten Eingriff ist für erfahrene Operateure gut zu bewältigen“, sagt Abendstein. Zudem ermöglicht es der Roboter, auch in schwer zugänglichen Bereichen präzise zu arbeiten. Im Vergleich zur herkömmlichen Laparoskopie kommen die Operateure beim roboterassistierten Eingriff in der Regel auch mit einem geringeren Innendruck auf den Bauchraum aus. Es wird weniger CO2 benötigt, mit dem bei der Laparoskopie durch Aufblasen Platz zum Operieren geschaffen werden muss: Der Roboter benötigt weniger Raum und damit auch weniger Druck. Ein Vorteil, der den Patientinnen vor allem im Nachhinein zugutekommt: „Die Bauchdecke muss weniger gedehnt werden, was entsprechend weniger bzw. erträglichere Beschwerden nach der Operation zur Folge hat.“

Körperliche Entlastung
Auch für den Operateur bringt der OP-Roboter körperliche Entlastung: „Ergonomisch ist der Senhance für die Ärztinnen und Ärzte eine riesige Erleichterung und Verbesserung“, betont der Primar und erklärt: „Bei Operationen stehen wir meist in einer recht verdrehten und dadurch auch sehr anstrengenden Position zur Patientin, und das stundenlang und voll konzentriert über einer Arbeit, die millimetergenau sein muss. Ist der OP-Roboter im Einsatz, kann ich sitzend vor einem 3D-Bildschirm arbeiten, und ich brauche meinen Körper nicht unnatürlich zu verdrehen, um einen Überblick zu haben. Mittlerweile untermauern auch Studien, dass die Operateure weniger schnell ermüden, wenn der Roboter körperliche Entlastung bringt.“

Bei aller Erleichterung ist dem Primar wichtig zu betonen: Der Mensch ist und bleibt der wichtigste Faktor: „Der Roboter macht ohne Anweisung des Menschen gar nichts. Ein bisschen muss ich immer schmunzeln, wenn Patientinnen ihren Angehörigen erzählen, dass ein Roboter sie operiert. So ist es natürlich nicht ganz, denn der Roboter unterstützt nur und macht nichts ohne menschlichen Befehl!“
Gut geschult
Um diese Befehle erteilen zu können, müssen alle an der OP Beteiligten sehr gut geschult sein. Diese Schulung ist vor allem zu Beginn der Ausbildung relativ aufwendig. Zunächst durchläuft das Team ein Trockentraining im Labor. Die ersten paar Eingriffe in Feldkirch erfolgten dann im Beisein zweier sogenannter „Proctors“, die dem Team sowohl für Fragen im medizinischen, als auch im technisch-pflegerischen Bereich zur Seite standen. „Das waren fachkundige Kollegen aus einer Klinik in Deutschland, die bereits große Erfahrung mit dem Robotersystem hatten und diese an uns weitergeben konnten.“ Die internationalen Kontakte bestehen bis heute.
