Alpinist zur Unglückstour am Eiger: „Eine Route nur für ein handverlesenes Klientel“

Der erfahrene Vorarlberger Bergsteiger Wilfried Amann (60) kennt die berüchtigten Verhältnisse am Eiger, wo ein junges Paar aus dem Bregenzerwald vermisst wird.
Schwarzach Hypo-Vorstandsmitglied Wilfried Amann (60) ist nicht nur Banker, sondern auch ein erfahrener Alpinist. Mit 17 Jahren war er der jüngste Bergsteiger, der die Eiger Nordwand bestieg. Damals gemeinsam mit dem Profi-Alpinisten Beat Kammerlander. Zweimal bezwang er die schwierige Wand.

Amann beging dieselbe Route bereits dreimal. Er kennt ihre Risiken. „Es ist eine anspruchsvolle Route und nur für ein handverlesenes Klientel geeignet. Da muss man ein ausgewachsener Bergsteiger sein“, sagt er im Gespräch mit den VN und: „Es ist schon eine Bastelei, bis man den Gletscher erreicht.“

Ammann kennt auch die Route, auf der ein Paar aus Vorarlberg am Montag vergangener Woche vermutlich verunglückt ist. Die beiden jungen Leute waren auf dem Zustieg zur Mittellegihütte (Gemeinde Grindelwald) unterwegs, als es zu einem Eisabbruch mit Lawinenniedergang kam. Seither werden die Vorarlberger vermisst. Nur Teile ihrer Ausrüstungsgegenstände konnten bislang aufgefunden werden.
Ungesicherte Passagen
Die Tour zur Mittellegihütte führt teilweise über ungesicherte Passagen durch ein felsiges Gebiet, beherrscht von großen Gletscherbewegungen. Das macht die Route, die laut dem Vorarlberger Bergfex recht häufig begangen wird, nicht ungefährlich.

Gefahr herrscht vor allem bei den derzeitigen Wetterbedingungen. „Bei den aktuell hohen Temperaturen ist hier besondere Vorsicht geboten“, warnt Amann. „Wenn es in den Nächten nicht so richtig abkühlt, dann kommt von der Eiger Seite schnell mal das Zeug runter.“
Mit „Zeug“ meint der 60-Jährige die berüchtigten Eisabbrüche, die lawinenartig herunterstürzen. Und die vermutlich dem Paar aus dem Bregenzerwald zum Verhängnis wurden.
Weitere Opfer
In den Schweizer Alpen sind in den vergangenen Tagen mehrere Bergsteiger von abbrechenden Eismassen mitgerissen worden. So befand sich erst am vergangenen Sonntag kurz nach Mittag eine Dreierseilschaft auf dem Abstieg vom Allalinhorn oberhalb von Saas-Fee im Kanton Wallis, als sie von einem Gletscherabbruch überrascht wurde. Die Eismassen trafen einen Teil der Gruppe. Ein komplett verschütteter Mann verstarb noch vor Ort. Die zwei weiteren Mitglieder der Seilschaft verletzten sich nur leicht.