Mobiles Palliativteam für schwerstkranke Kinder und Jugendliche startet

VN / 21.08.2023 • 15:59 Uhr
<p class="caption">Primaria Edda Haberlandt: Ihre Abteilung fungiert als Drehscheibe des Mobilen Palliativteams für Kinder und Jugendliche. <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"><span class="copyright"> </span></span><span class="marker"><span class="copyright">KH Dornbirn/Lisa Mathis</span></span></p>

Primaria Edda Haberlandt: Ihre Abteilung fungiert als Drehscheibe des Mobilen Palliativteams für Kinder und Jugendliche.  KH Dornbirn/Lisa Mathis

Ab 1. September 2023 kann das kostenlose Angebot in Anspruch genommen werden

Dornbirn Der vom Bund 2021 beschlossene Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung wird in Vorarlberg konkret. Am 1. September 2023 nimmt das Mobile Kinderpalliativteam seine Arbeit auf. Es besteht aus Pflegefachkräften, Kinderfachärztinnen sowie Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen. Insgesamt umfasst das Team sechs Personen zuzüglich einer administrativen Stelle. Das Angebot kann bereits ab Diagnose ergänzend zur bisherigen Versorgung angefordert werden. Es ist kostenlos, die Finanzierung erfolgt durch Land, Bund und ÖGK. Als Drehscheibe fungiert das Krankenhaus Dornbirn, das jetzt auch dem seit 2017 zwischen den Landeskrankenhäusern Feldkirch und Bregenz bestehenden Kompetenzverbund für Kinder- und Jugendmedizin angehört. Weitere Partner sind connexia und Hospiz Vorarlberg. Ganz oben steht das Ziel einer bestmöglichen und ganzheitlichen Betreuung der erkrankten Kinder und deren Familien. Das Spektrum reicht von der medizinischen Behandlung über die Pflege bis hin zu psychologischem Beistand, Unterstützung durch Sozialarbeit sowie Sterbe- und Trauerbegleitung.

80 bis 100 Kinder betroffen

In Vorarlberg leiden 80 bis 120 Kinder an lebensbedrohlichen Erkrankungen, die häufig jahrelang dauern und nicht immer ein gutes Ende nehmen. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher bezeichnete das Mobile Kinderpalliativteam als wichtige Bereicherung, aber auch als Signal in Bezug auf die Zusammenarbeit der Spitäler im Land. „Rund 62 Prozent der Patienten stammen aus anderen Gemeinden“, unterstrich Bürgermeisterin Andrea Kaufmann die Bedeutung des städtischen Krankenhauses, die mit dem Beitritt zum Kompetenzverbund Pädiatrie zusätzlich gestärkt wurde. Abteilungsleiterin Primaria Edda Haberlandt sah die Aufnahme als „Bestätigung der guten Arbeit der vergangenen acht Jahre“.

Edda Haberlandt ist nicht nur Kinderfachärztin, sondern auch Chefärztin am KH Dornbirn.
Edda Haberlandt ist nicht nur Kinderfachärztin, sondern auch Chefärztin am KH Dornbirn.

Wohnortnahe Betreuung

Im Kompetenzverbund werden einheitliche Behandlungsstandards festgelegt und wer, wo, wie und wie lange behandelt wird. Das LKH Bregenz etwa ist auf kindliche Stoffwechselstörungen spezialisiert, Dornbirn auf kindliche Krebserkrankungen und das LKH Feldkirch auf Frühgeborene und herzkranke Kinder. Durch diese Spezialisierungen gebe es kaum noch Unterschiede zur Kinderklinik in Innsbruck, betonte Primar Burkhard Simma vom LKH Feldkirch das Anliegen einer wohnortnahen Betreuung. Verbunden mit der engen Zusammenarbeit ist außerdem die Hoffnung, einen Wettbewerbsvorteil bei der Rekrutierung neuer Mitarbeitender zu haben, wie Primar Christian Huemer vom LKH Bregenz hervorhob. Im Kompetenzverbund arbeiten 25 Fachärzte sowie 23 Assistenzärzte. Das erleichtert die Erstellung von Dienstmodellen und Vertretungen.

Die Leistungen des Mobilen Kinderpalliativteams Vorarlberg

Medizin

 Behandlung von Schmerzen und belastenden Symptomen

 Therapiezielplanung und Erstellen von Notfallplänen für Krisensituationen

 Fachliche Unterstützung der betreuenden Kinder- und JugendfachärztInnen im Krankenhaus und niedergelassenen Bereich in Form von interdisziplinären Fallbesprechungen

Pflege

 Planung, Umsetzung und Evaluierung der palliativen Pflegemaßnahmen (z.B. Schmerz- und Symptomkontrolle, parenterale Ernährung, ethische Entscheidungen, vorausschauende Betreuungsplanung) im häuslichen Umfeld

 Unterstützung in der Krankheitsbewältigung, gemeinsame Festlegung der Therapieziele und eines ganzheitlichen Betreuungskonzepts

 Beratung, Schulung und Anleitung von pflegenden Angehörigen und Betreuungspersonen

 Unterstützung beim Übergang zwischen Krankenhaus und mobiler Betreuung, Organisation der häuslichen Versorgung sowie Beschaffung von Heil- und Hilfsmitteln

 Unterstützung bei der Verabschiedung von Verstorbenen und in der Trauerbegleitung

Psychologie

 Psychologische Unterstützung und Betreuung erkrankter Kinder und Jugendlicher, sowie Begleitung von Angehörigen und Bezugspersonen, zu Hause im gewohnten und vertrauten Umfeld

 Entlastung durch Gespräche und vertrauensvolle Begegnungen unter absoluter Verschwiegenheit ab der Zeit der Diagnosestellung, solange es von den Familien benötigt und gewünscht wird

 Spielerische Auseinandersetzung mit den Gefühlen und Sorgen, aber auch Abwechslung und Freude im Alltag

 Trauerbegleitung und Unterstützung im Umgang mit Krankheit, Tod und krankheitsbezogenen Verlusterfahrungen

Sozialarbeit

 Unterstützung bei finanziellen und behördlichen Angelegenheiten (z.B. finanzielle Entlastungen, Entlastungsangebote zur Erholung, nötige Umbauten beim Wohnen, …)

 Unterstützung bei der Betreuung zu Hause oder extern (z.B. Hilfsangebote, Netzwerke organisieren, Unterstützung bei der Erfüllung von Wünschen des Kindes, …)

 Unterstützung bei Herausforderungen im Alltag (z.B. entlastende Gespräche, Vermittlung von professionellen Hilfsangeboten, Unterstützungen zur bestmöglichsten Entlastung beim Zusammenleben