Kunst und Begegnung im Walsertal

Vernissagenfahrt zu fünf Ausstellungseröffnungen an drei Orten im Rahmen des diesjährigen Walserherbsts.
Thüringerberg Eine Premiere in der vielseitigen Programmgestaltung des Walserherbsts fand am vergangenen Freitag statt: Erstmals gab es für die Besucher eine Vernissagenfahrt mit dem Bus zu fünf Ausstellungseröffnungen an drei Orten des Großen Walsertals, nämlich von Thüringerberg nach Blons, dann nach St. Gerold und zum Schluss wieder zurück nach Thüringerberg.

„Wir probieren das zum ersten Mal aus und hoffen, dass die Idee gut ankommt“, betonte Dietmar Nigsch, der gemeinsam mit Eugen Fulterer das Festival leitet und kuratiert. Aufgrund der vielen Straßenbaustellen im Großen Walsertal musste ein kleinerer Bus als vorgesehen gewählt werden. Die Idee dahinter, den Individualverkehr einzuschränken und die kunstinteressierten Gäste gemeinsam zu transportieren, sollte einerseits den Auswirkungen der Klimakrise entgegengestellt werden, aber auch dem sozialen Aspekt, der Begegnung mit anderen Menschen, entsprechen.

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Räume neu denken
Der Auftakt der Veranstaltung erfolgte um 16 Uhr mit der Vernissage der Ausstellung „Mensch und Motiv“ des Fotokünstlers Nikolaus Walter im Alten Konsum in Thüringerberg.

„Für mich hat dieser Ort eine besondere Bedeutung, da ich hier vor langer Zeit Filialleiter war und Lehrlinge ausgebildet habe. Nun ist der Konsum ein Ausstellungsort. Räumen neue Bestimmungen zuzuführen, zählt zu unseren Aufgaben beim Walserherbst“, führte Dietmar Nigsch weiter aus.

Sieglinde Müller-Eberhart, die die Laudatio auf Nikolaus Walter hielt, erinnerte sich: „Ich habe als Kind hier eingekauft, das ist mittlerweile über fünfzig Jahre her. Beim Betreten des nunmehr als Ausstellungsraum konzipierten Raumes habe ich mir gedacht, wie klein dieser doch wirkt. Es ist aber genau die richtige Größe für die Ausstellung von Nikolaus.“ Sieglinde Müller-Eberhart gründete gemeinsam mit Dietmar Nigsch die Formatreihe Walserherbst, die biennal stattfindet und heuer das zehnjährige Jubiläum feiert.

Sie bezeichnete Nikolaus Walter als Freund des Walsertals, der mit seinen Fotografien die landschaftliche Schönheit des Walsertals und der Kultivierungsprozesse durch seine Bewohner sichtbar gemacht habe: „Beim ersten Walserherbst hat er mit ‚Steiles Erbe‘ ebenfalls eine Ausstellung gestaltet, die später in Buchform erschienen ist. Mit der aktuellen Ausstellung anlässlich der Jubiläumsveranstaltung schließt sich der Kreis.“

Das großartige Werk von Nikolaus Walter sei von Neugierde und Menschlichkeit geprägt: „Er ist viel in der Welt herumgekommen und hat uns durch seine Fotografien den Blick auf das Andere nähergebracht. Seine Fotoserien sind fast Sozialreportagen, durch ihn wurde das Unsichtbare sichtbar gemacht wie etwa die Rolle von Fabriksarbeitern, Gastarbeitern oder pflegenden Angehörigen.“

Die Fotoserien seien aber auch immer von Ironie, Situationskomik und Witz begleitet, wie eben auch in der aktuellen Ausstellung. Die Bilder in „Mensch und Motiv“ erzählen von Fotografierenden und ihren Objekten der Begierde.

Vor Ort wurde neben der kompletten Werkschau von Nikolaus Walter auch sein neues Fotobuch „Gegen die Betten gerichtet“ präsentiert. Seit 1980 fotografiert er Schlafzimmer, meistens ohne Menschen darin. „Die Menschen vertrauen Nikolaus. Wer würde sonst jemand Fremdes in sein Schlafzimmer lassen? Seine Bilder zeigen die Menschen in Würde und Schönheit, auf eine sehr feinsinnige Art. Er hat die Fähigkeit zu schauen, ohne zu werten“, betonte Sieglinde Müller-Eberhart am Schluss ihrer Rede.

Nach einer kleinen Pause, bei der die Gäste mit Wasser, Wein, Brot und Äpfeln bewirtet wurden, spazierten die Besucher in die alte Feuerwehrgarage, wo die Vernissage zu „Wöörtr luagan – Bildr schwäätzn“ von Heidi Comploj stattfand.
Mit ihren 31 Bildern thematisiert die Künstlerin die Mittel der menschlichen Kommunikation wie Farbe, Schrift oder Formen.

Im Musikraum Blons stellen Silke Eggl und Daniel Spoerri zu „Bild am Sonntag“ aus, im Jenny Haus, das sich ebenfalls in Blons befindet, ist die Rauminstallation „bettfederleicht tief unten im Schnee“ von Sarah Schneider zu sehen, und in der Scheune Lehen in St. Gerold findet eine Gruppenausstellung mit dem Titel „Zwischen Schwerkraft und Leichtigkeit“ statt.


Die jeweiligen Ausstellungen sind noch bis zum Ende des Walserherbsts am 10. September zu sehen. BI