Der Bodensee, seine Tücken und was es für Stand-up-Paddler zu beachten gilt

VN / 21.08.2023 • 15:45 Uhr
Der Bodensee, seine Tücken und was es für Stand-up-Paddler zu beachten gilt
Auf dem See kann es in kurzer Zeit stürmisch werden. Dann wird’s nicht nur für Stand-up-Paddler gefährlich, weiß Bernhard Aigner von der Wasserpolizei. VN/Paulitsch, Mayer, Canva

Der See birgt viele Gefahren, die vor allem von Freizeitsportlern immer wieder unterschätzt werden.

Lochau Der Bodensee hat seine Tücken. Das hat sich vergangene Woche einmal mehr gezeigt. Am Donnerstag hat sich ein junger Mann mit einem Stand-up-Paddle-Board raus auf den See begeben. Er ist nicht zurückgekehrt. Die Suche nach ihm wurde mittlerweile eingestellt. Ein Einzelfall ist das nicht.

Erst vor gut einem Jahr ertrank ein Stand-up-Paddler im Harder Binnenbecken. Und auch in diesem Jahr gab es schon einen tragischen Vorfall. Am 11. Juni sprang ein 14-jähriger Schweizer von einem Segelboot vor Altenrhein ins Wasser. Seitdem gilt er als vermisst.

Über 100 Menschen vermisst

Die Liste von Menschen, die seit 1947 im Bodensee als vermisst gelten, ist mittlerweile über 100 Namen lang. Zudem gibt es eine gemeinsame Statistik der Bodenseeanrainerstaaten über die im Gewässer tödlich verunglückten Menschen. Demnach sterben pro Jahr durchschnittlich sieben bis zwölf Menschen durch Ertrinken. Doch nicht alle Todesopfer können geborgen werden. Die Leichen kommen nicht an die Oberfläche, weil der Bodensee zum Teil mehr als 250 Meter tief ist und in der dortigen Kälte der Verwesungsprozess, der zum Aufsteigen der Leichen führt, nur sehr langsam abläuft.

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Oft ist bei solchen Fällen auch die Besatzung der Wasserpolizei Hard mit ihrem Boot “V 20” im Einsatz. Kommandant Bernhard Aigner kennt den Bodensee. Prinzipiell würde er ihn nicht als ein gefährliches Gewässer einstufen, doch Aigner weiß, wo die Tücken lauern. “Das große Thema beim Bodensee hat einen Namen: Sturmgefahr. Das Gewässer kann in diesem Augenblick noch ruhig sein und schon im nächsten Moment durch ein heftiges Gewitter hohe Wellen schlagen.”

Bernhard Aigner kennt die Gefahren auf dem Bodensee.<span class="copyright"> VN/Sohm</span>
Bernhard Aigner kennt die Gefahren auf dem Bodensee. VN/Sohm

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Das wurde offenbar auch dem 24-Jährigen vergangene Woche zum Verhängnis. “Wir hätten bei diesen Bedingungen keine Boards mehr an Hobbysportler verliehen – viel zu riskant“, sagt beispielsweise Andreas Portenschlager (36). Er ist SUP-Verleiher am Kaiserstrand, SUP-Instruktor und -WM-Teilnehmer. Vielen Hobbysportlern fehle dafür aber das Bewusstsein. Am Donnerstag herrschte der seltene Ostwind über dem Pfänder vor. Ostwind bedeutet, dass die Wassersportler nicht zum Ufer, sondern auf den See getrieben werden. “Der kann sehr stark werden”, sagt Portenschlager. Das habe man auch am Wellengang gesehen.

Andreas Portenschlager, hier mit Kathrin Klug, ist Experte für das Stand-up-Paddeln. <span class="copyright">VN/Sams</span>
Andreas Portenschlager, hier mit Kathrin Klug, ist Experte für das Stand-up-Paddeln. VN/Sams

Windstärke sechs habe am Donnerstag geherrscht, als die jungen Männer auf dem See unterwegs waren. Die Starkwindwarnung müsste also aktiv gewesen sein. Sie wird mit 40 orangefarbigen Blitzen pro Minute an den Sturmleuchten signalisiert. Ab Windstärke acht ist Sturmwarnung. Dann blitzt das Signal 90 Mal pro Minute auf.

Der Bodensee, seine Tücken und was es für Stand-up-Paddler zu beachten gilt
Alles zum Sturmwarndienst am Bodensee: Sturmwarndienst Bodensee – BSVb.

Die Sturmwarnleuchten an den Ufern rund um das internationale „Schwäbische Meer“ seien lediglich eine Art Serviceleistung, aber keine Garantie für eine rechtzeitige Vorwarnung, erklärt Bernhard Aigner. Wenn das Wetter plötzlich umschlägt, würden die Bedingungen auf dem See unberechenbar. Schlag auf Schlag.

Mit dem Stand-up-Paddle-Board besteht dennoch Hoffnung auf Rettung. Vorausgesetzt, man hat die nötigen Sicherheitsmaßnahmen beachtet. Zum einen die Leash, also ein Band, das einen Fuß mit dem Brett verbindet. Und zum anderen eine Schwimmweste. Damit bleibe man schließlich an der Oberfläche. Wenn man nichts von beidem dabeihat und in Not gerät, sollte man sich flach auf das Board legen, rät Portenschlager.

“In dem tragischen Fall wurde das Material privat geliehen, ein Verleihverbot hätte also gar nicht gegriffen”, sagt Alexander Schwärzler, Geschäftsführer vom Surf Max in Hard. Professionelle Verleiher würden schließlich auf Gefahren hinweisen und bei solchen Bedingungen auch keine Boards mehr herausgeben. Er findet, es liege im Ermessen eines jeden Erwachsenen, ob er eine Schwimmweste tragen will oder nicht. “Eine Pflicht ist hier der falsche Weg.”

Regeln für Stand-up-Paddler

Wer mit dem Stand-up-Paddle-Board auf dem Bodensee unterwegs ist, muss sich dennoch an strikte Regeln halten: Jedes Brett muss klar gekennzeichnet sein – mit Namen, Adresse und am besten einer Telefonnummer. “Dann können wir schnell abklären, wem das Board gehört und ob es einen Unfall gegeben hat”, erklärt Aigner.

Stand-up-Paddler sollten zudem beachten, dass sie Segelbooten, Berufsfischern, Kursschiffen und Einsatzfahrzeugen ausweichen müssen, gegenüber Motorbooten haben sie in der Regel Vorfahrt. Ab 300 Meter Entfernung zum Ufer gilt eine Schwimmwestenpflicht, Naturschutzgebiete dürfen nicht befahren werden und es gilt ein Nachtfahrverbot.

Ein weiteres Thema: Seit der Coronapandemie ist die Nachfrage nach Wassersport auf dem Bodensee gestiegen. Heißt: Immer mehr unerfahrene Wassersportler sind unterwegs. Ein SUP und auch ein kleines Motorboot sind heute schnell gemietet. Groß auskennen muss man sich nicht. Ein weiteres Indiz für das gestiegene Interesse sind die teils sehr langen Wartelisten für Stellplätze bei vielen Häfen. Rund 60.000 Boote sind am Bodensee gemeldet, 6000 in Vorarlberg. Aigner ist daher froh, dass nicht auch Jetskis zugelassen sind.

Mithilfe von Wellenbojen wird in einem Forschungsprojekt gemessen, wie stark die Wellen sind, die von Booten verursacht werden. <span class="copyright">Silas Stein/dpa</span>
Mithilfe von Wellenbojen wird in einem Forschungsprojekt gemessen, wie stark die Wellen sind, die von Booten verursacht werden. Silas Stein/dpa

Um genau festzustellen, wie viele Boote der Bodensee verträgt und welche Folgen der Wassersport für die Umwelt hat, läuft seit knapp einem Jahr ein Forschungsprojekt der Universität Konstanz. Bis Ende 2024 soll es abgeschlossen sein. Die Ergebnisse sind offen und auch, was daraus abgeleitet wird.

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