Ländliche Idylle mit Seesicht

VN / 19.08.2023 • 05:30 Uhr

In Lochau erhebt sich am Fuße des Hausberges Pfänder ein viergeschossiger Monolith mit Blick über den See.

Text: Klaus Feldkircher | Fotos: Albrecht Imanuel Schnabel

Lochau Fährt man am See von Bregenz kommend Richtung Lochau, kommt wohl niemand umhin, den herrlichen Rundblick über die Bregenzer Bucht zu genießen. Passiert man dann den Ortskern, vorbei an der Kirche in Richtung Pfänder, zeigt der See, was er alles kann. Verlässt man nun die Pfänderstraße unterhalb der Seniorenresidenz Jesuheim, befindet man sich nach wenigen Metern in einem Spannungsfeld von landwirtschaftlich genutzten Flächen, gesäumt von Gebäuden unterschiedlichsten Charakters.

Die Kleinwohnanlage fügt sich in ein landschaftliches Gesamtbild, das geprägt ist von ländlichen Strukturen und teilweise verdichtetem Wohnbau.

Eines dieser Gebäude befindet sich an der Adresse Unterhalden 4, das wie ein Monolith aus dem Boden gewachsen scheint. Der Baukörper sticht durch seine asymmetrische siebeneckige Form ins Auge.

Ländliche Idylle mit Seesicht
Der Monolith ist über den zentralen Eingang im Erdgeschoss begehbar. Im Untergeschoß befindet sich die Tiefgarage.

Baumeister und Planer der Kleinwohnanlage ist Jürgen Haller in Zusammenarbeit mit seinem Freund Peter Plattner. Er hat mit seinem Team dieses Gebäude in Lochau im Jahre 2017 umgesetzt. Nach dem Motto „Wald trifft Welt“ entwickelt Haller in seinem Büro für Architektur und Baumanagement im Tempel 74 in Mellau ständig neue Ideen und Wohnkonzepte für Gebäude in unterschiedlichsten Lagen.

Ländliche Idylle mit Seesicht
Die Terrassen sind eingeschnitten und ermöglichen während des gesamten Jahres unvergleichliche Sonnenuntergänge.

Seine Philosophie vom Bauen beschreibt er so: „Wir setzen auf die starke Verbindung von Architektur und Handwerk. Diese prägt nicht nur den Bregenzerwald, sondern die Vorarlberger Baukultur insgesamt.“ Wo es möglich ist, verwendet er heimische Ressourcen. Ebenso hoch wie seine Messlatte an die Gestaltung ist sein Anspruch an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

Ländliche Idylle mit Seesicht
Die Außenhaut des Hauses am Hang besteht aus gestocktem Beton mit asymmetrisch angeordneten Fenstern.

Angesprochen auf das besondere Erscheinungsbild seines Projekts in Lochau meint er: „Die Form des Hauses ist der Größe und der Dimension des Grundstückes, das wir optimal ausgenutzt haben, geschuldet.“ Was beim Betrachten weiters ins Auge sticht, ist die folgerichtige Asymmetrie der dreifach verglasten Fenster. „Richtung See sind die Öffnungen groß und bodenbündig, nach hinten werden sie kleiner“, so Haller. Und auch hier gilt: „Wir haben für jede Einheit die besonderen (Aus-)Blicke eingefangen.“

Ländliche Idylle mit Seesicht
Beim Ausblick aus den raumhohen Fenstern verschmilzt die ländliche Struktur mit der sie um-
gebenden Architektur.

Der abgekantete, viergeschossige Monolith wurde in Stahlbeton mit gestockter Oberfläche errichtet. Seine oberirdischen Grundrisse wachsen aus dem in die Topografie geschobenen Untergeschoss, das als Sockel Platz für Garagen und für die untergeordnete Nutzung bietet. Erschlossen wird das Gebäude über einen zentralen Eingangsbereich. In der Mitte des Gebäudes befindet sich der Liftturm, flankiert vom Stiegenhaus.

Ländliche Idylle mit Seesicht
5Die Wohnungen sind zum Teil mit Weißtanne vertäfert. Die Gestaltung folgt dem Gesamtkonzept von Jürgen Haller.

Die unregelmäßig positionierten Verglasungen bieten den Bewohnern sowohl Einlass als auch Ausblick über die idyllische Landschaft und den sich ständig wandelnden Bodensee. Das Gelände forderte hangseitig eine Stützmauer, die den zusätzlichen Vorteil einer Straßenverbreiterung mit sich brachte. Pro Geschoss wurden je zwei Wohnungen mit ca. 105 m2 konzipiert, wobei die Wohnungen in den beiden oberen Geschossen zusammengelegt wurden.

In der Wohnung im 2. Obergeschoß wurde das Gesamtkonzept von Jürgen Haller auch im Innenbereich umgesetzt, was das Wohnerlebnis besonders stimmig und wie aus einem Guss macht. „Wir haben in diesem Stockwerk die gesamte Einrichtung mitgeplant und gestaltet.“ Im Penthouse wurde u. a. eine Sauna adaptiert und eingebaut. Der Großteil dieser Wohnung ist mit Weißtanne vertäfert.

Ländliche Idylle mit Seesicht
Die Küche wurde mit weißen Plattenwerkstoffen ausgeführt, um eine atmosphärische Lockerheit zu erzielen.

Die Decke, in Weiß gehalten, ist glatt gespachtelt. Die Küche wurde mit weißen Plattenwerkstoffen ausgeführt, um eine atmosphärische Lockerheit zu erzielen. Beheizt wird das gesamte Gebäude mit Erdwärme, verbunden mit einer Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach. Die aussichtsorientierten Loggien und der eingeschnittene Eingangsbereich sind mit Weißtannenholz ausgekleidet und gestatten den geschützten Aufenthalt im Freien.

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Die geradlinig reduzierte Formensprache der Außenhaut setzt sich dann auch im Inneren fort. Die Härte der rauen Betonfassade wird durch die mit Weißtannenholz ausgekleideten Einschnitte und Rücksprünge entschärft. Die Innenräume wirken durch die Auskleidung mit schlichtem Weißtannentäfer weniger hart und vermitteln Geborgenheit.

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Die Wohnbereiche sind aussichtsorientiert zum See positioniert und großzügig und offen gestaltet, die Grundrisse der jeweiligen Wohneinheiten sind klar strukturiert und gegliedert. „Das teilweise sehr große Raumvolumen wurde unter Ausnutzung der Hanglage ohne jegliche Geländeveränderung im Hang versteckt“, erklärt Jürgen Haller sein Konzept. „Die klare, monolithische Form soll ebenso wie die funktionale Hülle auf die Bedingungen des Ortes und auf die Anforderungen der Bewohner reagieren. Und weiter: „Die Arbeit kann so über den Moment, die Mode oder den Zeitgeist hinaus Bestand haben.“

daten und fakten

Objekt: Wohnanlage Unterhalden 4, Lochau

Bauherr: Wohnungseigentümergemeinschaft Unterhalden 4

Architektur: Baumeister Jürgen Haller, Mellau

www.juergenhaller.at

Statik: Mader Flatz, Bregenz, www.mfs-zt.at

Fachplanung: Bauphysik: Günther Meusburger,

Schwarzenberg

Planung: 06/2014–07/2015

Ausführung: 08/2015–12/2017

Grundstück: 1090 m²

Nutzfläche: 678 m² (zzgl. Keller)

Bauweise: Gebäudehülle gestrahlter Beton mit Innendämmung und Holzvertäferung Weißtanne; Decken Stahlbeton glatt gespachtelt und gestrichen; Zwischenwände in Trockenbau; teilweise mit Holzvertäferung; Loggien und Einschnitte mit Weißtannentäfer; Passivhausfenster Holz; Heizung und Kühlung mit Wärmepumpe und Erdsonde

Ausführung: Baumeister: Schnetzer, Lochau; Zimmerer: Huber, Mellau; Fenster: Schwarzmann, Schoppernau; Innenausbau: Formart, Lauterach; Böden: PÖZ, Hohenems; Heizung/Sanitär: Steurer, Andelsbuch; Elektro: Schneider, Schwarzenberg; Dachdecker: Schwendinger, Wolfurt

Energiekennwert: 29 kWh/m² im Jahr (HWB)

Eine Baukulturgeschichte von vai Vorarlberger Architektur Institut.

Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter Architektur vor Ort auf www.v-a-i.at. Mit freundlicher Unterstützung von der Bundeskammer der ZiviltechnikerInnen

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