Idyllische Grenzerfahrung

Im Allgäuer Leiblachtal finden Radler reizvolle Bedingungen vor.
Lindau Im Allgäu lasse es sich auch schön und gut radeln, wurde mir in letzter Zeit immer wieder einmal zugeflüstert. Na, dann auf ins Allgäu! Als “Teststrecke” habe ich mir die Leiblachtalradrunde ausgesucht. Leicht und für alle machbar und landschaftlich sehr reizvoll, was das Fehlen von Sehenswürdigkeiten vergessen macht. Grüne Wiesen und Wälder, weitläufige Obstplantagen, da und dort der Bodensee in Sichtweite und natürlich die Leiblach an der Seite, die in Schleifen gemächlich dahinmäandert: Das sind die lieblichen Ingredienzen dieser Fahrradtour.


Ruhe pur als Begleitung
In allen Beschreibungen wird als Startpunkt der Europaplatz in Lindau angegeben, womit der große Kreisel vor der Seebrücke zur Insel gemeint ist. Das lohnt sich derzeit aber nicht, weil eine riesige Baustelle das Fortkommen auf der Lade- und Eichwaldstraße stark behindert. Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen werden durch enge Umleitungen gelotst, wobei der Hinweis “Radfahrer bitte absteigen” kaum Beachtung findet. Im Stadtteil Zech queren wir Bahn und Bregenzer Straße und biegen dort in den mit dem Logo der Leiblachtalrunde gut ausgeschilderten Weg ein. Es geht zuerst noch durch Wohngebiet, dann hinaus aus Lindau und über die Autobahn. Danach eröffnet sich dem Radfahrer eine wunderbare ländliche Idylle. Ruhe pur begleitet uns. Rechts und links der Straße finden sich verstreut Bauernhöfe und Einfamilienhäuser. Deshalb fahren auf der Radstrecke auch Autos, allerdings nicht allzu viele. Im Herbst, wenn die Apfelernte ansteht, dürfte das möglicherweise ein bisschen anders sein.


Durch Wald und Flur geht es nach Hergensweiler. Vorher passieren wir noch die geschichtsträchtige Diezlinger Brücke. Während der Pandemie war selbst dieser kleine Grenzübergang nach Vorarlberg abgeriegelt wie Fort Knox. An heißen Tagen lohnt sich ein Abstecher hinüber zur Anlage des Kneippvereins Hörbranz, um Füße, Hände oder das Mütchen zu kühlen. Bis Hergensweiler, wo es eine hübsche Kirche und ein Heimatmuseum gibt, sind einzelne Steigungen zu bewältigen. Dafür geht es anschließend fast nur noch bergab. Dieser Teil der Route ist ein aussichtsreicher mit bestem Blick auf den Bodensee.

Früher Fischweiher, jetzt Biotop
In Schlachters müssen wir ein Stück auf der Hauptstraße bleiben, ehe uns links ein Waldweg aufnimmt. Er führt am Schlachtener Weiher vorbei, einem kleinen See, der früher ein Fischweiher war und jetzt ein Biotop ist. An Weißensberg und Motzach vorbei fahren wir nach Lindau. Ich mühe mich durch die Baustelle mit dem Ziel, am Kaiserstrand eine Kaffeepause einzulegen. Ein Platzregen, der mich dastehen lässt wie ein begossener Pudel, verhindert das. Schön war es trotzdem.




