Tierschützer entsetzt: Skandalhof stand schon monatelang unter Beobachtung

VN / 11.08.2023 • 14:43 Uhr
Tierschützer entsetzt: Skandalhof stand schon monatelang unter Beobachtung
Dicht gedrängt und mit langen Klauen sind die Tiere im Stall untergebracht. VGT

Selbst mehrere Verbesserungsaufträge haben die Situation noch nicht entspannt.

Bregenz Skandalhof oder alles gar nicht so schlimm? Nachdem der Verein gegen Tierfabriken (VGT) diese Woche einen landwirtschaftlichen Hof im Bezirk Bregenz angezeigt hatte, ebben die Diskussionen nicht ab. Die Maßnahmen der Bezirkshauptmannschaft Bregenz sind den Tierschützern nicht genug.

“Der VGT weist die seitens der BH geäußerten Beschwichtigungen zum zuletzt aufgedeckten Rinderbetrieb im Bezirk Bregenz vehement zurück und stellt die allgemeinen Abläufe von Kontrollen infrage”, heißt es in einer Stellungnahme. Die BH sage selbst, dass es in den vergangenen Monaten immer wieder Kontrollen gegeben habe – dem VGT liegen zudem Informationen von Privatpersonen vor, die den Betrieb in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gemeldet hatten.

Am Mittwoch hatte der VGT Bilder von dem Hof veröffentlicht. Darauf zu sehen: Dutzende Rinder stehen dicht gedrängt in ihrem Stall, der Boden ist völlig verdreckt und mit Kot bedeckt. Manche Tiere haben sehr lange Klauen, eines ist an den Hörnern verletzt.

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BH spricht von Einzelfall

“Vorweg ist festzustellen, dass es sich hier um einen besonderen Einzelfall landwirtschaftlicher Tierhaltung handelt”, hieß es von der BH Bregenz. “Seitens der Tierschutzbehörde wurden im Interesse des Tierschutzes und Tierwohls, aber auch der betroffenen Landwirtschaft, bereits bisher die erforderlichen Maßnahmen in die Wege geleitet, um eine rasche Situationsverbesserung zu erreichen.”

Dicht gedrängt stehen die Rinder in dem Stall. <span class="copyright">VGT</span>
Dicht gedrängt stehen die Rinder in dem Stall. VGT

Sprich: Die BH hatte bereits in den vergangenen Monaten, also vor der Anzeige des VGT, Maßnahmen verhängt. Grund waren Meldungen aus der Nachbarschaft. Im Rahmen amtstierärztlicher Betriebskontrollen und aufgrund der vorgefundenen Situation erließ die BH jeweils sogenannte Verbesserungsaufträge gegenüber dem Tierhalter. Diese wurden anschließend überprüft. “Dabei gab es auch ein entsprechendes Strafverfahren, das abgeschlossen ist.”

Die letzte Betriebskontrolle vor der VGT-Anzeige hatte laut BH am 31. Juli stattgefunden. Also zu einer ähnlichen Zeit als auch die veröffentlichten Aufnahmen aus dem Stall entstanden. Erneut wurden Mängel festgestellt und Verbesserungen beauftragt. Als am Mittwoch die Anzeige öffentlich wurde, machten sich die Amtstierärzte direkt wieder auf den Weg zum Hof.

Keine schweren Verstöße festgestellt

Sie stellten fest: Die Haltung, Betreuung und Hygiene der Tiere sei in einzelnen Bereichen verbesserungswürdig, zum Beispiel bei der Klauenpflege. Nicht zu beanstanden waren Liegeflächen und Futtereinrichtungen. Zudem sei bei den Tieren keine Mangelernährung feststellbar. Insgesamt liegen also keine schwerwiegenden Verstöße gegen das Tierschutzrecht vor, die eine behördliche Tierabnahme erforderlich machen würden. Der Betrieb bleibe aber weiterhin unter Beobachtung.

Mängel in der Klauenpflege beanstandete die BH Bregenz. <span class="copyright">VGT</span>
Mängel in der Klauenpflege beanstandete die BH Bregenz. VGT

“Wenn ein Skandal-Stall nach der Anzeige und Öffentlichmachung auf einmal “sauberer” ist als vorher, dann ist das keine Schuld-Befreiung”, schimpfen die Tierschützer. “Wer seine Tiere erst versorgt, wenn sprichwörtlich “der Hut brennt”, der hat kein Lob verdient.”

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Der VGT zweifelt an den Maßnahmen der Landwirte und an der Handhabung der BH. “Klauen wachsen nicht über Nacht, Ställe verschmutzen derartig auch nicht innerhalb kurzer Zeit. Da dürfte schon eine längere Phase der Vernachlässigung vorliegen.” Einmal mehr prangern die Tierschützer an, dass die aktuellen Kontrollen nicht ausreichen würden.

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