Der nächste Einzelfall? Vorarlberg und seine Skandalhöfe

Erneut haben Tierschützer Missstände an einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgedeckt.
Schwarzach Es ist der nächste Tierskandal: In Wolfurt sollen hunderte Rinder unter unwürdigen Verhältnissen gehalten worden sein. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hat Anzeige erstattet. Die zuständige Bezirkshauptmannschaft Bregenz reagierte bereits. Das Schlimme: Es ist nicht der erste Fall, den die Tierschützer in diesem Jahr aufgedeckt haben.
Bereits im April hatte der VGT auf die missliche Lage von zehn Rindern aufmerksam gemacht. Die verwahrlosten Tiere lebten in ihrem eigenen Kot und kletterten über Müllberge. Das Veterinäramt zog die Rinder damals ein, die daraufhin auf einen anderen Hof kamen. Viel zu spät, kritisierten Tierschützer. Der Hof im Bezirk Feldkirch soll nämlich bereits vorher negativ aufgefallen sein.
Krasser Sonderfall
Von einem Einzelfall, einem krassen Sonderfall, sprach Landesveterinär Norbert Greber im Frühjahr. Keinen Handlungsbedarf, die grundsätzlichen Strukturen zu ändern, sah Feldkirchs Bezirkshauptmann Herbert Burtscher. Vielmehr mahnte er dazu, die bestehenden Handhabungen nachzuschärfen. „Wir haben intern diskutiert und ein, zwei Themen mit den Amtstierärztinnen besprochen“, verriet er.
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Tierschützern ist das nicht genug. „Meiner Meinung nach ist es stark zu kritisieren, dass die Behörden in diesem Fall trotz sichtbaren Verstößen nicht umgehend gehandelt und die Tiere gerettet haben“, schimpfte Sandra Pfister vom VGT damals. Sie sprach gar von Systemversagen.

Für sie ist klar: „Ich bin überzeugt, es gibt mehr solcher Fälle.“ Die neuerliche Aufdeckung scheint ihr recht zu geben. Obendrein war im Mai ein weiterer Fall bekannt geworden. Diesmal ging es um Schweine, die auf einem Kotberg mit nur wenig Tageslicht gehalten wurden. Der zuständige Landwirt hatte seine Fehler aber schnell eingesehen und behoben.

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„Grundsätzlich wird von der BH flächendeckend kontrolliert und das funktioniert auch“, sagt Rainer Honsig-Erlenburg, Abteilungsleiter bei der Bezirkshauptmannschaft Bregenz. Wenn Mängel festgestellt werden, bekommen die Tierhalter den Auftrag, diese zu beheben. Das werde dann erneut überprüft.
Kritik am System
Sandra Pfister gibt sich damit nicht zufrieden. Sie fordert, dass die Behörden ihre Strukturen und Abläufe in Sachen Kontrollen überarbeiten. „Offensichtlich werden auch mehr Kontrollorgane benötigt.“ Zudem sollte es mehr Unterstützung für überforderte Landwirte geben und Möglichkeiten für einen Ausstieg aus dem Tierbetrieb.
Einen weiteren Vorschlag hatte der frühere Amtstierarzt und Landesveterinär Erik Schmid ins Spiel gebracht. „Wir müssen ein System finden, um überforderte Tierhalter aus dem Verkehr zu ziehen“, sagte er den VN. Eine einfache Lösung wäre aus Schmids Sicht ein „Tierschutz-TÜV“: Denn jeder, der mit Tieren Geld verdienen will, braucht eine Bewilligung – außer Landwirte. Dabei seien sie das Paradebeispiel gewerblicher Tierhaltung.

Und wie könnte das aussehen? Zeitlich befristete Bewilligungen der gewerblichen Tierhaltung auch für die Landwirtschaft. „Dies würde eine Beweislastumkehr mit sich bringen“, betonte Schmid den Vorteil. Nicht die Behörde muss die Unfähigkeit zur Tierhaltung nachweisen, sondern der gewerbliche Tierhalter seine Eignung. Und Bewilligungen können präventiv entzogen werden, bevor das Tier zu Schaden kommt.