Vorarlberg im Visier: Umweltdachverband prangert Politikversagen an

VN / 08.08.2023 • 17:15 Uhr
<strong>Vorarlberg im Visier: Umweltdachverband prangert Politikversagen an</strong>
Kritik am Flächenverbrauch: Umweltdachverband wirft Politikversagen im Bodenschutz auf Bundes- und Landesebene auf. CANVA/VN

„Stopp dem Flächenfraß”: Der Umweltdachverband fordert bundesweit „Netto Null” bis 2030 sowie finanzielle Anreize für Gemeinden.

Feldkirch Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung von Grund und Boden steht im Mittelpunkt einer dringenden Forderung des Umweltdachverbands (UWD). Anlässlich seiner Bundesländer-Tournee zum 50. Jubiläum richtet der Verband besonderes Augenmerk auf den Brennpunkt – Vorarlberg – und das bisherige Versagen der Politik in Bezug auf effizienten Bodenschutz. Die zunehmende Klimaerwärmung erfordere einen grundlegenden Wertewandel im Umgang mit der essenziellen Ressource.

„Boden ist zentrale Grundlage unserer Ernährungsversorgung, Lebensraum für Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und Menschen, wertvoller Wasser- und einer der wichtigsten CO₂-Speicher. Ohne Erhalt und vor allem Wiederherstellung gesunder, humusreicher Böden ist auch das Erreichen unserer Klimaziele ausgeschlossen”, warnt Franz Maier, der Präsident des Umweltdachverbands. Tatsächlich gehen 24 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen auf degradierte oder zerstörte Böden und Ökosysteme zurück.

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Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands: 24 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen gehen auf degradierte oder zerstörte Böden und Ökosysteme zurück. VN/Hartmann

Der Umweltdachverband drängt darauf, dass das Netto-Null-Ziel bis 2030 verbindlich verankert wird. Das bedeutet, dass Flächenverbrauch nur dann erlaubt sein soll, wenn gleichzeitig gleiche Flächen wieder renaturiert oder rückgebaut werden. Diese Forderung soll im Rahmen der laufenden Finanzausgleichsverhandlungen umgesetzt werden. Nur rechtliche Verbindlichkeit könne den Flächenfraß stoppen.

Klimawandel erfordert Handeln: Umweltdachverband betont die Bedeutung von nachhaltiger Nutzung und Erhaltung von Grund und Boden. <span class="copyright">VN/HARTMANN</span>
Klimawandel erfordert Handeln: Umweltdachverband betont die Bedeutung von nachhaltiger Nutzung und Erhaltung von Grund und Boden. VN/HARTMANN

Der Fokus liegt auch auf der Umsetzung des Bodenschutzprotokolls der Alpenkonvention, das unter anderem darauf abzielt, die Belastungen der alpinen Ökosysteme zu reduzieren und Erosion sowie Bodenversiegelung einzudämmen. Hildegard Breiner, Obfrau des Naturschutzbundes Vorarlberg, betont, dass die Erhaltung von Mooren und Feuchtgebieten nicht nur für den Boden-, sondern auch für den Klimaschutz von entscheidender Bedeutung sei: „Das kürzlich wiederentdeckte Moorkataster aus dem Jahr 1911 zeigt, dass in Vorarlberg große Teile des Rheintals von Lauterach bis Koblach als Niedermoore ausgewiesen waren. Laut Artikel 9 des Bodenschutzprotokolls sind auch Moore und Feuchtgebiete zu erhalten.”

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Hildegard Breiner, Obfrau des Naturschutzbundes Vorarlberg: Laut Artikel 9 des Bodenschutzprotokolls sind auch Moore und Feuchtgebiete zu erhalten. VN/HARTMANN

Die alarmierende Geschwindigkeit des Flächenverbrauchs in Österreich sei ein weiteres drängendes Problem. „Jeden Tag muss eine Fläche von mehr als 11 Hektar fruchtbaren Bodens für Verkehr, Wirtschaft und Wohnraum Platz machen. Unser Land verbaut sich damit zunehmend seine Zukunft”, zeigt Günther Ladstätter, Vize-Obmann des Naturschutzbundes Vorarlberg, das Problem auf.

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Günther Ladstätter, Vize-Obmann des Naturschutzbundes Vorarlberg: Jeden Tag muss eine Fläche von mehr als 11 Hektar fruchtbaren Bodens Platz machen. Unser Land verbaut sich damit zunehmend seine Zukunft.

Er hinterfragt auch die Notwendigkeit von Großinfrastrukturprojekten wie der Bodenseeschnellstraße S18 (die zudem Natura-2000-Gebiete beeinträchtigen würde) und fordert eine verstärkte Investition in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. „Wir müssen alles daransetzen, den Boden nicht unter unseren Füßen zu verlieren”, ist sich Ladstätter sicher.

Den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren, ist auch oberstes Gebot von Kerstin Riedmann. Die Geschäftsführerin des Vereins „Bodenfreiheit – Verein zur Erhaltung von Freiräumen” setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt dafür ein, Boden für kommende Generationen freizuhalten und das Bewusstsein für die Lebensgrundlage Boden in der Bevölkerung und bei politischen Entscheidungs-trägern zu stärken.

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Kerstin Riedmann, Geschäftsführerin „Bodenfreiheit – Verein zur Erhaltung von Freiräumen”: Der Umgang mit Grund und Boden ist auch in Vorarlberg alles andere als sparsam, obwohl Boden unsere Existenz sichert. VN/HARTMANN

„Dem Schutzgut Boden wird immer noch in vielerlei Hinsicht ein zu geringer Stellenwert in der planerischen Interessensabwägung beigemessen. Raumplanung ist politische Aushandlung, die in Vorarlberg leider zur Einbahnstraße geworden ist. Es braucht wieder mehr Dialog, um bodenschonender Raumplanungspolitik und den Anliegen der Freiflächen eine starke Stimme zu geben”, steht für Riedmann fest.

In Bezug auf Bodenverbrauch und Bodenversiegelung in Europa ist Österreich leider führend. „Der Umgang mit Grund und Boden ist auch in Vorarlberg alles andere als sparsam, obwohl Boden unsere Existenz sichert”, schildert Riedmann das Problem.

Alarmierender Flächenverbrauch: Jeden Tag gehen über 11 Hektar fruchtbarer Boden für Verkehr, Wirtschaft und Wohnraum verloren. <span class="copyright">VN/HARTMANN</span>
Alarmierender Flächenverbrauch: Jeden Tag gehen über 11 Hektar fruchtbarer Boden für Verkehr, Wirtschaft und Wohnraum verloren. VN/HARTMANN

Angesichts der drängenden Problematik des Bodenschutzes fordert der Umweltdachverband eine grundlegende Umgestaltung der politischen und gesellschaftlichen Einstellung gegenüber der Bodenressource. Ohne umgehende Maßnahmen drohe der Verlust eines entscheidenden Elements für den Erhalt des Ökosystems und der Zukunftsfähigkeit.

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