Hangrutsch in Hörbranz: „Wir wollen uns jetzt die letzte Chance geben“

Hang in Hochreute ist in ständiger Bewegung und zerstörte mittlerweile ein weiteres Haus.
Hörbranz Es rumort nach wie vor in der Krisenzone Hochreute in Hörbranz. Allein in den vergangenen Wochen hat sich der instabile Hang um 13 von insgesamt 26 Metern seit Beginn im April nach unten bewegt. Und bedroht damit nun drei weitere Häuser. Am Freitag zerstörten die Erdmassen ein weiteres – glücklicherweise unbewohntes – Haus.

Druck im Hang verlagert
Bürgermeister Andreas Kresser berief am Samstag eine Versammlung der betroffenen Anwohner ein, um sie zu beruhigen. Die aktuelle Bedrohung könne noch abgewendet werden. Die Lage wurde auch mit zwei Geologen und der Wildbach- und Lawinenverbauung besprochen. Im Augenblick bewegt sich der Hang um etwa zwanzig Zentimeter täglich, durch den Regen hat sich die Bewegung am Sonntag allerdings wieder etwas beschleunigt. Am letzten Wochenende waren es noch zehn Meter innerhalb von drei Tagen. Doch der Druck hat sich etwas verlagert und verschiebt den Hang im unteren Bereich stärker. Insgesamt drei Häuser werden in diesem Risikobereich derzeit genau beobachtet.
Zufahrtstraße wieder aufgebaut
Immerhin konnte die vor wenigen Tagen zerstörte Zufahrtstraße wieder aufgebaut werden, was die Arbeiten wesentlich erleichtert. Ein bereits vor längerer Zeit errichteter Auffangdamm hat sich als große Hilfe erwiesen und drohende Schlammlawinen verhindert. Doch er reicht jetzt nicht mehr aus. Nun müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden.

„Jetzt wollen wir uns die letzte Chance geben“, sagte Kresser am Sonntag gegenüber den VN. Das heißt, dass Material von der Kuppe des Hangs oberhalb der gefährdeten Häuser abgetragen wird, um den instabilen Erdmassen den Druck zu nehmen.
„Das bedeutet natürlich einen immensen Arbeitsaufwand“, machte der Bürgermeister deutlich. Die Anwohner würden in den nächsten Tagen mit viel Verkehr und Baggerarbeiten faktisch vor der Türe rechnen müssen. Aber es sei wie gesagt die einzige Chance, die drohende Gefahr abzuwenden.


LR Gantner: Hilfe vom Land
Doch hoher Arbeitsaufwand bedeutet auch erheblichen finanziellen Aufwand. Hier kommen Land, Bund und Gemeinden ins Spiel, wie Sicherheitslandesrat Christian Gantner den VN am Sonntag bestätigte: „Bei den Hangrutschungen in Hörbranz handelt es sich um eines der größten Ereignisse dieser Art in Vorarlberg in den letzten Jahrzehnten. Durch die großartige Arbeit von der Wildbach- und Lawinenverbauung, privater Bauunternehmer, aber vor allem auch der Gemeinde Hörbranz, unseres Landesgeologen und der Feuerwehr konnte bislang Schlimmeres verhindert werden. Was die Verbauungs- und Aufräumungsarbeiten betrifft, ist derzeit seitens der Wildbach- und Lawinenverbauung ein Projekt in Ausarbeitung, das von Bund, Land und Gemeinde finanziert wird. Gerade für die Bewohnerinnen und Bewohner des Gebiets ist die Situation eine sehr herausfordernde. Das Land Vorarlberg unterstützt sowohl die Gemeinde als auch die Bewohnerinnen und Bewohner entsprechend den Möglichkeiten. Wir lassen in einer so schwierigen Situation niemanden im Stich!“, betonte der Landesrat.