Blackout nach Diebstahl im Dom

VN / 29.07.2023 • 06:30 Uhr
Weil der Angeklagte  bei der letzten Verhandlung eingeschlafen war, musste sie neu durchgeführt werden. <span class="copyright">vn/gs</span>
Weil der Angeklagte bei der letzten Verhandlung eingeschlafen war, musste sie neu durchgeführt werden. vn/gs

Wie ein Langfinger die Verkäuferin eines Juweliergeschäfts austrickste.

Feldkirch Auch wenn er sich heute nicht mehr daran erinnern kann: Dass er dereinst mit diebischer Hand in zwei Opferstöcke im Dom zu Feldkirch gegriffen hatte, brauchte der 29-jährige Vorarlberger vor Gericht nicht erst reumütig zu beichten. Denn eine im Dom installierte Videokamera bezeugte sein ruchloses Tun gnadenlos und in wahrhaft untrüglichen Bildern.

Auch bei einem Coup in einem Juweliergeschäft wurde ihm eine Videokamera zum Verhängnis. Zwar zeigten die Aufnahmen, wie er ehrlich mittels Kreditkarte eine Kette bezahlte. Allerdings auch, wie er die Verkäuferin geschickt in ein Gespräch verwickelte und dabei mit wachsamen Augen darauf achtete, wann sie sich kurz von ihm abwandte. Dann ließen seine langen Finger gleichzeitig mindestens drei Armbänder in den Taschen verschwinden.

Der Oberländer war nicht nur im Dom kriminell aktiv. <span class="copyright">symbol/ap</span>
Der Oberländer war nicht nur im Dom kriminell aktiv. symbol/ap

Tablettensüchtig und schläfrig

Deswegen wurde gegen den 29-Jährigen schon einmal am Landesgericht Feldkirch verhandelt. Doch damals kam es zu keinem Urteil. Der Richter musste ihn nach Hause schicken. Und weshalb? Weil der Angeklagte nicht vernehmungsfähig war.

Er war während des Prozesses kurzerhand eingeschlafen. Schuld daran war seine Tablettensucht nach Benzodiazepinen.

Gedächtnisschwund

Bei der neuerlichen Verhandlung vor Richterin Lisa Pfeifer scheint er zumindest ausgeschlafen zu sein. Auch wenn er nur leise vor sich hin murmelt. Vielleicht würde er die ihm vorgeworfenen Taten ja auch gestehen. Wenn da nur nicht diese „Benzos“ wären, die sein Erinnerungsvermögen dahinschmelzen lassen wie Eis am Stiel (das er übrigens dereinst aus einem Sutterlüty-Markt mitgehen ließ).   

„Wenn ich die Tabletten eingenommen habe, weiß ich drei Tage später nicht mehr, was vorher war. So war es auch nach der Geschichte im Dom – ein totales Blackout“, gesteht er ein.

So auch bei der aktuellen Verhandlung. „Ich kann mich schlicht und einfach nicht mehr erinnern.“ Als ihm die Richterin die Videoaufnahmen vom Diebstahl beim Juwelier vorführt, fragt er: „Wo ist das Geschäft überhaupt?“

„In Feldkirch“, antwortet die Richterin, „und die Aufnahmen zeigen, dass Sie damals recht gezielt und bewusst vorgegangen sind.“

Wie auch immer, der Angeklagte gesteht seine Verantwortung ein und zeigt sich reumütig. „Es tut mir leid, und ich werde mich bemühen, dass alles wieder ins Lot kommt.“

Teilbedingte Geldstrafe

Da der 29-Jährige ansonsten unbescholten ist, findet die Richterin mit der Verhängung einer Geldstrafe das Auslangen. 400 Tagessätze à vier Euro, also 1600 Euro, die Hälfte davon bedingt auf eine Probezeit. Der Verurteilte hat dagegen keine Einwände. „Ist in Ordnung“, sagt er und bittet um eine Ratenzahlung.