Vorarlbergerinnen im Inferno auf Rhodos: „Kristos war unser Lebensretter“

Wie dramatisch zwei Krankenschwestern das Chaos auf der Insel erlebten.
Lauterach Anja Kaiser (26) aus Lauterach und Isabella Lödl (27) aus Hard sind dicke Freundinnen. Die beiden Krankenschwestern, sie arbeiten im Landeskrankenhaus Bregenz, waren schon öfters gemeinsam auf Urlaub in südlichen Gefilden. Diesmal fiel ihre Wahl auf Rhodos.
Dort landeten sie am Dienstag vergangener Woche. Ihr Hotel: Nicht billig, aber mit privatem Pool in Lindos, das als schönste Stadt dieser griechischen Insel gilt. „Wir haben es voll genossen“, sagen die Vorarlbergerinnen im VN-Gespräch.

Dann war da am Freitagabend dieser besonders stimmungsvolle Sonnenuntergang. So schön und doch beinahe seltsam. Noch ahnten die beiden Urlauberinnen nicht, was dem himmlischen, rötlichen Spektakel sein besonderes Flair verlieh.

Plötzlich ein starker Wind
Rauchwolken waren es, aufsteigend aus einer Flammenwand, die sich bedrohlich dem Hotel näherte. „Wir hatten immer noch keine Ahnung, was los war. Bis plötzlich ein starker Wind aufkam“, schildern Anja und Isabella die Situation.
Samstag am Pool. Der Wind immer noch stark. Und plötzlich regnete es graue Asche vom Himmel. Dann erste Warnhinweise. „Erst jetzt waren wir uns bewusst, was in Lindos abgeht“, erzählt Anja. „Und wir wollten heim.“ Ein Taxi brachte die Vorarlbergerinnen nach Lindos-Stadt. Eine unheimliche Situation erwartete sie dort. „Hunderte Menschen mit Koffern bevölkerten die Hauptstraße. Taxis waren keine mehr zu bekommen. Es herrschte Chaos. Dann beschlossen wir, irgendwo essen zu gehen.“
Eine Stadt wie ausgestorben
Die Innenstadt war wie ausgestorben. Ein einziges Restaurant war geöffnet. Und die Vorarlbergerinnen die einzigen Gäste. Auf der Dachterrasse. „Die Aschefetzen landeten auf dem Tisch, auf dem Essen und im Wein“, sagen sie. Panik erfasste die beiden jungen Frauen. Schnell zurück ins Hotel. Doch in den dunklen Gassen war kein Taxi zu sehen. „Über Intervention eines netten jungen Mannes aus L.A. hat uns ein Mitarbeiter seines Hotels mit seinem Privatauto zurückgefahren. Doch dort, im eigenen Hotel, hieß es, wir sollen unsere gröbsten Sachen zusammenpacken, es sei nicht mehr sicher“, erinnert sich Isabella.

Ein Bus mit dem Ziel Rhodos nahm die Vorarlbergerinnen quer über die Insel mit. Die Hauptstadt war überaus stark bevölkert. Vor allem von Touristen, die die Insel verlassen wollten. Per Flugzeug, Fähre oder allem, was fliegt oder schwimmt. „Wir wurden in einer Schule untergebracht, dort schliefen die Leute in Klassenzimmern auf oder unter den Bänken“, erzählt Anja. Ein Flugzeug war nicht zu bekommen. „Es wäre uns egal gewesen, wenn es nach Istanbul, Venedig oder sonstwohin gegangen wäre, nur weg von hier. Doch da lief nichts“, erzählt Anja.

„Kein Taxi fuhr dorthin“
Dann ein Anruf aus dem Hotel in Lindos. Es sei dort wieder sicher. „Doch kein Taxi fuhr dorthin. Da half uns ein Einheimischer namens Kristos und fuhr uns zurück. Kristos war unser Lebensretter“, sagt Isabella. Auf der Rückfahrt überall Rauch und Asche. Es ging durch das Inferno.
Doch kaum in Lindos angekommen, wich die anfängliche Erleichterung der nächsten Verzweiflung. „Es wurde uns empfohlen, wieder zurück nach Rhodos zu fahren. Es würde zu gefährlich. Während ich weinte, tröstete mich meine Freundin und umgekehrt. Wir waren einfach fix und fertig“, sagen Anja und Isabella.
Einem Hotelmanager gelang es, ein Taxi zu organisieren. Wieder zurück durch Rauch und Asche nach Rhodos. Dort, es war schon Montag, verbrachten Anja und Isabella die Zeit in einem Hotel. „Doch wir genossen es nicht. Wir wollten nur noch die Zeit verschlafen bis zum Abflug.“
Dankbar
Mit dem gebuchten Rückflug nach Stuttgart am Dienstag klappte es. Derzeit erholen sich die beiden Vorarlbergerinnen zu Hause. Und zwar von diesem „Urlaub“, der keiner war. Eines möchten die beiden aber betonen: „Uns ist von den Einheimischen in Rhodos unglaubliche Hilfe zu Teil geworden. Das hat uns fasziniert. Wir sind sprachlos und dankbar.“