Vor den Kopf gestoßen: Lorünser orten Verzögerungstaktik bei Ortsumfahrung

VN / 26.07.2023 • 21:00 Uhr
Bürgermeister Andreas Batlogg mit den Anrainern Reinhard und Rosmarie Batlogg an der viel befahrenen L188.  <span class="copyright">Bilder: VN/JUN</span>
Bürgermeister Andreas Batlogg mit den Anrainern Reinhard und Rosmarie Batlogg an der viel befahrenen L188. Bilder: VN/JUN

Land hat Studie zu zweigleisigem Bahnausbau in Auftrag gegeben. Lorünser sorgen sich jetzt um die Umsetzung der Pläne für eine Ortsumfahrung.

Lorüns Die Ortsumfahrung Lorüns ist für das Montafon das, was für die Lustenauer die S18 ist – eine „never ending story“. Andreas Batlogg, Bürgermeister von Lorüns, ist wütend und frustriert. Seitdem der Landtag Anfang März den Straßenkorridor „Mitte“ beschlossen und damit den Weg für die Umfahrung von Lorüns geebnet hat, ist nichts mehr vorwärts gegangen. Im Gegenteil: Jetzt hat das Büro von Mobilitätslandesrat Daniel Zadra (Grüne, 38) eine Studie in Auftrag gegeben, die einen zweigleisigen Ausbau der Montafonerbahn in Lorüns überprüfen soll. Bürgermeister und Bewohner fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Andreas Batlogg erklärt den beiden Anrainern die Ergebnisse seiner selbst gemachten Studie. Zum Beispiel würden sich die Züge bei neun Minuten Verspätung im Moos in Bludenz und nicht in Lorüns treffen.
Andreas Batlogg erklärt den beiden Anrainern die Ergebnisse seiner selbst gemachten Studie. Zum Beispiel würden sich die Züge bei neun Minuten Verspätung im Moos in Bludenz und nicht in Lorüns treffen.

Auch Standesrepräsentant Jürgen Kuster hat den Eindruck, das Projekt könnte ausgebremst werden. Da plane man jahrelang die ortsnahe Umfahrung von Lorüns, und kurz vor Abschluss kämen plötzlich Überlegungen für einen zweigleisigen Bahnausbau auf den Tisch. Kuster fragt sich, warum diese Studie nicht schon vor zwei Jahren in Auftrag gegeben wurde.

Das Büro von Daniel Zadra hat eine Studie in Auftrag gegeben, einen zweigleisigen Ausbau zu überprüfen.
Das Büro von Daniel Zadra hat eine Studie in Auftrag gegeben, einen zweigleisigen Ausbau zu überprüfen.

Kein Platz für Straße und Schiene

Wenn der zweigleisige Ausbau forciert wird, dann muss die Umgehungsstraße Unterflur gebaut werden, was mit deutlich höheren Kosten verbunden wäre. Dann würde die Ortsumfahrung statt 50 Millionen auf einmal 100 Millionen Euro kosten. „Das lässt sich dann wirtschaftlich nicht mehr abbilden“, so der Lorünser Bürgermeister. Der Studie habe man deshalb nur widerwillig zugestimmt.

Die drei gehen übrigens nur auf dem Bahnsteig entlang, weil sie so zum Zebrastreifen gelangen, der sie sicher über die Landesstraße bringt.
Die drei gehen übrigens nur auf dem Bahnsteig entlang, weil sie so zum Zebrastreifen gelangen, der sie sicher über die Landesstraße bringt.

In der Studie, die 30.000 Euro kosten wird, wird von einem Viertelstundentakt ausgegangen: Alle halbe Stunde soll die S-Bahn fahren und alle halbe Stunde ein REX. Was Andreas Batlogg sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass der REX gar nicht in Lorüns, sondern nur in Schruns, Tschagguns und St. Anton halten würde. Die Lorünser hätten also nichts vom Viertelstundentakt.

Das ist das Haus der Batloggs.
Das ist das Haus der Batloggs.
Die Fassade des Hauses hat schon ein paar Risse bekommen.
Die Fassade des Hauses hat schon ein paar Risse bekommen.

Standesrepräsentant Kuster geht mit der zuständigen Abteilung von Landesrat Zadra hart ins Gericht. Eine konstruktive Zusammenarbeit sei nicht möglich. Er könne verstehen, dass man eine Trasse für ein zweites Gleis frei halten möchte, aber keiner könne sagen, ob der Fahrplan der ÖBB in zehn, zwanzig Jahren der gleiche sei wie jetzt. “Vielleicht treffen sich die Züge dann gar nicht in Lorüns, sondern beispielsweise in Tschagguns.” Kuster befürchtet, dass die Studie keine vernünftigen Antworten liefere. Er sei nicht grundsätzlich gegen einen zweigleisigen Ausbau, nur solle man diesen auf bestimmte Korridore beschränken, dort, wo es auch Sinn mache, wie zum Beispiel in Brunnenfeld und St. Anton, wo es bereits ein Begegnungsgleis gibt.

Der Dreck sammelt sich auch an den Fenstern.
Der Dreck sammelt sich auch an den Fenstern.
Die Thujenhecke ist durch den vielen Verkehr auch in Mitleidenschaft gezogen.
Die Thujenhecke ist durch den vielen Verkehr auch in Mitleidenschaft gezogen.

Projekt wird gebremst, nicht gefördert

Statt Unterstützung zu erhalten, würden die Verantwortlichen das Umfahrungsprojekt mit der Studie ausbremsen wollen, so Kuster. „Dass die Schiene Zukunft hat, verstehe ich. Wir wollen die Eisenbahn. Das ist das Rückgrat des Tales, aber die Eisenbahn steht nicht über allem.“ Kuster sieht hier eine Verzögerungstaktik. Dabei hätte die Ortsumfahrung Lorüns „eine ganze Reihe von Verbesserungen“ und sei nicht nur ein reines Straßenprojekt.

Selbst die Fertigstellung dieses Neubaus mit mehreren Wohnungen verzögert sich, da zu wenige Wohnungen verkauft wurden.
Selbst die Fertigstellung dieses Neubaus mit mehreren Wohnungen verzögert sich, da zu wenige Wohnungen verkauft wurden.

Rosmarie und Reinhard Batlogg wohnen direkt an der Landesstraße 188. Für sie ist der Verkehr – immerhin fahren hier täglich durchschnittlich 15.000 Autos vorbei – eine große Belastung. Dabei redet Rosmarie nicht nur vom Lärm, sondern auch vom Staub und Dreck, der sich an den Fenstern und am Mauerwerk bemerkbar macht. „Wir haben einige Instandhaltungsarbeiten“, berichtet Rosmarie Batlogg. „Der massive Verkehr hinterlässt seine Spuren.“ Risse in der Fassade zeugen davon. „Das kostet viel Geld.“ Das ältere Ehepaar hat bereits zweimal das Haus gestrichen, doch gebracht hat es nichts. „Wir waren oft beim Land vorstellig, dass es uns die Hauswand instand setzen soll“, erzählt Rosmarie Batlogg, aber sie blieben mit ihrer Forderung erfolglos. „Die Schmutzbelastung ist enorm. Wenn der Schneepflug vorbeifährt, wird der ganze Dreck an die Hauswand geschleudert. Und das Land zieht sich aus der Affäre.“

Schwerverkehr ist hier üblich.
Schwerverkehr ist hier üblich.

“Keiner will hier wohnen”

Eigentlich war das Haus als Mehrgenerationenhaus gedacht, doch ihr Sohn und seine Frau haben sich jetzt ein anderes Haus in Lorüns gesucht, das nicht direkt an der Landesstraße liegt. Das Erdgeschoss ist derzeit unbewohnt. „Wir haben ein riesiges Haus, in dem keiner wohnen will“, sagt Rosmarie Batlogg. „Wir können niemandem zumuten, im Erdgeschoss zu wohnen. Die Fenster kann man nicht öffnen, weil es zu laut wäre. Wir würden uns nichts sehnlicher als die Ortsumfahrung wünschen, um endlich mehr Lebensqualität zu bekommen.“

Reinhard und Rosmarie Batlogg zeigen ihr Haus.
Reinhard und Rosmarie Batlogg zeigen ihr Haus.
Von der Seite des Hauses könnte man meinen, dass es in einer ruhigen Wohngegend liegt.
Von der Seite des Hauses könnte man meinen, dass es in einer ruhigen Wohngegend liegt.

Reinhard Batlogg lebt schon sein ganzes Leben in diesem Haus. „Die Verkehrsbelastung hat in den letzten Jahren zugenommen“, weiß er. Er erzählt von früher, als man noch das Heu auf der Straße abgeladen hatte. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre saßen sie als Kinder vor der Haustür und konnten die Autos an zwei Händen abzählen, die an diesem Tag vorbeifuhren. Die Zeiten von früher sind schon lange vorbei.

Hier links haben die Batloggs Glaswände angebracht, um den Lärm im Garten ein wenig zu reduzieren.
Hier links haben die Batloggs Glaswände angebracht, um den Lärm im Garten ein wenig zu reduzieren.
Das Erdgeschoss ist derweil unbewohnt.
Das Erdgeschoss ist derweil unbewohnt.

Die Umfahrungsvariante „Mitte“ ist die wirtschaftlich sinnvollste gewesen, die für eine „massive Entlastung“ für die Lorünser gesorgt hätte, unterstreicht Andreas Batlogg. Dass jetzt ein zweigleisiger Bahnausbau untersucht wird, darin ortet der Bürgermeister jedenfalls “reine Taktik”. Auch innerhalb der Landesregierung beobachtet er unterschiedliche Standpunkte. Landesrat Tittler habe gleich mit den Planungen der Umfahrung beginnen wollen, Zadra wollte demnach hingegen weiter untersuchen. Einen Termin für ein persönliches Gespräch beim grünen Landesrat erhält der Bürgermeister laut eigenen Angaben erst im September.

Andreas Batlogg hat sich zwei Stunden Zeit genommen, die Studie, die das Land 30.000 Euro kosten und zwei Monate dauern wird, selbst zu machen. "Bei der Studie vom Land kommt nichts anderes heraus, als was ich in zwei Stunden erarbeitet habe“, ist er überzeugt.
Andreas Batlogg hat sich zwei Stunden Zeit genommen, die Studie, die das Land 30.000 Euro kosten und zwei Monate dauern wird, selbst zu machen. "Bei der Studie vom Land kommt nichts anderes heraus, als was ich in zwei Stunden erarbeitet habe“, ist er überzeugt.

Was den Beginn der Planungen für die Umfahrung betrifft, hakt es auch bei der Finanzierung. So hätten zwar Land und Gemeinden finanzielle Mittel bereitgestellt. Eine entsprechende Absichtserklärung der Montafonerbahn, sich an den Planungskosten in Höhe von 50.000 bis 100.000 Euro zu beteiligen, steht demnach aus. Auch hier ortet Bürgermeister Batlogg eine Einflussnahme des für die Montafonerbahn zuständigen Zadra-Ressorts, das gestern trotz mehrfacher Versuche für die VN nicht erreichbar war.

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Der REX würde nicht am Bahnhof Lorüns halten, weshalb die Lorünser vom Viertelstundentakt nicht profitieren würden.
Der REX würde nicht am Bahnhof Lorüns halten, weshalb die Lorünser vom Viertelstundentakt nicht profitieren würden.

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