Lehrermangel bleibt große Baustelle

VN / 20.07.2023 • 15:00 Uhr
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CANVA/ APA/ Herbert Pfarrhofer

Lehrervertreter Paul Kimberger rechnet damit, dass Schulklassen im September nicht besetzt werden können.

Von Lena Gruber

Schwarzach “Wir rechnen aus heutiger Sicht damit, dass wir Klassen im September gar nicht besetzen können”, so Paul Kimberger, oberster Lehrervertreter des Landes. Aufgrund des zunehmenden Personalmangels geht er davon aus, dass im kommenden Schuljahr nicht alle Stunden gehalten werden können.

Bereits im vorigen Schuljahr konnte man an manchen Schulen nur mit großem Aufwand und vielen Provisorien den Unterricht einigermaßen aufrechterhalten. Dabei ist die Spitze des Eisbergs noch nicht erreicht. Laut Berechnungen der Gewerkschaft ist der Höhepunkt des Lehrermangels erst für das Jahr 2027 zu erwarten.

Der Höhepunkt des Lehrermangels wird 2027 erwartet.<span class="copyright"></span><span class="copyright">APA/Sebastian Kahnert</span>
Der Höhepunkt des Lehrermangels wird 2027 erwartet.APA/Sebastian Kahnert

Personalmangel unterschiedlich ausgeprägt

Wie stark der Personalmangel schlussendlich ausfallen wird, hänge davon ab, wie sich die Zahl der Lehramtsstudierenden und Quereinsteiger entwickelt und welche Maßnahmen von Seiten des Bildungsministeriums und den einzelnen Ländern gesetzt werden. Diese seien wichtig, um wirksam und nachhaltig auf die Extremsituation an den Schulen zu reagieren. Die bisherigen Maßnahmen des Ministeriums reichen Kimberger jedenfalls nicht. “Das sind sehr viele Ankündigungen, die an den Schulen bisher im Wesentlichen nicht die Wirksamkeit entfaltet haben, die wir uns erhoffen”, so der Gewerkschafter. Der Druck werde deshalb dementsprechend erhöht.

Verbesserungsbedarf sieht der Lehrervertreter zudem bei der “sogenannten Qualitätssicherung”. Hier würden Papiere für Behörden erzeugt, die Schulen keinen konkreten Nutzen brächten. “Das können wir uns in einer Situation mit viel zu wenig Personal einfach nicht mehr leisten”, appelliert Kimberger. Die Aufgabe der Schulleiter sei es, sich um Personalentwicklung und gute Pädagogik zu kümmern und nicht um Schulverwaltungsprogramme oder sinnlose Abfragen.

Weniger Bürokratie, dafür aber gute Pädagogik. <span class="copyright">APA/Sebastian Gollnow</span>
Weniger Bürokratie, dafür aber gute Pädagogik. APA/Sebastian Gollnow

Verkürzung der Ausbildung

Um das Arbeiten in der Schule attraktiver zu gestalten, sollten laut Kimberger auch die Gehälter für Lehr- wie Unterstützungspersonal angehoben werden. Diese sind für ihn nicht mehr konkurrenzfähig. Besonders in Regionen wie Vorarlberg und in den Grenzgebieten zu Bayern drohe die Abwanderung ins Nachbarland.

Enttäuschend findet Kimberger, dass zur schon lange geforderten Reform der Lehrerausbildung weiter kein Beschluss vorliegt. Bundesminister Martin Polaschek (ÖVP) will die Novelle im Herbst vorlegen, allerdings könnten die Hochschulen damit immer noch nicht mit den Vorarbeiten für eine “effektivere, praxisnähere” Ausbildung beginnen. Geplant ist, dass der Bachelor künftig drei statt vier und der Master zwei Jahre dauert. Für die Sekundarstufe wäre das eine Verkürzung um ein Jahr.

Das Bachelorstudium soll verkürzt werden. <span class="copyright">APA/ Herbert Pfarrhofer</span>
Das Bachelorstudium soll verkürzt werden. APA/ Herbert Pfarrhofer

Ausbildung in Sonderpädagogik

Seit der Reform 2015 gibt es den Schwerpunkt Inklusion. Allerdings appelliert der Gewerkschafter an eine Wiedereinführung der eigenen Ausbildung in Sonderpädagogik. Nicht alle Schülerinnen bzw. Schüler mit Behinderung würden die benötigte Unterstützung bekommen. “Derzeit gibt es höchstens für 2,7 Prozent der Pflichtschüler, die wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung spezielle Unterstützung im Unterricht benötigen, zusätzliche Mittel über den Finanzausgleich”, informiert Kimberger. Der tatsächliche Bedarf wird jedoch auf das Doppelte geschätzt. Allein um diese Kinder zu versorgen, wären 3000 zusätzliche Sonderpädagoginnen und -pädagogen nötig, rechnet er vor.

Es braucht mehr Unterstützung für Schülerinnen und Schüler, die physisch aber auch psychisch beeinträchtigt sind. <span class="copyright">APA/Hans Punz</span>
Es braucht mehr Unterstützung für Schülerinnen und Schüler, die physisch aber auch psychisch beeinträchtigt sind. APA/Hans Punz

Die neuen Quereinsteiger-Angebote für die Sekundarstufe bewertet Kimberger grundsätzlich positiv, jede zusätzliche Person bringe Entlastung. Er wünscht sich ein solches Modell aber auch für die Volksschulen, da dort ein eklatanter Mangel herrsche. Es dürfe aber kein Programm sein, um Elementarpädagoginnen und -pädagogen anzuwerben, denn Kindergärten hätten selbst mit Engpässen zu kämpfen.