Hier wurde ein Jahrhundertereignis gefeiert

Kirchturmkreuz und -kugel wurden renoviert, gesegnet und wieder am Turm angebracht.
St. Gallenkirch Dutzende Interessierte haben dieser Tage im Ortszentrum der Gemeinde St. Gallenkirch ein Stück Geschichte hautnah miterlebt. „Das Befüllen einer Turmkugel ist ein Jahrhundertereignis“, führte Pfarrmoderator Lukas Bonner den Anwesenden vor Augen. Letztmals dürfte dies im Jahr 1950 geschehen sein. Vielleicht Ende der 1960er-, Anfang der 1970er-Jahre sollen – wie man sich im Dorf erzählt – Nachbarsjungen den Wetterhahn als Zielscheibe benutzt und dabei die Turmkugel ordentlich durchlöchert haben.



VN in der Turmkugel
„Das, was heute in diese Kugel gelangt, ist ein Ausschnitt unserer Gegenwart und wird eines Tages im Licht der Geschichte gedeutet, gelesen, vielleicht belächelt; wir wissen es nicht“, meinte der Geistliche. In der Kugel fanden ganz unterschiedliche Dinge Platz. „Das Erste, was wir in die Zeitkapsel hineinlegen, ist eine Medaille mit dem Bildnis der Gottesmutter; diese wird von alters her als Schutz gesehen“, erzählte Lukas Bonner.



Was in den Kapseln vor Witterungseinflüssen sonst noch geschützt und für kommende Generationen erhalten bleiben soll? Eine Benedictus-Medaille, der laut dem Seelsorger ebenfalls „eine besondere Segenskraft zugeschrieben wird“, eine kleine Reliquie der heiligen Mutter Bernarda Bütler (Gründerin der St. Gallenkircher Schwesterngemeinschaft), je ein Bild von Papst Franziskus und Bischof Benno und zwei Münzen: zum einen die alte, verwitterte Ein-Pfennig-Münze, die bei der Öffnung der Kugel eigentlich als einziges Stück „unversehrt“ zum Vorschein kam – sie trägt die Jahreszahl 1950 – und zum anderen einen „Wiener Philharmoniker“ mit der heurigen Jahreszahl.


Nicht fehlen durfte beim Befüllen der Turmkugel die aktuelle Ausgabe der Vorarlberger Nachrichten für den Bezirk Bludenz vom vergangenen Donnerstag, 6. Juli, als Zeitdokument.
Kater Eberhard
„Ich bin gefragt worden, ob vom Pfarrer nichts hineinkommt“, teilte der Pfarrmoderator mit. „Doch“, antwortet dieser, „ein Primizbild von mir lege ich dazu. Ich hoffe, dass jemand eines Tages auch für mich ein Vaterunser beten wird.“


Eingang in die Kugel fand überdies eine Liste mit der aktuellen Einwohneranzahl von St. Gallenkirch per 1. Juli und dem aktuellen Katholikenanteil der Gemeinde und ein von Lukas Bonner handschriftlich verfasster Bericht über die Lage der Kirche und Gesellschaft. „Wohlwissend, dass es meine persönlichen Empfindungen und Ansichten sind“, ergänzte der Geistliche.

Was die Nachwelt vermutlich zum Schmunzeln bringen wird, sind zwei Bilder mit Kater Eberhard. Lukas Bonner hat sich erlaubt, diese ebenfalls in die Kugel hineinzugeben, „versehen mit einem Hinweis auf unseren legendären Pfarrer Eberhard Amann“.

Bevor das Kreuz und die Kugel wieder am Turm angebracht wurden, erbat der Priester für die Gegenstände Gottes Segen. Als die Aktion in schwindelerregender Höhe abgeschlossen und der Wetterhahn somit wieder auf dem Kreuz platziert war (der Hahn ist ein uraltes christliches Symbol für die Auferstehung), sangen die anwesenden Gläubigen das Lied „Großer Gott“. Ergänzend kündeten die Kirchenglocken vom freudigen Anlass.

Zum Publikum, das zur Segnung ins Dorfzentrum gekommen war, zählten Karl-Heinz Summer vom Diözesanbauamt, die St. Gallenkircher Pfarrsekretärin Susanne Benedikt, Rosa und Karl Netzer, Gastronomen im Ruhestand („Madrisella Höhle“), Melina Netzer mit Tochter Andrea Lerch, Enkelin Heike Lerch und Urenkel David, Siegfried Mathies und Judith Salzgeber mit Tochter Nadine Salzgeber, Stefanie Schöllhorn mit Tochter Mathilda sowie Raimund Lagger, der wie Heike Lerch der jubilierenden Bürgermusik St. Gallenkirch angehört.

Hoch oben bei der Kirchturmzwiebel begleiteten beide das „Großer Gott“ instrumental. Ein berührendes Erlebnis auch für Komponist Kurt Kraft (ebenfalls Bürgermusik-Mitglied) mit Gattin Edeltraud (Hausmusik Kraft) sowie Angelika Ganahl, Sabrina Schwarzhans, Herbert Tschofen, Dagmar Ganahl, Anton Hartmann und Christine Tschofen aus dem Haus St. Fidelis. SCO
