Verhängnisvolle Nacht und das Ende des “Osmanen Germania”-Chapters in Vorarlberg

VN / 26.06.2023 • 05:30 Uhr
Verhängnisvolle Nacht und das Ende des "Osmanen Germania"-Chapters in Vorarlberg

Erinnerungen eines Chefermittlers: Norbert Schwendinger über einen vermasselten Raubüberfall, Mordversuch und mutigen Capoeira-Tänzer.

Feldkirch Ein verhängnisvoller Abend für die türkische Rockerorganisation “Osmanen Germania” im Vorarlberger Chapter begann am 21. Oktober 2016. Norbert Schwendinger, damals Leiter des Morddezernats, erinnert sich an eine Nacht voller Misserfolge und Pannen.

Alles begann damit, dass der Vorarlberger Anführer der Osmanen Germania einen Tipp aus seinem Bekanntenkreis erhielt. Angeblich befand sich in einer Wohnung in Feldkirch eine große Menge hochwertiges Marihuana, die es sich lohnte zu stehlen.

Verhängnisvolle Nacht und das Ende des "Osmanen Germania"-Chapters in Vorarlberg
VN-Bericht vom 22. Oktober 2016.

Die kriminelle Energie der Rocker erwachte, und sie schmiedeten einen räuberischen Plan. Zuerst besorgten sie sich Einbruchswerkzeuge in einem Laden. Der Drahtzieher sagte einem seiner Komplizen sogar, er solle eine Pistole mitnehmen. Doch schon am Abend der geplanten Tat stießen sie auf die erste Panne: Der vierte Mann, der das Quartett vervollständigen sollte, tauchte nicht auf. Es stellte sich heraus, dass er verschlafen hatte.

Trotzdem beschlossen die verbliebenen drei Männer, den Überfall durchzuführen. Doch schon vor der besagten Wohnung in Feldkirch erwartete sie die nächste unerwartete Wendung. “Als die Männer am Tatort ankamen, bemerkten sie voller Schrecken, dass in der Unterkunft Licht brannte. Sie hatten angenommen, dass niemand zu Hause war”, erzählt Schwendinger, der ehemalige Leiter des Morddezernats.

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Die Vorarlberger Nachrichten über die erfolgreiche Polizeiaktion.

Aber auch davon ließen sich die “Osmanen” nicht abschrecken. Trotz des anwesenden Bewohners versuchte einer der Täter mit einem Brecheisen die Terrassentür aufzubrechen. Es war ein vergeblicher Versuch. Ein weiterer Komplize wollte den Bewohner von außen mit vorgehaltener Pistole zwingen, die Tür zu öffnen. Doch der Bedrohte schrie verzweifelt vom Balkon um Hilfe. Die erfolglosen Räuber bekamen Angst und ergriffen schließlich die Flucht.

<p class="caption">Eine der Angeklagten beim Prozess in Feldkirch.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"><span class="copyright">Eckert</span></span></p>

Eine der Angeklagten beim Prozess in Feldkirch. Eckert

Doch erst auf den Straßen von Tisis erreichte die Serie von Pannen und Missgeschicken ihren Höhepunkt. “Die Polizei wurde bereits verständigt. Während sich zwei der Männer hinter einem Gebüsch versteckten, lief der Dritte in Richtung Spital”, berichtet der Ex-Chefermittler. Doch dann trat ein wahrer Held auf den Plan. Ein 40-jähriger brasilianischer Anwohner, besorgt um seine Nachbarn, stoppte den Flüchtenden. Dieser drehte um, wurde vom Passanten verfolgt, sprang über einen Zaun und flüchtete über eine Wiese in die Dunkelheit der Nacht.

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Die im Gebüsch versteckten Täter beobachteten dies mit Schrecken und erhoben sich schließlich. Einer von ihnen zog eine Pistole. Schwendinger erklärt: “Er eröffnete gezielt das Feuer auf den Passanten und gab drei Schüsse ab, doch die Kugeln verfehlten ihr Ziel.” Der Grund dafür war, dass der Brasilianer den Kampftanz “Capoeira” beherrschte und den Projektile durch seine schnellen Bewegungen ausweichen konnte.

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Daraufhin verloren auch die restlichen Täter die Nerven und ergriffen die Flucht. Nach drei Monaten akribischer Ermittlungen führte die Polizei am 19. Jänner 2017 eine Großaktion durch, bei der alle Beschuldigten festgenommen wurden. Damit war das Schicksal des Vorarlberger “Osmanen Germania”-Chapters besiegelt. Die Männer wurden später zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, wobei der Haupttäter aufgrund des versuchten Mordes eine 15-jährige Gefängnisstrafe erhielt. GS

zur person

Norbert Schwendinger

Chefermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg)

Geboren 5. Dezember 1958 Familie in Lebensgemeinschaft, zwei Kinder

Laufbahn 1979 bis 1991: Gendarmeriebeamter auf den Dienststellen Höchst und Lochau; 1991 bis 1996: Kriminalbeamter bei den Abteilungen Raub und Diebstahl; 1996 bis 2008: Leiter der Diebstahlsgruppe im Landeskriminalamt; 2008 bis 1. August 2019: Leiter der Abteilung LKA 1 Leib/Leben (Mordkommission); am 1. August 2019 ging der heute 63-Jährige in Pension

Buchtipp: Tatort Vorarlberg, wahre Kriminalfälle (zwei Editionen). Die Bücher sind im Buchhandel (u.a. Das Buch im Messepark) erhältlich.

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