Warum das beliebte Dorfcafé in St. Anton vorerst schließen muss

VN / 09.06.2023 • 12:40 Uhr
Hubert Schoder mit seiner Lebensgefährtin Eva-Maria Vonier vor ihrem Lebenswerk. <span class="copyright">Bilder: VN-JUN</span>
Hubert Schoder mit seiner Lebensgefährtin Eva-Maria Vonier vor ihrem Lebenswerk. Bilder: VN-JUN

Der St. Antöner Hock muss vorerst schließen, bis sich ein neuer Pächter für den beliebten Dorftreff findet.

St. Anton im Montafon Die Tage des St. Antöner Hocks sind gezählt. Am 22. Juni ist der letzte Tag. Bürgermeister Helmut Pechhacker hofft, dass sich schnell ein Nachfolger findet und der beliebte Dorftreff den St. Antönern erhalten bleibt.

Alexandra bedient die Gäste - wie im Hintergrund die Strickfrauen - gerne.
Alexandra bedient die Gäste - wie im Hintergrund die Strickfrauen - gerne.

Pächter Hubert Schoder hört aus gesundheitlichen Gründen auf. „Mein Rücken ist kaputt. Ich darf nichts mehr heben“, sagt Hubert Schoder, der Knochenkrebs hat. Er wolle jetzt mehr auf seine Gesundheit achten und gibt deshalb das Dorfcafé auf. Seit 2014 befindet sich der St. Antöner Hock direkt neben dem Gemeindeamt im gleichen Gebäude. Davor war das Café fünf Jahre beim Bahnhof angesiedelt. Hubert Schoder arbeitete an beiden Standorten als Wirt.

Bürgermeister Helmut Pechhacker und Wirt Hubert Schoder an der Bar.
Bürgermeister Helmut Pechhacker und Wirt Hubert Schoder an der Bar.

Alexandra arbeitet Teilzeit im Service, doch übernehmen wolle sie den Betrieb nicht. „Ziel ist es, dass es weitergeht. Es soll im gleichen Sinn weitergeführt werden wie bis jetzt: Mit einer gutbürgerlichen Küche und einem ganzjährigen Betrieb. Es soll ein Treffpunkt für Jung und Alt bleiben“, sagt Helmut Pechhacker. Das Bistro hat eine kleine Küche und ist voll möbliert. Anfragen gäbe es laut Helmut Pechhacker zwar, aber „nichts Konkretes“.

Bald muss das Dorfcafé fürs Erste schließen. Hubert Schoder hat gesundheitliche Probleme und kann das Lokal nicht länger weiterführen.
Bald muss das Dorfcafé fürs Erste schließen. Hubert Schoder hat gesundheitliche Probleme und kann das Lokal nicht länger weiterführen.

Eva-Maria Vonier, Ehefrau von Hubert Schoder, verbindet mit dem St. Antöner Hock viele Erinnerungen und Emotionen. „Das ist das Lebenswerk von Hubert“, sagt sie, die selbst eine Krebserkrankung hinter sich hat. „Wir haben hier eine wunderschöne Zeit gehabt.“ Die Stammkundschaft sei natürlich alles andere als begeistert, dass ihr Dorftreffpunkt nun schließt. Donnerstags zum Beispiel treffen sich hier immer die Montafoner Stricklieseln zum gemeinsamen Stricken. „Sie haben sich immer sehr wohl hier gefühlt“, sagt Eva-Maria Vonier.

Der Innenbereich. Die Möblierung kann vom neuen Pächter übernommen werden.
Der Innenbereich. Die Möblierung kann vom neuen Pächter übernommen werden.

Das Paar spricht von einem „sehr familiären Verhältnis“. Vor allem in Notzeiten habe man sich untereinander ausgeholfen. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde war hervorragend“, sagt Eva-Maria Vonier. Zudem habe man mit dem Sparverein viele Feste und Geburtstage gefeiert, war zusammen auf Ausflügen. „Wir haben viele schöne Momente gehabt“, sagt Hubert Schoder. Bei diesem Gedanken kullert ihm eine Träne über die Wange. Ihm geht es nahe, sein Lebenswerk aufgeben zu müssen. Sogar ihre eigene Hochzeit haben Hubert Schoder und Eva-Maria Vonier hier im St. Antöner Hock gefeiert.

Platz gibt es drinnen wie draußen genug.
Platz gibt es drinnen wie draußen genug.

Früher gab es in St. Anton noch zehn Lokale gleichzeitig. Doch dann hat eins nach dem anderen aufgehört. Geblieben sind nur noch das Restaurant Adler, der Imbiss Kurty‘s Kitchen und eben der St. Antöner Hock. Eva-Maria Vonier wünscht sich, dass auch der neue Pächter ein Ganzjahresbetrieb anbietet, damit die Einheimischen auch in der Zwischensaison ein Lokal zur Verfügung haben, das offen hat.

Die Küche ist zwar klein, aber man kann hier einige Gerichte zubereiten.
Die Küche ist zwar klein, aber man kann hier einige Gerichte zubereiten.

Der St. Antöner Hock sei zwanglos und gerade bei den Montafonern aus dem Umkreis beliebt. „Ich kann jedem empfehlen, das Lokal zu übernehmen“, sagt Hubert Schoder, der im Übrigen seit November die Preiserhöhung durch die Inflation nie an den Kunden weitergegeben hat.

Das Dorfcafé in St. Anton lebt zu 95 Prozent von den Stammgästen, weshalb sich Eva-Maria Vonier und Hubert Schoder bei ihren Stammgästen bedanken wollen: „Wir bedanken uns bei allen Stammgästen, aber auch bei der Gemeinde und unseren Geschäftspartnern für die immer gute Zusammenarbeit und natürlich bei unseren beiden Familien. Es ist traurig, dass wir aufhören müssen.“