Der Wunsch nach Akzeptanz

VN / 09.06.2023 • 09:46 Uhr
Maximilian (l.) und Fabio Egger-Petter.<span class="copyright"> Daniella Oyarzo</span>
Maximilian (l.) und Fabio Egger-Petter. Daniella Oyarzo

Fabio und Maximilian Egger-Petter sind seit kurzem verheiratet. Sie erzählen über ihre Erfahrung und ihr Coming-out als homosexuell.

Dornbirn Der Pride Month Juni strahlt bereits in Regenbogenfarben. Wie wichtig es ist, in dieser Zeit über die LGBTQ+ Community zu sensibilisieren, weiß auch Fabio Egger-Petter (22) vom CSD Verein Vorarlberg. Vor rund einem Monat gab er Maximilian Egger-Petter (20) das Ja-Wort. Für die zwei Männer war das einer der wunderschönsten Momente in ihrem Leben. Gemeinsam erzählen sie den VN von ihrer Erfahrung und was sich ihrer Meinung nach noch ändern muss.

Im Standesamt in Dornbirn haben sie sich das Ja-Wort gegeben. <span class="copyright"> Daniella Oyarzo</span>
Im Standesamt in Dornbirn haben sie sich das Ja-Wort gegeben. Daniella Oyarzo

Wie war das Outing für Sie?

Maximilian Mir war es recht früh klar und meine Freunde wussten Bescheid. Bei meinen Eltern habe ich mich erst mit 16 Jahren geoutet und das wurde am Anfang nicht so gut aufgenommen. Es hat nicht in ihr Weltbild hineingepasst. Dazu komme ich noch aus einer bosnisch-türkischen Familie, da war es vorbelastet. Seitdem ich ihnen Fabio vorgestellt habe, ist alles in Ordnung. Jetzt sind sie alle offen dafür.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie sich als homosexuell geoutet haben?

Fabio Für mich war es auf eine Weise befreiend. Ich konnte sein, so wie ich bin. Aber wenn Mitschüler da waren, die einen gemobbt haben, hat man sich trotzdem etwas verstellt. Das kommt, aufgrund der mangelnden Aufklärung und weil viele ein falsches Bild von einem schwulen Mann haben. Man denkt direkt, da kommt jemand mit Handtasche, kurzer Hose und vielleicht Stöckelschuhen. Aber das ist nicht so. Manche sind klar feminin, andere maskulin.

Wie ist es als homosexueller Mann in Vorarlberg?

Fabio Es gibt eine Licht- und Schattenseite. Viele freuen sich, dann findet man neue freunde. Aber das, was in Vorarlberg brutal ist, dass Regenbogenbänke und Flaggen zerstört werden. Dazu noch lesbische sowie schwule Menschen zusammengeschlagen werden. Wie zwei Kollegen von mir, nur weil sie händchenhaltend durch die Stadt in Dornbirn gelaufen sind. Wenn du einem nicht ins Bild passt, dann passiert sowas.

Die zwei bei ihrer Hochzeit. <span class="copyright"> Daniella Oyarzo</span>
Die zwei bei ihrer Hochzeit. Daniella Oyarzo

Ist es für Euch möglich, wie hetero Paare in der Öffentlichkeit einander “Liebe” zu zeigen?

Maximilian Dass man normal Händchen haltend durch die Stadt geht ist nicht so einfach. Da muss man Angst haben, dass jemand einem entgegenkommt, der einen deswegen angreift. Das machen wir auch nicht, einfach aus Selbstschutz.

Was muss sich bezüglich der Sicht auf die LGBTQ+ Community bei uns noch ändern?

Fabio Es muss altersgerechte Aufklärung in den Schulen stattfinden. Sensibilisierungsmaßnahmen, die im LGBTQ+ Aktionsblatt vom Land Vorarlberg stehen, müssen umgesetzt werden, damit man Begegnungsräume für die Mitglieder und Unterstützer machen kann. Unterstützer sind mit dem Thema nicht in direkter Art und Weise in Berührung, aber sind da, um zu helfen. Auch die therapeutische Betreuung für Kinder muss ausgebaut werden.

Wie könnte man ein besseres Bewusstsein für queere Menschen in der Bevölkerung schaffen?

Maximilian Wichtig ist, dass man es den Leuten nicht aufzwingt. Wir wollen es normalisieren, das heißt, nicht, dass jeder ein Befürworter sein muss. Es kann ihnen auch egal sein. Aber das ist eine Sache, von der man nicht ausgehen kann, dass sie innerhalb einer Generation gelöst werden kann. Wenn eine junge Generation damit aufwächst und weiß, dass es queere Menschen gibt, dann werden sie auch mit dem Gedanken aufwachsen, dass es schön ist, dass es sie gibt, aber, dass sie sich nicht durch sie bedroht fühlen.

Sie wünschen sich beide mehr Aufklärungsarbeit und Akzeptanz. <span class="copyright"> Daniella Oyarzo</span>
Sie wünschen sich beide mehr Aufklärungsarbeit und Akzeptanz. Daniella Oyarzo

Wie könnte man Ihrer Meinung nach die Aufklärungsarbeit gestalten?

Fabio Ich glaube durch die Medien, indem man das Thema mit den Bürgern aufarbeitet. Dabei vielleicht eine Pressekonferenz macht, wo verschiedene NGOs dabei sind und jeder teilnehmen kann sowie Fragen stellen kann. Begegnungspunkte schaffen. Oder ein queeres Café, in dem die Menschen einfach fragen, können, wie es ausschaut.

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