
Völlig losgelöst: Mit dem Zeppelin rund um den Bodensee
Höhenflug bietet traumhafte Aussichten auf die Region.
Friedrichshafen Ohne groß zu ruckeln oder irgendwelche Turbulenzen hebt er ab. Innerhalb von wenigen Sekunden geht es in die Höhe. Und schon eröffnet sich ein traumhafter Ausblick über den gesamten Bodensee. In der Form bieten das wohl nur die Zeppelin-Flüge von Friedrichshafen. Nicht umsonst lautet der Slogan “Die schönste Art zu fliegen”.

Das Wetter spielt auch mit. Am Donnerstagvormittag ist der Himmel blau, keine Wolke stellt sich der Sonne in den Weg. Nach dem Start lenkt der Pilot Marko Hollerer mit seinem Flugbegleiter Marco Krug den Zeppelin Richtung Lindau. Beinahe schwebend bewegt sich das 75 Meter lange Luftschiff in 300 Metern Höhe. 14 Gäste haben in der Kabine Platz.

Vom Hangar in Friedrichshafen aus werden elf verschiedene Routen angeboten. Die Flüge dauern zwischen 30 und 120 Minuten und kosten dementsprechend unterschiedlich viel. Von 290 bis 970 Euro reicht die Preisspanne. 100 Festangestellte kümmern sich das ganze Jahr über um den Betrieb, dazu kommen rund 60 Saisonarbeiter im Sommer.
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Neuer Zeppelin wird gebaut
Die zwei Zeppeline aus Friedrichshafen fliegen pro Saison jeweils etwa 900 Stunden. Vor der Corona-Pandemie transportierten sie in dieser Zeit rund 24.000 Passagiere. Der Großteil kommt aus Süddeutschland, Vorarlberger machen nur einen Anteil von knapp fünf Prozent aus, Schweizer hingegen mehr als zehn Prozent. Aktuell sind die Passagierzahlen nicht so hoch. Es befinden sich nämlich drei Piloten in der Ausbildung, und dafür gehen Flugstunden drauf.

Doch die Nachfrage ist groß. “Sogar so groß, dass wir sagen, das trägt sich am Markt”, berichtet Michael Schieschke, Stellvertretender Geschäftsführer von Zeppelin Friedrichshafen. Daher wird ausgebaut. In Friedrichshafen entsteht derzeit ein drittes Luftschiff. Über 16 Millionen Euro kostet allein das Schiff. Ab 2024 soll es rund um den Bodensee eingesetzt werden. Der Goodyear-Zeppelin wandert dafür ins Ruhrgebiet. Dort gibt es kommendes Jahr nämlich einen neuen Zeppelin-Standort.

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Freie Sicht aufs Rheindelta
Zurück zum Bodensee: Über Lindau geht es weiter ans Vorarlberger Ufer. Bregenz mit der Seebühne, Hard mit den historischen Schiffen Hohentwiel und Oesterreich und weiter zum Rheindelta. Beeindruckend zu sehen, wie viel Sediment der Fluss in den See transportiert. An der Mündung hat sich ein großer baileysbrauner Fleck gebildet. Direkt daneben halten Fischer ihre Angel ins Wasser.




Weiter geht es am Schweizer Ufer mit herrlichem Blick auf die schneebedeckten Berge. Immer wieder fangen idyllische kleine Orte am Ufer die Blicke ein, auf dem See ist dafür die Schifffahrt in vollem Gange. Überall gibt es etwas zu sehen.
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Das ändert sich auch zurück in Deutschland nicht. Konstanz, Überlingen, Meersburg – Häfen, Hotels, Sportplätze, Kirchen und öffentliche Plätze. All das ist von hier oben sehr gut zu erkennen.


Einsatz für die Forschung
Die Luftschiffe sind übrigens nicht nur für touristische Zwecke im Einsatz. Auch Forschungsprojekte wurden bereits unterstützt. “Es ist aktuell nichts konkret in der Planung, aber wir stehen weiter mit Forschungsinstituten in Kontakt”, verrät Marketing-Chefin Andrea Fischer. Sogar Richtung Polarkreis war ein Zeppelin über der Ostsee aber schon unterwegs. “Wir können bestimmte Manöver fliegen, die kein anderes Luftfahrzeug kann”, erklärt Fischer die Vorzüge.

Nach zwei Stunden ist der Flug über den Bodensee beendet. Sanft landet der Riese am Flugplatz in Friedrichshafen. Er wird gar nicht erst festgemacht, denn die nächsten Passagiere warten schon. Schnell, aber kontrolliert wird umgestiegen, und schon steigt der Zeppelin wieder in die Höhe. Um den nächsten Passagieren einen Traum zu erfüllen.