
Energieautonomie Frastanz: Das sind die Pläne zum Rondo-Reststoffkraftwerk
Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung zum Reststoffkraftwerk für mehr Unabhängigkeit.
Frastanz Auf dem Betriebsgelände der Rondo Ganahl AG entsteht ein Reststoffkraftwerk, um in der Energieversorgung unabhängiger zu werden. Das neue Kraftwerk deckt den Bedarf an thermischer Energie der Papier- und Wellpappefabrik ab. Darüber hinaus erfolgt ein Anschluss an das Fernwärmenetz der E-Werke Frastanz und es kann somit eine Lücke im südlichen Ortsteil geschlossen werden.
Die Papierindustrie ist bekanntermaßen eine energieintensive Branche, weshalb die Rondo Ganahl AG aktuell zwei Kesselhäuser betreibt. Diese werden mit Erdgas betrieben und decken den Bedarf an thermischer Energie für die Papier- und die Wellpappefabrik.

Der Energiebedarf der Papierfabrik entspricht dem Energiebedarf von etwa 10.000 Haushalten. Das neue Reststoffkraftwerk soll nun die Abhängigkeit von Erdgas, das vorwiegend aus Russland stammt, verringern. Darüber hinaus wird der größte Erdgas-Abnehmer in Vorarlberg so unabhängiger.
Das geplante Reststoffkraftwerk, das auf dem Betriebsgelände der Rondo Ganahl AG entstehen wird, weist beeindruckende Kennzahlen auf. Es basiert auf einer stationären Wirbelschichtfeuerung und wird eine Wärmeleistung von rund 35 MW haben. Die Kapazität beträgt etwa 34.000 Tonnen Reststoffe pro Jahr, wovon rund 11.000 Tonnen von der Rondo-Papierfabrik stammen. Das Kraftwerk wird jährlich 140 GWh thermische Energie und 60 GWh elektrische Energie erzeugen. Die geplante Investitionssumme beläuft sich auf 95 Millionen Euro, und die Inbetriebnahme ist für Anfang 2026 geplant.

„Wenn wir ans Netz gehen, decken wir umgerechnet den Gaswärmebedarf von rund 10.000 Haushalten sowie den Strombedarf von rund 20.000 Vorarlberger Haushalten ab“, erklärte Hubert Marte, Vorstandsvorsitzender der Rondo Ganahl AG, bei der Informationsveranstaltung im Adalbert-Welte-Saal. Damit verdeutlichte Marte, dass sich die Rondo vom größten Gasbezieher in Vorarlberg zum eigenen Energieversorger wandeln will.
Überarbeitung Kesselhäuser
Im Zuge des Projekts werden auch die bestehenden Kesselhäuser überarbeitet. Das Kesselhaus der Papierfabrik wird nach Fertigstellung des Kraftwerks in ein Nebengebäude des neuen Kraftwerks verlegt, während das Kesselhaus der Wellpappefabrik aufgelassen wird und die Dampfversorgung zukünftig direkt aus dem neuen Kraftwerk erfolgt.
Fragen aus der Bevölkerung
Nach den Informationen stellten Interessierte ihre Fragen – unter anderem zu Schall, Verkehr und Emissionen. Nach Auskünften der Verantwortlichen fallen zwölf Lkw-Fahrten mehr pro Tag an. Für die Anlieferung der Reststoffe kommen Elektro-Lkw zum Einsatz. Der technische Leiter der Rondo Ganahl AG, Udo Nachbaur, versicherte, dass im Bereich des Schallschutzes und der Emissionen alle Anforderungen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Die Emissionen würden beim Kraftwerk jener von zehn Haushalten mit Pelletsheizung entsprechen.

Umwelt-, Klimaschutz- und Energielandesrat Daniel Zadra bekräftigte, dass im Genehmigungsverfahren die Anforderungen ganz genau geprüft werden. Bürgermeister Walter Gohm bedankte sich bei allen Beteiligten für die Ausführungen und bei den Besuchern die rege Teilnahme. „Es ist uns als Marktgemeinde Frastanz ganz wichtig, dass die Bevölkerung aus erster Hand vollumfänglich informiert wird“, so Gohm.

Kennzahlen reststoffkraftwerk
Systemtechnik stationäre Wirbelschichtfeuerung
Wärmeleistung (BWL) circa 35 MW
Kapazität (Materialinput) circa 34.000 Tonnen ungefährliche Reststoffe pro Jahr;
davon rund 11.000 Tonnen aus der Rondo am Standort
Energie Output pro Jahr 140 GWh thermische, 60 GWh elektrische Energie
Frischdampfparameter 46 Tonnen/Stunde, 90bar bzw. 400/500 °C
Menge Dampfauskoppelung 20 Tonnen/Stunde (für Papiermaschine)
Wertstoffbedarf (gesamt) ca. 10 Tonnen/Stunde
Wertstoffeinsatz (max.) 34.650 Tonnen/Jahr ungefährliche Reststoffe
Leistung elektrisch 8 MWel
Bauhöhe Kraftwerk 32 Meter
Geplante Investitionssumme 95 Millionen Euro (Stand Frühjahr 2023)
Geplante Inbetriebnahme Anfang 2026
Künftige Wärmeabnehmer Rondo Papierfabrik, Rondo Wellpappefabrik, Brauerei Frastanz eGen, Nahwärme Frastanz (Elektrizitätswerke Frastanz GmbH)