Metzger wollte seinen Laden sanieren lassen, dann geschah das

Fleischverkäufer behauptet vor Gericht, von einem Schwarzarbeiter „in die Pfanne gehauen“ worden zu sein.
Feldkirch „Ohne Rechtsanwalt sage ich hier gar nichts!“, entschlägt sich der 34-jährige wegen des Vergehens des schweren Betrugs angeklagte Türke gleich zu Beginn der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch der Aussage. Von Richterin Silke Sandholzer darauf aufmerksam gemacht, dass es bei diesem Vergehen rechtlich eigentlich keines Verteidigers bedürfe, bleibt er dabei: „Kein Wort hier von mir hier ohne Anwalt!“ Und im Übrigen: Unschuldig sei er sowieso.
Anders sieht das sein angebliches Betrugsopfer, ein 33-jähriger Afghane. Der wollte dereinst sein Metzgergeschäft auf Vordermann bringen lassen. Über einen Bekannten vom benachbarten Friseurladen habe er einen Tipp bekommen. Da kenne man einen Spezialisten mit der richtigen Hand dafür. Der arbeite günstig und zur vollsten Zufriedenheit der Kunden. Garantiert.
Firmenauto ohne Logo
Der Metzger kontaktierte den Spezialisten. Der rauschte mit einem „Firmenfahrzeug ohne Firmenlogo“ an, erinnert sich der Afghane als Zeuge vor Gericht. In zwei bis drei Wochen sei alles erledigt, habe es geheißen und: „Bruder, das eine mache ich diese Woche, das andere die nächste.“
Drei bis vier Monate vergingen. Dann erstattete der Fleischverkäufer Anzeige bei der Polizei.
Und weshalb? „Er hat mir eine defekte Fleischvitrine geliefert. An den Wänden wurden von ihm keine geeigneten Fliesen angebracht. Der Fleischwolf funktionierte nicht. Und die besorgten Tiefkühlgeräte enthielten kein Gas“, empört sich der Afghane vor der Richterin. In mehreren Tranchen habe er insgesamt 21.000 Euro in die „Arbeiten“ des Auftragnehmers investiert. Am Schluss das Chaos.

“Keine ordentlichen Rechnungen”
„Da waren auch keine Garantien seinerseits bezüglich der Geräte. Und auch keine ordentlichen Rechnungen, die ich steuerlich absetzen könnte“, ergänzt der Zeuge noch.
Und einem solchen Menschen habe er vertraut. „Erst am Schluss wurde mir bewusst, dass der mich verarscht hat. Und auch, dass er ein Schwarzarbeiter ist“, bereut er seine anfängliche Leichtgläubigkeit.
Dann war da noch die Sache mit dem Führerschein. „Ich und ein Mitarbeiter wollten den Führerschein machen“, sagt der Metzger. Auch hier habe der Angeklagte um Hilfe gewusst. „Er behauptete, er könne uns für 6400 Euro einen Kurs in einer Fahrschule und die Führerscheine in St. Pölten besorgen.“ Doch einmal mehr mit dem Resultat: Außer Spesen nichts gewesen.
“Nur Lügen über Lügen”
Da bricht der Beschuldigte während der Verhandlung plötzlich sein Schweigen. Mit einem verächtlichen Grinsen im Gesicht kommentiert er die Aussagen des Zeugen: „Alles nur Lügen über Lügen. Wie ich das satt habe.“
Richterin Sandholzer vertagt die Verhandlung. Sie will zur Wahrheitsfindung noch den angeblich zweiten Geschädigten, nämlich jenen in der Angelegenheit wegen der Fahrschule, einvernehmen.